„War eine Eintagsfliege“

Klima-Flop für Merkels Regierung: Höchster Emissions-Anstieg seit 1990 droht – Ziele in Gefahr

Angela Merkel mit einem Windrädchen - 2019 bei der Eröffnung eines Windparks auf Rügen
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Angela Merkel mit einem Windrädchen - 2019 bei der Eröffnung eines Windparks.

Zum Ende der Ära Angela Merkel könnte Deutschland seine Klimaziele verfehlen – eine große Rolle spielt dabei Corona. Experten warnen vor einem kräftigen Emissionsanstieg.

Berlin - Erst vor einigen Wochen hatte die Bundesregierung ein weiteres Klima-Paket geschnürt. Doch zunächst gibt es weitere alarmierende Zahlen zu den klimaschädlichen Emissionen Deutschlands: Offenbar droht die Bundesrepublik hinter ihre selbsterklärten Klima-Ziele zurückzufallen – die Nachricht kommt ausgerechnet kurz nach einer flammenden Warnung des Weltklimarats.

Nach Berechnungen des Think-Tanks Agora Energiewende steht Deutschland vermutlich sogar vor dem höchsten Anstieg von Treibhausgasemissionen seit dem Jahr 1990. Kanzlerin Angela Merkel* hatte zuletzt ihre Klimapolitik verteidigt, allerdings dabei auch Versäumnisse in ihrer Kanzlerschaft eingeräumt.

Deutschland und die Klimakrise: Merkels Regierung könnte Ziele doch verfehlen – Experte sieht „Eintagsfliege“

Eine Analyse der Daten aus den Sektoren Energiewirtschaft, Landwirtschaft, Gebäude, Verkehr und Industrie aus dem ersten Halbjahr 2021 ergebe einen voraussichtlichen Anstieg der Emissionen um rund 47 Millionen Tonnen CO2 gegenüber dem Vorjahr, teilte die Denkfabrik am Montag mit.

Damit lägen die Emissionen laut Agora nur noch um 37 Prozent unter dem Niveau von 1990 – wodurch Deutschland wieder hinter das Klimaziel 2020 von 40 Prozent Emissionsminderung zurückfiele. „Das zeigt: Der vermeintliche Erfolg von 40 Prozent Emissionsminderung im letzten Jahr war kein wirksamer Klimaschutz, sondern eine Eintagsfliege, bedingt durch Corona und Sondereffekte*“, erklärte Patrick Graichen, Direktor der Denkfabrik.

Merkels Klimapolitik: Corona-Effekte wohl wieder passé – Höchster Emissionsanstieg seit 1990 droht offenbar

Ein Grund für den Anstieg ist vermutlich die Corona-Krise – beziehungsweise die wirtschaftliche Erholung in diesem Jahr. Im ersten Halbjahr hätten die Kraftwerke den Vorjahreswert bereits um 20 Millionen Tonnen CO2 übertroffen, hieß es. Grund dafür sei zum einen der verstärkte Einsatz von fossilen Kraftwerken, nachdem sich die Stromnachfrage wieder erholt hat. Zum anderen sei die Ausbeute der Windkraft nur „durchschnittlich“ gewesen. 2020 habe noch „besonders ertragreiche“ Monate in Sachen Windkraft geliefert.

„Im Wahljahr 2021 wird Deutschland den höchsten Anstieg der Treibhausgasemissionen seit 1990 verzeichnen. Das übertrifft selbst den Anstieg nach der Wirtschaftskrise 2009/2010“, sagte Graichen. Die neue Bundesregierung müsse nach der Wahl in den ersten hundert Tagen die entscheidenden Weichen für Klimaneutralität stellen, forderte er. Dazu gehörten ein vorgezogener Kohleausstieg sowie eine Verdreifachung beim Ausbau von Wind- und Solaranlagen. Allerdings ist gerade die Windkraft in einigen Bundesländern Zankapfel – etwa in Bayern*. (dpa/fn) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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