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„Maximale Kontaktbeschränkungen“ ab sofort: RKI fordert radikale Maßnahmen

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Von: Marcel Guboff

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Das RKI fordert wegen der Omikron-Variante des Coronavirus sofortige Kontaktbeschränkungen. Karl Lauterbach hat verärgert auf den Vorstoß der Behörde reagiert.

Hamm - Kurz vor den Beratungen von Bund und Ländern zu schärferen Regeln im Kampf gegen das Coronavirus stellt das Robert-Koch-Institut (RKI) eine krasse Forderung. Geht es nach der Behörde, sollte es in Deutschland „maximale Kontaktbeschränkungen“ geben. Diese sollten „sofort beginnen“ - also noch vor Weihnachten - und bis zunächst Mitte Januar gelten. So schrieb es das RKI am Dienstag auf Twitter. Dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse am Dienstag veröffentlicht wurden, war wohl nicht abgestimmt - Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zeigte sich verärgert.

BehördeRobert-Koch-Institut
HauptsitzBerlin
Gründung1. Juli 1891

„Maximale Kontaktbeschränkungen“ ab sofort: RKI stellt radikale Forderung

Um Kontaktbeschränkungen soll es zwar auch bei der Bund-Länder-Konferenz am Dienstag gehen. Allerdings sind diese erst für die Zeit nach Weihnachten vorgesehen.

Doch damit nicht genug: Es brauche „maximale infektionspräventive Maßnahmen“ und eine „maximale Geschwindigkeit bei der Impfung der Bevölkerung“. Darüber hinaus sollten Reisen auf das unbedingt Notwendige reduziert werden. Zum Verständnis der Maßnahmen brauche es intensive Begleitkommunikation.

Um die Ausbreitung der Omikron-Variante zu reduzieren, empfiehlt das RKI, Restaurants sofort zu schließen. Auch sollten die Weihnachtsferien für Kitas und Schulen verlängert werden. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hatte eine Verlängerung der Weihnachtsferien für Nordrhein-Westfalen jüngst nicht mehr ausgeschlossen.

Mit Blick auf die neue Omikron-Variante des Coronavirus spricht das RKI von einer „aktuell in Deutschland beginnenden pandemischen Welle“. Auch wenn diese Welle hierzulande noch am Anfang stehe, zeige der Blick ins Ausland, „dass durch diese Variante mit einer Infektionswelle von bisher noch nicht beobachteter Dynamik gerechnet werden muss“. Zuvor hatte das RKI auch die Risikobewertung wegen Omikron verschärft.

RKI fordert strenge Corona-Regeln wegen Omikron - Lauterbach verärgert

Erste Analysen deuteten nach Angaben des RKI trotz noch vorhandener Unsicherheiten darauf hin, dass Omikron bereits Anfang Januar 2022 die Mehrzahl der Infektionsfälle in Deutschland ausmachen könne. Es könnten mehrere zehntausend Infektionsfälle durch Omikron täglich sein. Unter den derzeitigen Bedingungen liege die Verdopplungszeit in Deutschland bei etwa drei Tagen.

Ein Absperrband hängt vor den geschlossenen Buden des Historischen Weihnachtsmarktes vor der Frauenkirche auf dem Neumarkt. Trotz leicht sinkender Inzidenzwerte bleibt Sachsen den Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) zufolge mit Abstand der Corona-Hotspot in Deutschland.
„Maximale Kontaktbeschränkungen“ ab sofort: RKI stellt radikale Forderung © Sebastian Kahnert/dpa

Daher rät das RKI: „Die Konzepte 2G/3G sollten unter Berücksichtigung der Omikron-Variante geschärft werden, da von einer erheblichen Transmission dieser Variante auch durch Genesene und vollständig Geimpfte ohne Auffrischimpfung ausgegangen werden muss.“

Zwar seien die Zahlen der Neuerkrankungen der vierten Welle durch die Delta-Variante rückläufig. Dennoch lägen die Krankenhausaufnahmen und die Auslastung der Intensivstationen noch auf sehr hohem Niveau, teilte das RKI weiter mit. „Sollte die Dynamik der bevorstehenden Omikron-Welle nicht gebremst werden, ist aufgrund der in kurzer Zeit zu erwartenden hohen Fallzahlen mit einer Überlastung der Gesundheitsversorgungsstrukturen in Deutschland zu rechnen.“ 

Aus Teilnehmerkreisen des Corona-Gipfels erfuhren am Montagnachmittag mehrere Medien, dass Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) wohl verärgert auf die Veröffentlichung des Strategiepapiers vom RKI reagiert hat. Dies sei nicht abgestimmt gewesen und hätte nicht passieren dürfen.

Härtere Corona-Maßnahmen: Hamburg reagiert schon vor Weihnachten

Hamburg hat bereits reagiert. Dort werden bereits ab zu Weihnachten die Kontakte auch für Geimpfte und Genesene eingeschränkt. Nur noch maximal zehn Personen dürften privat zusammentreffen, sagte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) am Dienstag nach einer Sitzung des rot-grünen Senats. Ausgenommen von der Kontaktbeschränkung sind Kinder unter 14 Jahren. Die Regeln gelten ab Heiligabend, 24. Dezember. Für die Gastronomie gilt derweil eine Sperrstunde ab 23 Uhr. In der Silvester-nachr können Gaststätten bis 1 Uhr besucht werden, heißt es: „Stehplätze in gastronomischen Betrieben sind nicht gestattet.“ (mit dpa-Material)

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