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Quarantäne-Regeln in NRW: Kehrtwende von Lauterbach - Isolation doch wieder Pflicht

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Von: Daniel Großert

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Auch nach dem 1. Mai müssen Corona-Infizierte weiter verpflichtend in Quarantäne. Karl Lauterbach verkündete die Kehrtwende in einer Talkshow.

Update vom 6. April, 13.53 Uhr: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat die Kehrtwende bei den künftigen Corona-Isolationsregeln auf die eigene Kappe genommen. Das zunächst geplante Ende einer amtlich angeordneten Isolationspflicht für Infizierte sei „ein Fehler, für den ich auch persönlich verantwortlich bin“, sagte der SPD-Politiker am Mittwoch. Die Reaktionen darauf hätten ihn davon überzeugt, dass dies „psychologisch das falsche Signal“ senden und als Schritt der Lockerung verstanden würde. Daher solle es bei der Isolationspflicht bleiben. Ein neuer Vorschlag dazu solle jetzt an die Länder gehen.

NameKarl Lauterbach
Geboren21. Februar 1963, Düren
ParteiSozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

Karl Lauterbach sagte, wenn man sehe, dass Vorschläge nicht funktionieren, müsse man sie zurücknehmen und nicht stur dabei bleiben. Daher habe er die Rücknahme der Vorschläge auch noch in der Nacht auf Twitter mitgeteilt. Er habe es nicht laufen lassen, sondern so schnell wie möglich beenden wollen. In der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ am späten Dienstagabend hatte Lauterbach angekündigt, dass es die erst kurz zuvor zum 1. Mai angekündigte freiwillige Isolation von Corona-Infizierten nicht geben werde. Bleiben solle aber eine verkürzte Isolation von fünf Tagen.
Kanzler Olaf Scholz (SPD) habe er natürlich darüber informiert, es sei aber seine eigene Entscheidung gewesen. 

Quarantäne-Regeln in NRW: Kehrtwende von Lauterbach - Isolation doch wieder Pflicht

Update vom 6. April, 8.20 Uhr: Die Ankündigung, dass die Isolation für Coronainfizierte ab dem 1. Mai freiwillig erfolgen soll, sorgte für viele Diskussionen. Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat für diese Entscheidung viel Gegenwind bekommen. Offenbar so viel, dass er nun zurückrudert. In der Talkshow „Markus Lanz“ (ZDF) verkündete er am Dienstagabend (5. April), dass es nicht zu der freiwilligen Isolation kommen soll. Die Quarantäne-Regeln sollen dennoch angepasst werden: Die Isolation wird auf fünf Tage verkürzt.

Nach der Sendung führte Lauterbach auf Twitter seine Beweggründe weiter aus: „Die Beendigung der Anordnung der Isolation nach Corona-Infektion durch die Gesundheitsämter zugunsten von Freiwilligkeit wäre falsch und wird nicht kommen. Hier habe ich einen Fehler gemacht“, schrieb der SPD-Politiker. Er bezeichnete das Signal, dass mit der Freiwilligkeit der Isolation gegeben wird, als falsch und schädlich. Lauterbach möchte sich zu einem späteren Zeitpunkt offiziell äußern.

Neue Regeln für Quarantäne und Isolation: Ab Mai nur noch freiwillig - mit einer Ausnahme

[Erstmeldung] Hamm - In der aktuellen Corona-Welle haben zehntausende Menschen in Nordrhein-Westfalen selbst die Erfahrung gemacht: Wer sich mit dem Virus infiziert, muss in Quarantäne - und kommt erst frühestens nach sieben Tagen wieder heraus. Doch damit ist bald Schluss: Ab dem 1. Mai sind Quarantäne und Isolation nur noch freiwillig. Es gibt allerdings eine Ausnahme.

Zehn Tage lang musste sich jeder Infizierte bisher offiziell isolieren. Nach sieben Tagen konnte er oder sie sich mit einem negativen Corona-Test freitesten. Diese Quarantäne-Regeln sollen sich ab dem 1. Mai grundlegend ändern: Dann müssen die allermeisten Infizierten nicht mehr zwangsläufig in Isolation. Darauf hat sich Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Montag mit seinen Kollegen auf Länderebene geeinigt.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) äußert sich bei einer Pressekonferenz zu neuen Quarantäne-Regeln.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat sich mit seinen Kollegen aus den Ländern auf neue Quarantäne-Regeln geeinigt. © Bernd von Jutrczenka/dpa

Corona-Infizierten und ihren direkten Kontaktpersonen wird demnach nur noch „dringend empfohlen“, sich für fünf Tage zu isolieren und Kontakte zu meiden. Eine Quarantäne-Anordnung des Gesundheitsamtes wird es dann aber nicht mehr geben. Nach den fünf Tagen sollen Infizierte täglich einen Corona-Test machen, bis er negativ ist. Dann dürfen sie die Isolation verlassen.

Quarantäne-Regeln werden geändert: Pflegepersonal muss weiter in Isolation

Nach Angaben von Karl Lauterbach hätten die bestehenden Quarantäne-Regeln funktioniert, seien aber dauerhaft in der Form nicht notwendig. Er begründete das damit, dass Infektionen mit der Omikron-Variante in der Regel eher mild verlaufen. Mit der neuen Regelung sollen auch massenhafte Personalausfälle bei sehr hohen Infektionszahlen vermieden werden. Zuvor hatte der Bundesgesundheitsminister bereits eine Änderung der Quarantäne-Regeln angeregt, doch die war noch nicht so weit gegangen.

Die neue Regelung, die auf einen Vorschlag des Bundesgesundheitsministeriums und des Robert-Koch-Instituts (RKI) zurückgeht, soll nun als Empfehlung an die Länder gehen. NRW und Co. können dann selbst entscheiden, ob sie diese auch umsetzen.

Bei den neuen Quarantäne-Regeln gibt es aber eine entscheidende Ausnahme: Beschäftigte im Gesundheitswesen, in Alten- und Pflegeheimen sowie von ambulanten Pflegediensten sollen davon ausgenommen sein. Im Fall einer Corona-Infektion sollen die Gesundheitsämter für diese Bevölkerungsgruppe weiter Tätigkeitsverbote anordnen. Das Gesundheitspersonal darf erst frühestens nach fünf Tagen mit einer deutlichen Besserung der Symptome sowie einem negativen Schnell- oder PCR-Test wieder zur Arbeit gehen. Als Kontaktpersonen von Infizierten sollen sich Mitarbeiter aus diesen Bereichen fünf Tage lang täglich vor Dienstantritt testen.

Karl Lauterbach betonte mit Blick auf die Pandemie-Entwicklung, dass die Corona-Lage in Deutschland weiterhin angespannt sei und man „nicht entwarnen“ könne. Dennoch sei es gut, dass beim Anstieg der Infektionszahlen „der Wendepunkt erreicht zu sein scheint“. *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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