Entscheidend bei Einschränkungen

Hospitalisierung ersetzt Inzidenz: Das bedeutet der neue Corona-Richtwert

In Deutschland hat der Inzidenzwert offenbar ausgedient. Künftig soll die Hospitalisierungsrate über Corona-Einschränkungen entscheiden. Definition und Wert.

Hamm - Der Inzidenzwert in Deutschland stieg am Dienstag auf 58,0. Die Gesundheitsämter hatten dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 5747 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Nordrhein-Westfalen ist Inzidenz-Spitzenreiter. Doch warum schießen die Zahlen derart nach oben? Was vor einigen Monaten noch neue Einschränkungen für die Bevölkerung in Deutschland bedeutet hätte, heißt nun: nichts. Die Bundesregierung will die 50er-Inzidenz als zentrales Kriterium streichen. Andere Faktoren sollen künftig über Einschränkungen entscheiden. Das gefällt nicht jedem. (News zum Coronavirus)

LandDeutschland
KanzlerinAngela Merkel
HauptstadtBerlin
Bevölkerung83,02 Millionen (2019)
BNE pro Kopf57.810 KKP-Dollar (2019)

Hospitalisierung: Corona-Lage in Deutschland wird neu bewertet - Inzidenz „ausgedient“

Die Bundesregierung will bei der Sieben-Tage-Inzidenz vom Grenzwert 50 abrücken. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) war im ZDF-Morgenmagazin am Montag vorgeprescht und hatte mitgeteilt, die 50er-Inzidenz hätte ausgedient. Das Corona-Kabinett hatte daraufhin offenbar beschlossen, eben jene aus dem Infektionsschutzgesetz zu streichen. Der Bundestag muss dem Vorschlag des Kabinetts noch zustimmen - am Mittwoch (25. Augu) findet eine Lesung statt.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach missfällt diese Neuerung. „Das sendet ein falsches Signal, als wenn die Inzidenz überhaupt nicht mehr wichtig wäre. Das halte ich für falsch, weil auch viele derjenigen, die erkranken und nicht ins Krankenhaus müssen, schwer erkranken und langfristige Schäden davontragen“, sagte er dem TV-Sender Phoenix.

Hospitalisierung ersetzt Inzidenz: Zahlreiche Befürworter für neuen Richtwert

Aktuell schreibt das Infektionsschutzgesetz vor, dass bei Überschreitung des Wertes von über 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen neue Schutzmaßnahmen ergriffen werden müssen. Das gehört künftig offenbar der Vergangenheit an. Vielmehr ernannte Gesundheitsminister Jens Spahn die Hospitalisierungsquote als neues Kriterium.

Der nun wohl entscheidende Richtwert gibt an, wie viele Menschen aufgrund einer Infektion mit dem Coronavirus ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen. Aktuell liege dieser Wert laut Bundesgesundheitsministerium bei 1,3. Auf dem Höhepunkt der Pandemie soll dieser über zehn gelegen haben. Zudem werden Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr hinzugezogen. „Wir haben ja Erfahrungswerte aus dem letzten Winter, etwa aus Dezember, Januar, wo wir eine sehr, sehr starke Belastung in den Kliniken hatten. Wir können sie ableiten aus den letzten zwei Wellen“, sagte Jens Spahn am Dienstag der Welt.

Hospitalisierung statt Inzidenz: Schwerer Krankheitsverlauf kann besser erfasst werden

Doch warum ersetzt die Hospitalisierungsrate künftig den Inzidenzwert? Das liegt vor allem am Impffortschritt in Deutschland. Bisher sind 53,3 Millionen Menschen in Deutschland gegen das Virus geimpft, das sind 64,1 Prozent der Bevölkerung. 49 Millionen von ihnen haben bereits die zweite Dosis erhalten, die beispielsweise bei Biontech zu häufigeren Nebenwirkungen führen kann.

Zwar können sich Geimpfte noch immer mit dem Coronavirus infizieren. Allerdings ist ein schwerer Krankheitsverlauf deutlich seltener. Und genau darum geht es nun. Ermittelt werden soll der Wert der schweren Krankheitsverläufe. Geht es nach der Meinung der Experten, eignet sich dazu die Hospitalisierungsrate am besten. Also eben jener Personen, die mehr als Schnupfensymptome oder ein Halskratzen aufweisen.

Hospitalisierung ersetzt Inzidenz: Intensiv- und Hausärzte befürworten Wechsel

Die Abkehr von der Inzidenz hin zur Hospitalisierung befürworten auch zahlreiche Intensiv- und Hausärzte. Zwar werde die Sieben-Tage-Inzidenz weiter Beachtung finden. Jedoch betonte Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF, dass es bei der Krankenhausbelegung „überhaupt kein Problem“ gäbe.

Gesundheitsminister Jens Spahn.

Gesundheitsminister Jens Spahn wurde jedoch ziemlich deutlich und richtete zugleich einen Appell an alle bislang Nicht-Geimpften. Er zeichnete eine düstere Corona-Prognose.: Laut dem 41-Jährigen werde sich „jeder Ungeimpfte“ im kommenden Herbst und Winter mit großer Wahrscheinlichkeit mit dem Coronavirus anstecken.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Minsalud | -

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare