SPD-Gesundheitsexperte

Lauterbach schließt vierten Lockdown aus - die vierte Corona-Welle aber nicht

Einen vierten Corona-Lockdown wird es nicht geben, meint Karl Lauterbach. Eine vierte Welle dagegen in Teilen schon. Gesundheitsminister Jens Spahn will vorbereitet sein.

Hamm - Die Inzidenzen purzeln. Die Corona-Zahlen in Deutschland sind so niedrig wie lange nicht mehr. Schluss mit den strengen Corona-Regeln. Vorbei sind die Zeiten des Lockdowns - endlich wieder Freiheit. Oder? (News zum Coronavirus)

NameKarl Lauterbach
Geboren21. Februar 1963 (Alter 58 Jahre), Düren
ParteiSozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

Karl Lauterbach schließt vierten Lockdown aus - die vierte Corona-Welle aber nicht komplett

Schon vor Wochen hatte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach einen guten Sommer prognostiziert. Selten war der sonst mahnende Epidemiologe so zuversichtlich in der Corona-Pandemie.

„Die Lage wird besser“, sagte jetzt auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). „Wir haben Grund zur Zuversicht.“ Die Inzidenzen würden sinken, die Impfkampagne laufe parallel „auf Hochtouren“ und zeige bereits erste Effekte - insbesondere in den Risikogruppen. Wenn es so weitergehe, „dann kann das ein richtig guter Sommer werden“. Die Fortschritte habe sich die Bevölkerung „hart erarbeitet“.

Doch der Bundesgesundheitsminister mahnte trotz der bisherigen Erfolge weiterhin zur Vorsicht. Deutschland sei nach wie vor „mitten in der Pandemie“, sagte der 41 Jahre alte CDU-Politiker.

Vom sorglosen Sommer in die nächste Corona-Welle: Jens Spahn bereitet sich vor

Eine Warnung, die berechtigt scheint. Denn auch nach dem vergangenen Sommer mit niedrigen Inzidenzen ging es nach einem mehr oder minder sorglosen Sommer in einem nahezu fließenden Übergang in die nächste Corona-Welle. Dieses Szenario wollen Bund und Länder möglichst vermeiden.

In diesem Jahr wolle Jens Spahn er schon früher Risiken von rasant steigenden Corona-Infektionszahlen besprechen und Strategien zur Vermeidung einer vierten Corona-Welle durchgehen. „Die Gespräche habe ich schon mit Experten und dem Robert Koch-Institut begonnen“, sagte der Bundesgesundheitsminister jüngst im ZDF-Morgenmagazin.

Ein Faktor könnte dabei die Verbreitung der indischen Corona-Variante B.1.617.2, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in „Delta“ unbenannt hat. Laut Robert-Koch-Institut spiele diese Mutante in Deutschland bislang eine eher untergeordnete Rolle. Es bestehe jedoch die Sorge, dass diese sich durch Reisende auch hierzulande verbreiten könnte.

Karl Lauterbach schließt vierten Lockdown aus - doch es wird lokale vierte Corona-Wellen geben

Karl Lauterbach schließt es sogar nahezu aus, dass es eine vierte Welle und damit einen vierten bundesweiten Lockdown geben wird. Durch Impfungen gegen Corona könne dies verhindert werden, sagte der SPD-Politiker im ZDF.

Allerdings rechnet der Epidemiologe mit „lokalen vierten Wellen“. Derartige Corona-Ausbrüche halte er zum Beispiel in Schulen für denkbar, wenn dort noch nicht genügend Schüler gegen Covid-19 geimpft seien. „Das halte ich für sehr wahrscheinlich. In Kitas aber auch in Grundschulen könnten Ausbrüche vorkommen, weil wir da nicht impfen können“, sagte er. Auch der Virologe Alexander Kekulé sieht die Gefahr an Schulen - und warnt vor den Folgen.

Gleiches gelte für andere Bereiche in Innenräumen, in denen viele Menschen aufeinander treffen. Zum Beispiel Clubs oder Bars. Ein exponentielles Wachstum müsse dies jedoch nicht mit sich bringen. „Und ohne exponentielles Wachstum sind die Ausbrüche, die man hat, immer lokale Ausbrüche“, so Karl Lauterbach, der um seinem Wieder-Einzug in den Bundestag bangen muss.

Und Ausbrüche sollten in der Folge auch mit lokalen Corona-Regeln und Maßnahmen bekämpft werden. „Aber nicht“, ergänzte der SPD-Gesundheitsexperte, „noch mal mit einem flächendeckenden Lockdown.“ (mit dpa-Material)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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