Prozess-Auftakt: Mubarak im Krankenbett

Kairo - Ägyptens Ex-Staatschef Hosni Mubarak muss sich im Krankenbett vor Gericht verantworten. Der Staatsanwalt wirft dem 83-Jährigen Tötung von Demonstranten vor - ihm droht sogar die Todesstrafe.

Ein halbes Jahr nach dem Umsturz macht Ägypten der früheren Führung um Präsident Hosni Mubarak den Prozess. In der Polizeiakademie von Kairo begann am Mittwoch das Strafverfahren gegen den durch Massenproteste gestürzten 83-Jährigen wegen Tötung von Demonstranten, Amtsmissbrauchs und illegaler Bereicherung. Mit dem Ex-Staatschef, dem die Todesstrafe droht, sind seine zwei Söhne, der frühere Innenminister sowie weitere Mitarbeiter angeklagt.

Millionen Ägypter, die der Live-Übertragung im staatlichen Fernsehen folgten, hielten den Atem an, als ihr fast 30 Jahre herrschender ehemaliger “Landesvater“ im Krankenbett in den Verhandlungssaal geschoben wurde. Er ist der erste Führer seines Landes, der sich wegen seiner Handlungen im Amt vor Gericht verantworten muss.

Prozess-Auftakt gegen Ex-Diktator Mubarak - Unruhen auf den Straßen

Ägyptens Ex-Diktator Mubarak im Krankenbett vor Gericht - Unruhen auf den Straßen

Mubarak wies alle Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück. “Ich bestreite alle Anklagepunkte“, sagte er mit fester Stimme von seinem Krankenbett aus. “Ich habe derartige Verbrechen nicht begangen.“

Der Vorsitzende Richter Ahmed Rifaat ermahnte zu Beginn der Sitzung die rund 600 Zuschauer im Auditorium der nationalen Polizeiakademie, der Verhandlung ruhig und in Würde zu folgen. Der Saal war eigens für den Prozess vorbereitet worden. In ägyptischen Gerichtsgebäuden hätte es sonst keinen geeigneten Raum dieser Größe gegeben.

Zusammen mit Mubarak werden im selben Verfahren auch der frühere Innenminister Habib al-Adli und sechs ehemalige leitende Mitarbeiter aus dessen Ministerium beschuldigt. Ihnen droht im Falle einer Verurteilung die Todesstrafe. Wegen Korruption und Amtsmissbrauchs mussten außerdem Mubaraks Söhne Gamal und Alaa vor dem Richter erscheinen. Auch sie bestritten alle Vorwürfe. In Abwesenheit angeklagt ist zudem der Geschäftsmann Hussein Salem, der nach Spanien floh.

Der "arabische Frühling": In diesen Ländern wird rebelliert

Der „arabische Frühling“: In diesen Ländern wurde rebelliert

Die Verhandlung wurde bald von Debatten um den Prozessablauf zwischen Richter Rifaat und dem Verteidigerteam der Angeklagten beherrscht, das mehr als 80 Anwälte umfasst. Mubaraks Verteidiger verlangten, dass der Chef des regierenden Militärrates, Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi, und Ex-Geheimdienstchef Omar Suleiman als Zeugen vorgeladen werden.

Tantawi war unter Mubarak schon Verteidigungsminister und ist es heute noch. Suleiman war von Mubarak während der Massenproteste zum Vize-Präsidenten ernannt worden. Er verschwand inzwischen aus der Öffentlichkeit. Al-Adlis Anwälte legten gegen die Zusammenlegung des Prozesses ihres Mandaten, der bereits im April begonnen hatte, mit dem gegen die Mubaraks Beschwerde ein. Erst kurz vor Mittag begann der Staatsanwalt mit der Verlesung der Anklage.

Rangeleien und Steinwürfe vor Polizeiakademie

Bis zuletzt war unklar gewesen, ob der gestürzte Präsident tatsächlich im Gerichtssaal erscheinen würde. Sein Anwalt Farid al-Dib hatte beharrlich behauptet, Mubarak sei schwer krank. Am frühen Mittwochmorgen wurde er jedoch in seiner Luxusklinik in Scharm el Scheich abgeholt und im Hubschrauber nach Kairo gebracht. Auf seinem Krankenbett hingestreckt wirkte er in der Verhandlung alt und gebrechlich, schien aber den Vorgängen aufmerksam zu folgen.

Vor der Polizeiakademie hatten sich am frühen Morgen mehrere hundert Gegner und Anhänger Mubaraks eingefunden. Gelegentlich kam es zu Rangeleien und Steinwürfen. Rund 3000 Polizisten sicherten das Areal.

Mubarak war am 11. Februar unter dem Druck landesweiter Massenproteste nach fast 30 Jahren an der Macht abgetreten. Er zog sich in eine Klinik im Badeort Scharm el Scheich zurück, wo er formell unter Haft gestellt wurde. Seine Söhne mussten auf den Prozessbeginn als Untersuchungshäftlinge im Tora-Gefängnis bei Kairo warten.

dpa

Rubriklistenbild: © ap

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare