Bund und Länder beraten

Impfgipfel heute: Kanzlerin Angela Merkel zum Impfstart für Kinder und Jugendliche

Impfgipfel: Bund und Länder beraten über das Vorgehen bei Corona-Impfungen für Kinder. Es gibt Kritik. Auch der digitale Impfpass steht auf der Liste der Themen.

  • Bund und Länder treffen sich am Donnerstag zum Impfgipfel - Beginn ist um 14 Uhr.
  • Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten beraten unter anderem über das Vorgehen bei Corona-Impfungen für Kinder.
  • Das Vorhaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stößt auch auf Kritik.

Update vom 27. Mai, 18.18 Uhr: Der Impfgipfel ist beendet. Kinder und Jugendliche sollen ab dem 7. Juni geimpft werden können - mit dem planmäßigen Ende der Impfpriorisierung. Abhängig ist das Impfangebot jedoch von der Freigabe des Impfstoffs für die Altersgruppe. Darüber entscheidet die EMA am Freitag. Der sichere Schulbetrieb solle nicht davon abhängen, ob die Teenager geimpft sind, sagt Kanzlerin Angela Merkel.

Die Kanzlerin bleibt bei dem Versprechen, allen bis zum Ende des Sommers ein Impfangebot machen zu können und zwar auch den 12- bis 16-Jährigen. Es gibt jedoch keinen zusätzlichen Lieferungen von Impfstoff für die Kinder und Jugendlichen. Der Impfstoff soll fair zwischen den Ländern aufgeteilt werden. Ein Impfangebot für Kinder unter 12 Jahren wird es zunächst nicht geben.

Europaweit soll es einen digitalen Impfnachweis geben, der Sicherheit für die Urlaubsplanung geben soll. Dieser soll noch im Juni verfügbar sein.

Impfgipfel heute: Im Juni werden für Deutschland 31 Millionen Impfdosen erwartet

Update vom 27. Mai, 15.46 Uhr: Für den Juni werden in Deutschland mehr als 31 Millionen Impfdosen erwartet, das berichtet dpa mit Blick in Unterlagen des Bundesgesundheitsministeriums. In die Impfzentren der einzelnen Bundesländer sollen planmäßig zwischen 2,4 und 2,6 Millionen Impfdosen pro Woche geliefert werden.

Für das dritte Quartal liegen laut Gesundheitsministerium außer von Moderna bisher keine Lieferpläne vor. „Die Hersteller sind gefordert, diese so zeitnah als möglich zu übersenden“, so das Ressort von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Erwartet würden für das dritte Quartal insgesamt über 120 Millionen Impfstoff-Dosen.

Update vom 27. Mai, 15.13 Uhr: Die Bundesregierung will nach Spiegel-Informationen 6,4 Millionen Impfdosen für Kinder und Jugendliche bereitstellen und bezieht sich damit auf ein Dokument des Gesundheitsministeriums vom Impfgipfel. Das Gesundheitsministerium plane bereits eine Impfkampagne für den Sommer - die Kinder ab zwölf Jahren sollen bereits im Juni, Juli und August geimpft werden.

Update vom 27. Mai, 13.09 Uhr: Vor dem Start des heutigen Impfgipfels hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Kritik an der Verteilung des Corona-Impfstoffs zurückgewiesen. „Im Moment ist mir das zu viel Schauen, wer bekommt was“, sagte er. Es gehe nicht darum, genau aufzurechnen, wie viel Impfstoff etwa Praxen und Betriebsärzte exakt erhielten. „Im Kern geht es darum, dass wir möglichst viele Bürgerinnen und Bürger möglichst schnell impfen können“, so Jens Spahn. Er werbe dafür, dass das Treffen von Bund und Ländern „ein Gipfel der Zuversicht“ werde. Zuletzt hatten Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) die Impfstoff-Verteilung unter den Bundesländern kritisiert (siehe Update von 10.32 Uhr).

Darüber hinaus hat Jens Spahn die Eltern darauf vorbereitet, gemeinsam mit den Kinderärztinnen und -ärzten über eine Corona-Impfung ihrer Kinder entscheiden zu müssen. „Es ist am Ende eine wohlabgewogene Entscheidung von Kindern, Eltern, Ärztinnen und Ärzten“, sagte der Bundesgesundheitsminister vor dem Impfgipfel.

Impfgipfel mit Merkel mit vielen Streitthemen - Länderchefs mit scharfer Kritik

Update vom 27. Mai, 10.32 Uhr: Vor dem Impfgipfel heute mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) haben Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (beide SPD) die Verteilung des Corona-Impfstoffs unter den Bundesländern kritisiert. „Brandenburg bekommt prozentual weniger als andere Länder“, sagte Woidke dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Ich will wissen, woran das liegt.“ Grundsätzlich gelte, dass der Bund die angekündigten Impfmengen liefern müsse.

Laut Peter Tschentscher sind an sein Land gut 40.000 Impfdosen zu wenig geliefert worden. „Die Impfstoffverteilung in Deutschland ist ungerecht“, sagte der SPD-Politiker dem Spiegel. „Jede Woche wird die Benachteiligung größer. Es muss jetzt zügig einen Ausgleich geben.“

Bis zum 25. Mai seien knapp 1,1 Millionen Impfdosen in sein Bundesland geliefert worden. Das seien 44.500 weniger als das Bundesland gemäß seinem Anteil an der Bevölkerung erhalten sollte. Sollte es keinen Ausgleich durch das Bundesgesundheitsministerium geben, könnten im Hamburger Impfzentrum im Juni keine Erstimpfungen mehr erfolgen, warnte Tschentscher.

[Erstmeldung] Hamm - Vertreter von Bund und Ländern kommen am Donnerstag erneut zusammen. Beim großen Impfgipfel ab 14 Uhr stehen wichtige Themen rund um die Schutzimpfungen gegen das Coronavirus auf der Agenda. Wie geht es künftig weiter? (News zum Coronavirus)

Impfgipfel: Bund und Länder beraten über Corona-Impfung von Kindern

Allen voran geht es beim Impfgipfel mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten um NRW-Landeschef Armin Laschet (CDU) um drei Kernfragen: Können Kinder und Jugendliche schon bald gegen Corona geimpft werden? Wie geht es mit dem digitalen Impfpass weiter? Auch die Frage, inwieweit die bereits vorgenommenen Impfungen aufgefrischt werden sollen, ist Thema. Und vor allem: Gibt es genügend Corona-Impfstoff - vor allem mit Blick auf die geplante Einbeziehung der Betriebsärzte in die Impfkampagne?

Bei den Corona-Impfungen für Kinder und Jugendliche gibt es einen klaren Plan der Regierung. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) haben das Ziel, bis Ende August allen Kindern ab zwölf Jahren ein Impfangebot zu machen. Zuvor muss jedoch die EU-Arzneimittelbehörde EMA voraussichtlich am Freitag (28. Mai) über eine entsprechende Zulassung für den bisher ab 16 Jahren zugelassenen Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer entscheiden.

Zu klären ist dann etwa auch die konkrete Organisation von Impfungen für Jugendliche beispielsweise über Schulen, die zum Beispiel in NRW wieder in den Präsenzunterricht gehen, oder Arztpraxen sowie zusätzlichen Impfstoffs dafür. Weitere Themen der Beratungen sollen unter anderem mögliche Auffrischungsimpfungen und der digitale Impfpass sein.

Impfgipfel: Jens Spahn will Kindern und Jugendlichen ein Impfangebot machen - viel Kritik

Dieser Plan stößt jedoch im Vorfeld des Impfgipfels mit Kanzlerin Angela Merkel auf Kritik. Die Ständige Impfkommission (Stiko) behält sich auch für den Fall einer EMA-Zulassung eigene Klärungen für eine mögliche Impfempfehlung vor. Ihr Mitglied Rüdiger von Kries erwartet derzeit nicht, dass es eine allgemeine Impf-Empfehlung für alle Kinder geben werde. Momentan wisse man kaum etwas über die Nebenwirkungen von Corona-Impfungen bei Kindern, hatte er am Dienstag gesagt. „Bei unklarem Risiko kann ich zurzeit noch nicht vorhersehen, dass es eine Impfempfehlung für eine generelle Impfung geben wird.“

Der Chef des Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, begrüßte die Signale der Stiko. „Es wäre durchaus nachvollziehbar, wenn die Stiko keine Impf-Empfehlung aussprechen würde“, sagte er dem Handelsblatt: „Die Studienlage zum Infektionsrisiko von Kindern ist bislang sehr dünn.“

Janosch Dahmen, Gesundheitspolitiker der Grünen, sieht eine Bevorzugung von Schülern bei den Corona-Impfungen auch kritisch. „Wichtig ist, Eltern zu impfen, Angehörige, Verwandte zu impfen, Lehrerinnen, pädagogisches Personal zu impfen, bevor wir dann in einem letzten Schritt - im Falle einer Empfehlung durch die Ständige Impfkommission - auch dazu kommen, Teile von Kindern und Jugendlichen impfen zu können“, sagte Janosch Dahmen am Tag des Impfgipfels von Bund und Ländern im ARD-Morgenmagazin. Bisher seien noch viele Menschen in den Risikogruppen nicht geimpft.

Impfgipfel: Karl Lauterbach plädiert für Corona-Impfung von Bund und Ländern

Anders argumentiert Karl Lauterbach. Der SPD-Gesundheitsexperte äußerte Kritik an den Überlegungen der Stiko, den Corona-Impfstoff von Biontech nach seiner erwarteten Zulassung für 12- bis 15-Jährige nur für Jugendliche mit Vorerkrankungen zu empfehlen. Karl Lauterbach fände es „enttäuschend“, wenn die Stiko keine grundsätzliche Empfehlung zur Impfung der Kinder ausspräche und die Verantwortung damit auf die Eltern und die Ärzte abschöbe. Das sagte er dem Spiegel.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) reagierte ebenfalls mit Unverständnis auf die Signale der Ständigen Impfkommission (Stiko). „Kinder und Jugendliche können sich infizieren und das Virus weitergeben, deshalb müssen sie ein Impfangebot bekommen - sofern eine Zulassung vorliegt, bei der Nutzen und Risiken abgewogen wurden“, sagte Stephan Weil dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Es gibt aber noch mehr Streitthemen beim Impfgipfel. Denn die Impfkampagne geriet zuletzt arg ins Stocken. Die Aufhebung der Impfpriorisierung am 7. Juni wie auch die Corona-Impfungen für Kinder würden die Situation weiter verschärfen. Daher forderte etwa die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) von der Bundesregierung nicht nur mehr Corona-Impfstoff. Es müsse auch mehr Verlässlichkeit und Transparenz rund um die mengenmäßige Verteilung von Impfstoff nach Einwohnerschlüssel je Bundesland her. (mit dpa-Material)

Rubriklistenbild: © Markus Schreiber/dpa

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