Long-Covid-Folgen

Kinder und Jugendliche gegen Corona impfen: Das sind die Vor- und Nachteile

Beim Impfgipfel am 27. Mai wird über die Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche diskutiert werden. Sollten sie geimpft werden? Ein Für und Wider.

Hamm - Die Ständige Impfkommission (Stiko) zögert, die Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche generell zu empfehlen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hingegen drängt darauf, auch ohne die ausdrückliche Empfehlung der Stiko mit den Corona-Impfungen für unter 18-Jährige zu beginnen. Gerade durch den Start des neuen Schuljahres nach den Sommerferien gibt es Druck. Eine Situation wie zuvor in der Coronakrise wünschen sich wohl weder Politik, Eltern, Lehrer noch die Schüler. (News zum Coronavirus)

KommissionStändige Impfkommission (Stiko)
Formunabhängiges Expertengremium, koordiniert im Robert-Koch-Istitut
Gründung1972

Sollten Kinder und Jugendliche gegen Corona geimpft werden? Alles zu Vorteilen und der Kritik

Doch wie sieht die allgemeine Studien-Lage für die Corona-Impfungen aus? Sollte man Kinder und Jugendliche gegen Corona impfen lassen, oder gibt es berechtigte Kritik an der Impfung? Beim Impfgipfel am 27. Mai mit den Ministerpräsidenten und Kanzerlin Angela Merkel (CDU) ist mit einer Entscheidung zu rechnen.

Welche Corona-Impfstoffe würden an Kinder und Jugendliche verimpft werden?

Die Zulassung bei der Europäischen Union hat bis jetzt der Impfstoff-Hersteller Biontech beantragt. Moderna plant, den Antrag Anfang Juni zu stellen. Beide Firmen haben untersucht, ob ihre Corona-Impfungen für 12- bis 15-Jährige geeignet sind und kommen zu positiven Ergebnissen. Moderna erklärte, dass ihr Impfstoff in einer Studie als sehr wirksam für die Zielgruppe getestet wurde, veröffentlichte aber noch keine Ergebnisse in Fachjournalen.

Biontech/Pfizer hat in den USA bereits die Zulassung für Kinder und Jugendliche (Altersgruppe 12 bis 15 Jahre) erhalten. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA will planmäßig am Freitag über den Biontech-Impfstoff entscheiden.

Astrazeneca und Johnson & Johnson testen derzeit ihre Corona-Impfstoffe für die Altersstufe.

Wie wirksam sollen die Impfstoffe für 12- bis 15-Jährige sein?

Moderna führte eine Studie mit 3732 Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren durch. Demnach wirkte der Impfstoff bei den Jüngeren nach der ersten Impfung zu 93 Prozent und bei der zweiten zu 100 Prozent. Keiner der Studienteilnehmer erkrankte an Covid-19.

Auch Biontech/Pfizer meldet solche herausragenden Ergebnisse: Die Wirksamkeit liege laut einer klinischen Studie bei Kindern zwischen zwölf und 15 Jahren in den USA bei 100 Prozent. Biontech testete etwa 1000 Jugendliche.

Wann kommt der Corona-Impfstoff für Kinder unter 12 Jahren?

Der Impfstoff-Hersteller Biontech/Pfizer untersucht derzeit die Sicherheit des Corona-Impfstoffs für die kleineren Kinder. Biontech führt Studien bei Kindern zwischen sechs Monaten und elf Jahren durch und geht davon aus, dass im September die notwendigen Daten vorliegen, um eine Zulassung des Corona-Impfstoffs für Kinder unter 12 Jahren bei der EMA zu beantragen.

Gibt es Nebenwirkungen nach der Corona-Impfung für Teenager?

Beide Impfstoffhersteller melden Nebenwirkungen, die sich etwa mit denen für Erwachsene vergleichen lassen. Nach der Impfung mit Moderna können bei Kindern und Jugendlichen Kopfschmerzen, Müdigkeit, Muskelschmerzen und Schüttelfrost, sowie Schmerzen an der Einstichstelle auftreten. Gleiches gilt für den Corona-Impfstoff von Biontech: Die Nebenwirkungen der Jugendlichen lassen sich mit jenen der 16- bis 25-Jährigen vergleichen.

Welche Kritik gibt es an Corona-Impfungen für Kinder und Jugendliche?

Die Stiko schätzt die Datenlage derzeit als zu gering ein. Moderna testete etwas über 3000 Kinder und Jugendliche, Biontech etwa 1000.

Zum Vergleich: Für Schwangere gibt es in Deutschland keine generelle Empfehlung zur Corona-Impfung. Sie sollen laut Stiko nur geimpft werden, wenn sie Vorerkrankungen haben - und nach strenger Kosten-Nutzen-Abwägung. Daten gibt es hierzu deutlich mehr: In den USA, Israel und Frankreich werden Schwangere priorisiert geimpft. Aus den USA gibt es eine Studie mit mehr als 35.000 Frauen. Mit erhöhten Nebenwirkungen ist dieser zu Folge nicht zu rechnen. Es gäbe nur häufiger lokale Impfreaktionen wie einen schmerzenden Arm.

Die USA und Kanada haben im Mai - kurz nach der Zulassung von Biontech - begonnen, Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren gegen Corona zu impfen. Dementsprechend ist bald mit mehr Daten zu rechnen.

Warum zögert die Stiko, obwohl bald das neue Schuljahr beginnt?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn drängt knapp vor dem Impfgipfel darauf, auch ohne Empfehlung der Stiko Kindern und Jugendlichen noch vor Ende der Sommerferien ein Impfangebot zu machen, berichtet hna.de.* Eltern sollen aber gemeinsam mit ihren Kinderärzten entscheiden, ob sie ihre Teenager impfen lassen wollen.

Je schneller die Kinder und Jugendlichen geimpft werden, umso schneller wird es wohl wieder eine gewisse Normalität an Schulen und in Kitas geben.

Stiko-Vorsitzender Thomas Mertens hat in einem Interview mit dem Deutschlandfunk klargestellt, dass die Rückkehr in den Präsenzunterricht kein entscheidender Grund sei, um die Corona-Impfung von Kindern und Jugendlichen schnell zuzulassen.

Viel mehr geht es um eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Kinder und Jugendliche erkranken derzeit an Covid-19 deutlich seltener schwer als Erwachsene, wie 24hamburg.de berichtet. Allerdings können auch sie - wenn sie sich infizieren - an Long-Covid-Folgen noch lange nach der eigentlichen Infektion leiden. Außerdem könnten Kinder und Jugendliche die Krankheit in ihren Familien verbreiten, weil sie oft symptomlos sind.

Corona-Impfung für Kinder: Gibt es Alternativen?

Vielleicht liegt die Lösung aber auch in einer anderen Methode: Deutschlands bekanntester Virologe, Christian Drosten, gab bekannt, dass in Großbritannien die hohen Impfquoten bei Erwachsenen auch einen deutlichen Infektionsrückgang bei den Kindern und Jugendlichen zeigten. Verglichen wurden die Zahlen nach dem Schulstart im Präsenzunterricht vor und nach Beginn der Corona-Impfungen für Erwachsene.

Weltweit wird das jedoch nicht reichen, um eine Herdenimmunität gegen das Coronavirus aufzubauen. Dafür ist der Anteil der Heranwachsenden zu groß. In Deutschland liegt der Anteil der Minderjährigen bei 16 Prozent, so berichtet es tagesschau.de. Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, geht davon aus, dass 80 Prozent der Bevölkerung immun sein müssen, um die Pandemie vollständig zu stoppen. * hna.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Ole Spata/dpa

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