Wichtige Corona-Regel

Maskenpflicht aufheben? Warum Experten trotz niedriger Inzidenz abraten

Die Corona-Inzidenz sinkt. Fällt damit die Maskenpflicht? Experten raten von einer Aufhebung dieser Regel ab. Die Personen in Deutschland haben eine klare Meinung.

Hamm - Nach Abstand halten und Händewaschen war sie einer der ersten Regeln und Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus - die Maskenpflicht. Erst „reichte“ eine Variante aus Stoff. Mittlerweile sind medizinische Masken bzw. FFP2-Masken der Usus. Eben weil sie in vielen Bereichen ein Muss sind. (News zum Coronavirus)

Sars-CoV-2Medizinische Bezeichnung des Virus
Covid-19Bezeichnung für die durch das Virus ausgelöste Krankheit
Coronaviren/CoronaBezeichnung für eine Familie von Erregern. Es gibt unterschiedliche Corona-Stämme

Maskenpflicht wegen sinkender Inzidenz aufheben? Warum Experten davon abraten

Mit jeder weiteren Corona-Welle verschärften Bund und Länder die Auflagen - eben bis medizinische und FFP2-Masken Pflicht wurden. Die einen ächzten unter den „Maulkörben“, protestierten dagegen auf der Straße oder zogen sogar vor Gerichte. Andere verwiesen auf das Personal in den Kliniken, das über Stunden mit Maske um die Leben anderer kämpft und am Ende gezeichnet ist: Fotos verschwitzter Krankenschwestern mit Maskenabdruck machten die Runde.

Aber wie geht es weiter? Die Corona-Zahlen in Deutschland stagnieren aktuell auf einem niedrigeren Niveau. Viele Menschen in Deutschland erwarten von der Politik nun angesichts niedriger Inzidenzen und vieler anderer Lockerungen von Regeln unter anderem in NRW auch die Aufhebung der Maskenpflicht. Doch die Hoffnung darauf sollte nicht allzu groß sein.

Denn die Reaktionen auf das zeitweise Vorhaben von Niedersachsen, die Maskenpflicht im Einzelhandel in Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 35 fallenzulassen, zeigen: So schnell wird es nichts. Nach breiter Kritik auch aus der Bundesregierung machte das Land einen Rückzieher. Und aus Sicht vieler Experten ist das auch gut so.

Maskenpflicht aufgeben? Virologe warnt vor zu früher Lockerung dieser Corona-Regel

„Frühestens, wenn wir Impfquoten von 70 bis 80 Prozent erreicht haben, könnte man darüber nachdenken“, sagt der Virologe Friedemann Weber von der Uni Gießen der Deutschen Presse-Agentur. Und damit meint er nur vollständig geimpfte Personen. „Wir haben immer noch eine Pandemie mit einem unklaren weiteren Verlauf unter anderem durch Virusvarianten“, ergänzt er.

Daher plädiert er dafür, den eingeschlagenen Weg beizubehalten. „Eine Aufhebung der Maskenpflicht im Einzelhandel wäre gerade das völlig falsche Signal und sehr kurzsichtig gedacht“, sagt Friedemann Weber. Zumal der Aufwand, eine Maske zu tragen, gering sei - der Gewinn für die Pandemie-Bekämpfung hingegen groß. „Die Maske tut doch niemandem weh.“

Ein ebenfalls nicht zu unterschätzender Punkt: Nach einer im Fachblatt Science veröffentlichten Studie des Virologen Christian Drosten liege das Maximum der Virus-Ausscheidung ein bis drei Tage vor Beginn der Symptome. Der Infizierte merkt also noch gar nicht, dass er krank ist und andere anstecken könnte. Eine Maske kann da viel ungewolltes Ungemach verhindern.

Maskenpflicht vor allem in engen und unbelüfteten Räumen sinnvoll

Auch Aerosolforscher mahnen zur Vorsicht. Zwar sei die Maskenpflicht kein Allheilmittel im Kampf gegen Corona. Sie könne aber vor allem in kleinen, engen und unbelüfteten Räumen helfen - dort sei die Gefahren am höchsten. Das sagte der frühere Präsi­dent der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin (ISAM), Gerhard Scheuch, der Deutschen Presse-Agentur.

Experten warnen vor einer zu frühen Aufhebung der Maskenpflicht.

Ein passendes Beispiel seien Fahrstühle. „Hier sind oft nur zwei bis vier Kubikmeter Luft. Wenn Leute drin sind, noch weniger“, erklärte Gerhard Scheuch. In diesem Fall könne man Dann könne man sich schon während der Fahrt in den sechsten Stock anstecken. „Selbst wenn der Aufzug leer ist“, warnte der Experte. „Die Wolke bleibt drin.“

Weniger groß sei das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus bei Outdoor-Aktivitäten wie etwa Zoobesuchen aufgehoben. Dort könne die Maskenpflicht zuerst aufgehoben werden. Auch in großen Theatern und Museen, Freibädern, Schwimm- und Sporthallen sei das Ansteckungsrisiko nicht so hoch, weil dort sehr viel Raum und Luft seien. „Da reicht die Aerosolkonzentration kaum aus, um andere zu gefährden“, sagt Gerhard Scheuch.

Forscher bestätigen: Maskenpflicht bremst Verbreitung von Coronaviren

Dabei gebe es jedoch auch Tücken - denn selbst in vermeintlich Frischluft-durchfluteten Freibädern gibt es enge Umkleiden. „Da muss man schauen, dass die super belüftet sind.“

Dass korrekt getragene Masken die Verbreitung der Coronaviren deutlich bremsen können, hat ein internationales Team um Forschende des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz (MPIC) in einer jüngst veröffentlichten Studie gezeigt: Um die sogenannte Reproduktionszahl - die angibt, wie viele Menschen ein Infizierter im Mittel ansteckt - von etwa drei auf unter eins zu reduzieren, müssten demnach mindestens 60 bis 70 Prozent der Menschen chirurgische Masken korrekt anwenden. Bei FFP2-Masken wären es etwa 40 Prozent. „Bei infektiöseren Varianten von Sars-CoV-2 müssten die Raten entsprechend höher sein“, heißt es.

Daher ist davon auszugehen, dass die Maskenpflicht zum Schutz vor Corona noch eine Weile bestehen bleibt. Der Leiter des Forschungsbereichs Pneumologie an der Charité Berlin, Christian Witt, prognostiziert: „Masken werden eine wichtige Schutzmaßnahme gegen Sars-CoV-2-Infektionen bleiben - sogar für geimpfte Personen, speziell wenn der Impfschutz mit der Zeit nachlässt.“

Maskenpflicht beibehalten - ein Großteil der Menschen in Deutschland ist dafür

Für die meisten Menschen sei dies ohnehin kein Problem. Fast die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland will einer Umfrage zufolge weiter Maske zum Schutz vor Krankheiten tragen. Laut einer repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Augsburger Allgemeinen (Mittwoch) sprachen sich 44,7 Prozent der Befragten dafür aus. 41,9 Prozent der Befragten wollen dagegen auf das Stück Stoff vor Mund und Nase dauerhaft verzichten. Der Rest ist unentschieden.

Unter anderem das Alter spiele bei der Frage nach dem Tragen einer Maske nach der Corona-Pandemie eine Rolle. 54,1 Prozent der Menschen über 65 sprachen sich der Civey-Umfrage zufolge dafür aus. Bei den 18- bis 29-Jährigen hingegen sprach sich eine Mehrheit (50,5 Prozent) dagegen aus, die Maske auch künftig im Alltag zu nutzen. (mit dpa-Material)

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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