Atomstreit: Iran soll Anlage schließen

 Washington - Der Atomstreit mit dem Iran geht weiter: Der Westen will nach einem Bericht der “New York Times“ zu Beginn der neuen Atomverhandlungen mit dem Iran eine Reihe von Forderungen stellen.

Demnach soll die Führung in Teheran sofort die unterirdische und lange geheim gehaltene Atomanlage in Fordo schließen. Der Iran soll außerdem die Anreicherung von Uran auf 20 Prozent stoppen. Die bestehenden Vorräte von rund 100 Kilogramm an diesem höher angereicherten Material müssten außer Landes gebracht werden. Das berichtete die “New York Times“ am Samstag (Ortszeit) unter Berufung auf europäische und amerikanische Diplomaten in ihrer Online-Ausgabe.

Die neuen Atomgespräche zwischen dem Iran und den fünf UN-Vetomächten sowie Deutschland sollen am kommenden Freitag beginnen. Die Verhandlungen zwischen dem Iran sowie den fünf UN-Vetomächten und Deutschland würden am 13. und 14. April in Istanbul stattfinden, berichtete der staatliche iranische Fernsehsender PressTV am Sonntag. Die iranische Führung hatte zuletzt vorgeschlagen, die von Anfang an in Istanbul geplanten Gespräche in den Irak oder aber nach Syrien oder China zu verlegen. Dies hatte zu Verstimmungen mit dem Nachbarland Türkei geführt.

Die Fähigkeit des Iran, Uran auf bis zu 20 Prozent anzureichern, hat in der westlichen Welt Besorgnis ausgelöst. Es erhöht die Möglichkeit, waffenfähiges Uran herzustellen. Für den Bau einer Atombombe müsste Uran auf deutlich mehr als 80 Prozent angereichert werden. Der Westen verdächtigt die Führung in Teheran, dass sie unter dem Deckmantel der zivilen Atomforschung Kernwaffen entwickelt. Der Iran bestreitet das.

Diese Länder haben Atomwaffen

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Für die US-Regierung hat nach Informationen des Blattes vor allem die Atomanlage in Fordo Vorrang. Erst 2009 hatte Teheran die Existenz dieser lange geheim gehaltenen Anreicherungsanlage südlich von Teheran zugegeben. Damals war sie noch nicht in Betrieb. Die Fabrik in einem Tunnelsystem auf einem früheren Militärgelände nahe Ghom hat Platz für 3000 Zentrifugen zur Urananreicherung. Sie soll besonders gut gegen mögliche Militärschläge abgesichert sein. Nach Vorstellung der USA soll der Iran diese Anlage in einem ersten Schritt schließen und später ganz demontieren.

Die Schließung der mit großem finanziellen Aufwand gebauten Anlage in Fordo wäre für die Teheraner Führung auch aus innenpolitischen Gründen schwer zu akzeptieren, schrieb das Blatt unter Berufung auf Experten. Möglicherweise könnten die Sanktionen gegen den Iran und ein drohender israelischer Angriff auf die Atomanlagen die Position kompromissbereiter Politiker im Iran stärken. Andere Experten befürchteten, dass harte Bedingungen eher dem Lager der Hardliner zu Gute kommen.

Nach Vorstellung des Westens müsse der Iran zu Beginn der neuen Verhandlungsrunde nachweisen, dass er sein Atomprogramm ohne Vorbedingungen diskutieren werde, heißt es weiter. Während der letzten Gespräche im Januar 2011 hätten die iranischen Unterhändler gefordert, dass der Westen zuerst alle Sanktionen aufhebt und das “Recht des Iran auf Anreicherung“ von Uran anerkennt. Der UN-Sicherheitsrat hat vom Iran verlangt, dass er die Anreicherung von Uran beendet.

dpa

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