Kanzlerkandidat schwächelt

Armin Laschet schwächelt: Union steuert plötzlich auf Wahlschlappe zu

In der Union wächst die Angst vor dem Machtverlust nach der Bundestagswahl im September. Die Geschlossenheit bekommt Risse, der Spitzenkandidat gibt ein schwaches Bild ab.

Düsseldorf – Knapp 50 Tage vor der Bundestagswahl 2021 liegt Armin Laschet in der Kanzlerfrage hinter Olaf Scholz (SPD). Zudem geben mittlerweile einige Umfragen ein Ampel-Bündnis unter Führung der SPD her. Wie konnte es soweit kommen?

ParlamentDeutscher Bundestag
SitzReichstags-Gebäude (Berlin)
BundestagswahlSonntag, 26. September 2021

Kanzlerkandidat gerät ins Stolpern: Steuert die CDU auf eine Wahlschlappe zu?

Gehen wir zurück zum Parteitag der CDU Mitte Januar. Mit einer starken Rede und der Bergmannsmarke seines Vaters in der Hand wurde Armin Laschet Parteichef. „Ich bin vielleicht nicht der Mann der perfekten Inszenierung, aber ich bin Armin Laschet“, sagte Laschet damals. Er warb damit erfolgreich um das Vertrauen der Mehrheit der Delegierten. Dabei war die emotionale Nummer mit der Marke Inszenierung pur.

Doch beim nächsten Schritt auf der Karriereleiter gerät der 60-Jährige zunehmend ins Stolpern. Als Kanzlerkandidat agiert Laschet zuweilen ohne Gespür für den richtigen Moment, das richtige Bild – obwohl er selbst Journalist war. Bei seinem Besuch in der von der Flut zerstörten Eifel stellte sich Laschet für ein Pressestatement vor einen riesigen Trümmerhaufen. Was er damals gesagt hat, weiß heute kein Mensch mehr. Im Kopf aber ist das Bild von Laschet und dem Trümmerhaufen geblieben.

Ein Berg voller Probleme: Nicht nur Armin Laschets Umfragewerte haben sich verschlechtert.

Für einen Wahlkämpfer eine toxische Kombination – so wie Laschets Lachen und Feixen bei einem anderen Besuch im Katastrophengebiet. Zwei Monate nach dem Parteitag sagte Laschet gegenüber einer Zeitung ein weiteres Mal: „Ich bin keiner, der sich selbst inszenieren kann.“ Mittlerweile kann man ihm das abnehmen

Bundestagswahl: Armin Laschet und die CDU im Umfragetief

Damit dennoch nicht solche Fehler wie nach der Flut passieren, haben Spitzenpolitiker einen Mitarbeiter-Stab. Bei Laschet ist es an erster Stelle der Chef der Staatskanzlei, Nathanael Liminski. Der 35-Jährige ist ein kluger Kopf, konservativ, mit klarem Kompass und politischem Gespür. Die SPD hält ihn für so gut, dass sie aktiv Wahlkampf gegen Liminski und dessen angeblich veraltete Sexualmoral macht.

Laschet vor Fettnäpfen bewahren soll eigentlich auch Tanit Koch. Boulevard-Journalisten als Berater sind bei der CDU nicht ungewöhnlich, das war bei Helmut Kohl nicht anders. Doch auch die ehemalige „Bild“-Chefredakteurin konnte den Katastrophen-Wahlkampf der Union bislang nicht verhindern. „Mich nicht zum Wahlkampf der CDU zu äußern, ist momentan alles, was ich für meine Partei tun kann“, twitterte André Neumann, CDU-Oberbürgermeister der Stadt Altenburg in Thüringen. Was man sonst eigentlich nur von der SPD kennt, lässt sich nun ausgerechnet bei der CDU beobachten: keine Geschlossenheit, keine Führung – und das so kurz vor der Wahl.

Christdemokraten widersprechen sich: CDU auf dem Weg zur Wahlschlappe

So wies der CDU-Europaabgeordnete Dennis Radtke die Art und Weise der Kritik eines mächtigen Parteifreundes an den Grünen mit folgenden Worten zurück: „Lieber Friedrich Merz, ich möchte weder ein Klimaschutzministerium noch ein Einwanderungsministerium, aber müssen wir auf dem Niveau Wahlkampf machen?“ Ein anderes Beispiel: CDU-Urgestein Wolfgang Bosbach will nach Anfeindungen auch aus dem eigenen Lager wegen eines Auftritts mit dem auch in der Partei umstrittenen CDU-Bundestagskandidaten Hans-Georg Maaßen keinen Wahlkampf mehr machen.

Wahlkämpfende Christdemokraten sind frustriert und widersprechen sich. Laschet lässt es laufen und gibt keine Linie vor. Am eigenen Wahlprogramm hat Laschet, Stichwort Steuererleichterung, selbst bereits vorbeigeredet. Und Corona? Als Krisenmanager sendet Laschet widersprüchliche Signale. Ende Juni erkannte er noch „das Ende der Pandemie“, jetzt will er die epidemische Lage von nationaler Tragweite verlängern. Nicht nur schwache Bilder sind Laschets Problem.

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa

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