Neue Kämpfe in Aleppo: UN-Beobachter attackiert

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Kurze Pause von den Gefechten: Ein Kämpfer der Rebellen ruht sich in Aleppo im einer Schule aus.

Beirut - Den elften Tag in Folge haben sich syrische Regierungstruppen und Rebellen am Dienstag in der Wirtschaftsmetropole Aleppo heftige Gefechte geliefert.

Wie Aktivisten der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilten, wurde die Rebellenhochburg Sachur im Nordosten der Millionenstadt bombardiert. In anderen Teilen der Stadt seien zudem Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen ausgebrochen.

Aus den umliegenden Gebieten meldeten Rebellen einzelne Geländegewinne, darunter die Stadt Al Bab und einen wichtigen Militärposten bei Anand. Die Einnahme des Checkpoints dürfte den Transport von Kämpfern und Versorgungsgütern zwischen Aleppo und der 50 Kilometer entfernten syrischen Grenze erleichtern.

Der Kampf um Aleppo, die größte Stadt des Landes, dauert mit bislang elf Tagen inzwischen länger an als der Rebellenangriff auf die Hauptstadt Damaskus, den Regimetruppen diesen Monat abgewehrt haben. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind bereits 200.000 Menschen vor der Gewalt in Aleppo geflohen.

Nach einem Angriff der syrischen Streitkräfte auf einen Konvoi der internationalen Beobachter hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erneut zu einem sofortigen Ende des Blutvergießens im Land aufgerufen. Er sei tief besorgt, dass Damaskus jede Art von schwerem Gerät einsetze, darunter Kampfflugzeuge, Kampfhubschrauber und schwere Waffen, sagte Ban am Montag in New York. “Dies ist eine inakzeptable Situation. Jeden Tag werden mehr als 100 Menschen getötet“, erklärte er. Mehr als zwei Millionen Menschen seien von der Gewalt betroffen. Noch mehr Kämpfe könnten nicht die Antwort sein. Ban warnte vor einem religiös motivierten Bürgerkrieg, der auch die Nachbarstaaten Syriens gefährden könnte.

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Der UN-Generalsekretär forderte das syrische Regime erneut zu einer vollständigen Zusammenarbeit mit der Beobachtermission auf. Am Sonntag sei in der Nähe der Stadt Homs ein Konvoi der Beobachter von Soldaten beschossen worden, sagte Ban. In einem der fünf Fahrzeuge sei Missionsleiter General Babacar Gaye unterwegs gewesen. “Glücklicherweise wurde niemand verletzt“, erklärte Ban. Insgesamt wurden durch Beschuss der Truppen von Präsident Baschar Assad den Angaben zufolge bereits mehr als ein Dutzend Beobachter-Fahrzeuge zerstört.

Angesichts der Gewalt setzten sich zwölf weitere syrische Offiziere in die Türkei ab. In London kehrte ein Diplomat Damaskus den Rücken.

Obama spricht mit Erdogan

US-Präsident Barack Obama sprach am Montag in einem Telefonat mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan über die Lage in Syrien. Beide verständigten sich auf gemeinsame Bemühungen zur Unterstützung der wachsenden Zahl von Flüchtlingen, wie das Weiße Haus mitteilte. Die amtliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete am Montag, die Regierung in Ankara werde weitere Truppen an der Grenze zu Syrien stationieren.

Helfer: 200 000 Menschen aus Aleppo-Region geflohen

Vor den erbitterten Kämpfen in und um die syrische Großstadt Aleppo sind nach Schätzungen von Helfern allein am vergangenen Wochenende rund 200 000 Menschen geflohen. Andere suchten zu Tausenden Schutz in Moscheen und öffentlichen Gebäuden, sagte die Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerkes (UNHCR), Melissa Fleming, am Dienstag in Genf.

Der Syrische Rote Halbmond und andere einheimische Helfer registrierten in der Region täglich etwa 300 geflohene oder vertriebene Familien, die dringend auf Hilfe angewiesen seien. Das UNHCR bemühe sich, Tausende Flüchtlinge unter anderem mit Decken, Küchenutensilien und Zeltplanen zu versorgen. Die Büros in Aleppo und teils auch in Damaskus seien aber nur noch eingeschränkt arbeitsfähig.

Die Grenze zur Türkei haben nach UNHCR-Angaben allein in den vergangenen vier Tagen etwa 2000 Flüchtlinge überquert. Viele berichteten von Straßensperren und Scharfschützen auf dem Weg, was vermutlich auch viele Menschen vor der Flucht ins Nachbarland zurückschrecken lasse.

dapd/dpa

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