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Lauterbach zu Lockerungen: „Deutlich vor Ostern“ - Herbst-Prognose überrascht

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Von: Hannah Decke

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Die Corona-Zahlen erreichen Tag für Tag neue Höchstwerte. Trotzdem nimmt die Debatte über Lockerungen Fahrt auf. Jetzt hat sich auch Karl Lauterbach geäußert.

Hamm - Kurz vor dem erwarteten Höhepunkt der Omikron-Welle werden Rufe nach Lockerungen laut. Trotz Rekordzahlen bei den Corona-Neuinfektionen sprechen sich auch immer mehr Politiker und Experten für das baldige Ende der Maßnahmen aus. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat sich jetzt in die Debatte eingeschaltet - und sogar eine überraschende Prognose für den Herbst 2022 abgegeben.

NameKarl Lauterbach
Geboren21. Februar 1963 (Alter 58 Jahre), Düren
ParteiSozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

Lauterbach zu Lockerungen: „Deutlich vor Ostern“ - Herbst-Prognose überrascht

Bei Bild TV sagte Lauterbach am Sonntagabend: „Ich glaube, dass wir deutlich vor Ostern lockern werden. Davon bin ich fest überzeugt.“ Ungewohnte Worte des Bundesgesundheitsministers, der im bisherigen Verlauf der Corona-Pandemie eher immer den vorsichtigeren Weg bevorzugte.

Für Mitte Februar erwarten Experten den Höhepunkt der Omikron-Welle. Danach könnten die Infektionszahlen wieder sinken, heißt es von Medizinern und Wissenschaftlern. Das Erreichen dieses Scheitelpunkts nennt Lauterbach auch als Voraussetzung für mögliche Öffnungsschritte. „Man darf das Fell des Bären nicht verteilen, bevor er erschossen ist“, warnte der SPD-Politiker.

Wann kommen Lockerungen? Karl Lauterbach aktuell noch strikt dagegen

Zum jetzigen Zeitpunkt ist er noch strikt gegen Lockerungen. Er halte es „für verrückt“, wenn bei Höchstzahlen von Infizierten die Maßnahmen gelockert würden. Der Minister fragte: „Was wäre in Deutschland, wenn wir vorgehen würden wie in England?“ Seine Antwort: „Dann hätten wir pro Tag über den Daumen gepeilt vielleicht 300 Tote. Wir haben aber deutlich weniger, nämlich 60 bis 80.“ Mit den Maßnahmen „retten wir jeden Tag Leben“, betonte Lauterbach.

Am 16. Februar treffen sich Bund und Länder zur nächsten Ministerpräsidentenkonferenz. Lauterbach sagte bei Bild, er könne sich vorstellen, bei dem Treffen über Lockerungen diskutiert wird. Ob es tatsächlich zu Lockerungen kommt, „hängt davon ab, wie wir dann stehen.“

Karl Lauterbach und Anne Spiegel begrüßen sich zu Beginn der Klausurtagung des Bundeskabinetts im Bundeskanzleramt.
Wann werden die Corona-Maßnahmen gelockert? Karl Lauterbach hat eine Prognose gewagt. © Bernd von Jutrczenka / dpa

Für den Herbst 2022 - also die Zeit, in der in den vergangenen zwei Jahren das Infektionsgeschehen immer Fahrt aufnahm - gibt Karl Lauterbach eine überraschende Prognose ab: Dann könne „der Spuk vorbei“ sein - allerdings seiner Einschätzung nach nur, wenn es eine Impfpflicht gebe.

Auch Hendrik Wüst, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und aktuell Vorsitzender Ministerpräsidentenkonferenz, hat sich gegen übereilte Öffnungsschritte bei den Corona-Regeln ausgesprochen. „Wir sollten uns vorbereiten, die Grundrechtseingriffe Stück für Stück zurückzunehmen, wenn der Scheitelpunkt, wenn der Höhepunkt dieser Welle erreicht ist, und wir sehen, dass das Gesundheitssystem sowohl in den Krankenhäusern stabil ist“, sagte der CDU-Politiker am Sonntagabend im ZDF. Das sei aber derzeit noch nicht der Fall. Eine Lockerung könnte in NRW aber bald doch schon kommen - sie betrifft eine bestimmte Gruppe ungeimpfter Personen.

Corona-Lockerungen in Deutschland: Drosten macht Hoffnung für das Frühjahr

Die Debatte über Lockerungen wurde laut, nachdem das Nachbarland Dänemark alle Corona-Maßnahmen aufgehoben hatte - trotz weitaus höherer Zahlen als in Deutschland. Virologe Christian Drosten erklärte im NDR-Podcast, dass die Situation hierzulande aber nicht mit der in Dänemark zu vergleichen sei.

„Eine Sache, die sich nicht geändert hat, ist die Impflücke. Die Impfrate in Deutschland ist sogar vor Kurzem wieder gesunken“, so der Leiter der Virologie an der Berliner Charité. Für Deutschland sollte es deshalb noch keine Entwarnung geben. Trotzdem macht auch Drosten Hoffnung für das Frühjahr, genau genommen auf die Osterferien.

„Wir haben eindeutig den Befund, dass die Übertragungen im Moment aus dem Schulbetrieb gespeist werden. Da werden spätestens die Osterferien den Riegel vorschieben“, erklärt Drosten. Zudem werde die Inzidenz vermutlich durch steigende Temperaturen im Frühling abflachen. (mit AFP/dpa-Material) *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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