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Von der AfD als Bundespräsident nominiert: CDU-Politiker Otte im Interview

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Von: Georg Dickopf

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CDU-Politiker Max Otte soll als Bundespräsident kandidieren. Aufgestellt wurde er von der AfD. Der Politiker im Interview.

Plettenberg/Berlin – Max Otte, gebürtig aus Plettenberg in Nordrhein-Westfalen, ist immer für Überraschungen gut. Am späten Montagabend wurde bekannt, dass die AfD den Plettenberger zum Bundespräsidenten nominieren möchte. Georg Dickopf von wa.de erreichte Max Otte nur wenige Stunden nach der Bekanntgabe für ein Interview.

Herr Otte, Sie sorgen immer wieder für Überraschungen. Die Plettenberger lesen nun, dass Sie zum Bundespräsidenten nominiert werden sollen...

Max Otte: Ich habe dazu folgendes zu sagen: Die Kandidatur als Bundespräsident ist eine der höchsten Ehren, die einem widerfahren kann. Das Amt bietet die Chance zu heilen, versöhnen, zu ermahnen. Ich berate mich mit meiner Familie und denke intensiv darüber nach.

Was denken Sie, wie lange Sie darüber nachdenken?

Max Otte: Kurzfristig. Ein zwei Tage würde ich sagen.

Seit Mai sind sie Vorsitzender der Werteunion, sie sind seit über 30 Jahren Mitglied bei der CDU und jetzt nominiert Sie die Afd als Bundespräsident...

Max Otte: Das Amt ist überparteilich, das ist ein völlig normaler demokratischer Vorgang. Viele in der CDU unterstützen ja auch einen SPD-Kandidaten. Das ist ein dem Amt angemessener Vorgang.

Mitglied in der AFD sind Sie aber immer noch nicht?

Max Otte: Natürlich nicht. Ich bin und bleibe CDU-Mitglied, das habe ich immer gesagt.

Max Otte
Die AfD stellte CDU-Politiker Max Otte für Wahl zum Bundespräsidenten auf. © Karlheinz Schindler

Max Otte: AfD stellt CDU-Politiker für Wahl zum Bundespräsidenten auf - „Etwas Überparteiliches“

Das mag für manch einen befremdlich wirken. Wenn die CDU Sie aufgestellt hätte, wäre das vielleicht etwas anders gewesen, aber das würden sie momentan wohl nicht tun...

Max Otte: Meine stellvertretenden Vorsitzenden in der Werteunion haben mich bei Friedrich Merz vorgeschlagen. Wir haben keine eigenen Delegierten in der Bundesversammlung, also muss es das Konrad-Adenauer-Haus machen.

Was halten Sie eigentlich von Frank-Walter Steinmeier als Bundespräsident?

Max Otte: Ich kann nur sagen, dass während seiner Präsidentschaft sind die Gräben immer größer geworden sind, und der Bundespräsident hat ja die Aufgabe zu versöhnen, zu heilen und zusammenzuführen.

Jetzt ist die AfD auch nicht gerade dafür bekannt, Gräben harmonisch zuzuschütten...

Max Otte: Ich sage nichts zum Thema Parteipolitik, sondern nur zum Amt des Bundespräsidenten. Das ist etwas Überparteiliches.

Ihre Chancen dürften trotzdem relativ gering sein.

Max Otte: Das ist ein wichtiges Zeichen für Überparteilichkeit und Versöhnung.

Und Sie würden also versuchen, die Gräben in Deutschland zu schließen?

Max Otte: Ich bin ein versöhnlicher Mensch. Das habe ich von meinem Vater gelernt. Wie Sie wissen, wohnten in meiner Straße in Plettenberg Ohle der SPD-Bürgermeister Baberg, der DKP-Kandidat Krause und der CDU-Spitzenkandidat Otte. Ich habe immer gelernt, dass Dialog das Wichtigste ist. So bin ich aufgewachsen in Plettenberg.

AfD nominiert Max Otte als Bundespräsidenten: Forderung nach mehr Toleranz beim Thema Corona

Was sagen Sie eigentlich zur Corona-Politik?

Max Otte: Ich habe Verständnis dafür, dass die Menschen die Einschränkung der Grundrechte nicht wollen und dass es eine freiwillige Entscheidung ist, ob man sich impft oder nicht. Dafür habe ich großes Verständnis und auch da brauchen wir mehr Toleranz.

Das ist aber auch die Meinung der AfD.

Max Otte: Nein, nein, nein. Ich habe diese Meinung schon deutlich vor der AfD geäußert. Von Anfang an. Die AfD hat da noch gar keine Linie gehabt. Das ist meine Linie.

Derweil hat Baden-Württembergs CDU-Fraktionschef Manuel Hagel dem Chef der konservativen Werte-Union, Max Otte, mit dem Ausschluss aus der CDU gedroht, weil dieser von der AfD als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten nominiert wurde. „Genug ist genug“, sagte Hagel am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Und auch Hans-Georg Maaßen (CDU) zieht aufgrund der Ereignisse um Max Otte Konsequenzen. *wa.de und merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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