Studie aus Zürich

Diskussion um Homeoffice-Pflicht: Deshalb wäre diese Corona-Maßnahme sinnvoll

Der Ruf nach einer Homeoffice-Pflicht wird lauter. Viele fahren trotz Corona-Lockdown ins Büro. Während das öffentliche Leben ruht, scheint es im Job weiterzulaufen wie bisher. 

Hamm - Deutschland hat sich heruntergefahren - mal wieder. Im zweiten Lockdown möchten die Corona-Zahlen aber irgendwie nicht spürbar sinken. Bund und Länder greifen immer härter durch: strenge Kontaktregeln, längerfristig geschlossene Schulen, Ausgangsbeschränkungen. Während sich die Menschen in ihrem privaten Alltag extrem einschränken, pendeln trotzdem viele Personen Tag für Tag zum Job in Büros und Fabriken. Wie war das nochmal mit dem Homeoffice? (News zum Coronavirus)

LandDeutschland
HauptstadtBerlin
Bevölkerung83,02 Millionen (2019)
PräsidentFrank-Walter Steinmeier

Kommt die Homeoffice-Pflicht? Arbeit zuhause könnte Corona-Infektionen laut Studie halbieren

Laut einer repräsentativen Befragung der Hans-Böckler-Stiftung arbeiteten im April 2020 - also kurz nach Beginn der Corona-Pandemie - 27 Prozent der Beschäftigten im Homeoffice. Im November, also während des „Lockdown Light“, waren es nur noch 14 Prozent der Befragten, die angaben, überwiegend oder ausschließlich zuhause zu arbeiten.

Eine überraschend geringe Prozentzahl, denn die Appelle der Politik an Arbeitgeber und Beschäftigte lauteten sowohl zu Beginn der Pandemie als auch in der zweiten Welle gleich: Homeoffice, wo immer es möglich ist. Doch die Arbeit zuhause scheint vielerorts keine Pflicht - wohlgemerkt bei viel höheren Infektionszahlen als noch im Frühjahr.

Corona-Studie zum Job: Mehr Homeoffice im Job könnte Infektionen halbieren

Dabei ist Homeoffice eine sehr effektive Corona-Maßnahme, sagen Forscher der Universität Mannheim. In einer Studie aus dem Dezember kommen sie zu dem Ergebnis, dass bereits ein Prozentpunkt mehr Arbeitnehmer im Homeoffice die Infektionsrate um bis zu 8 Prozent verringern kann.

Im Gespräch mit ZDFheute erklärte der Studienautor Harald Fadinger: „Hätten wir eine so hohe Quote an Homeoffice wie im Frühjahr, dann hätten wir die Hälfte an Infektionen in Deutschland. Wir hätten also maximal eine Inzidenz von 80 in Deutschland - statt 160 wie im Moment.“

Trotz Lockdown ins Büro: Mehr Homeoffice im Job gefordert - #MachtBuerosZu auf Twitter

Immer lauter werden derzeit die Rufe in der Bevölkerung nach Betriebseinschränkungen und einer Pflicht zum Homeoffice. Auf Twitter hat sich der Hashtag #MachtBuerosZu etabliert. Dort ist von Nutzern zu lesen, dass es von Bund und Ländern unverantwortlich gewesen sei, kein Recht auf Homeoffice für Arbeitnehmer beschlossen zu haben. „Schützt die Beschäftigten“, schreibt ein anderer Nutzer. Auch teilen Beschäftigte unter dem Hashtag ihre Erlebnisse mit Arbeitgebern und etwa einer Präsenzpflicht im Büro.

Auch die Politik diskutiert über das Thema. „Wir brauchen weniger Menschen, die im öffentlichen Nahverkehr unterwegs sind. Wir brauchen mehr Homeoffice“, sagte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow im ZDF. „Alle, die zu Hause arbeiten könnten, sollten jetzt bitte zu Hause bleiben.“ Bayerns Ministerpräsident Markus Söder plant bereits einen „Homeoffice-Gipfel“, berichtet merkur.de*. Er verlangt konkrete Zielvorgaben der Betriebe, wie viele Mitarbeiter sie von daheim aus werkeln lassen.

Trotz Lockdown ins Büro: Mehr Homeoffice im Job könnte Corona-Infektionen halbieren - kommt die Pflicht?

DGB-Chef Reiner Hoffmann sagte der Süddeutschen Zeitung, dass der Gewerkschaftsbund einen Rechtsanspruch auf Homeoffice fordere - „ jedenfalls da, wo es machbar ist“. Es könne nicht sein, dass die Arbeitgeber allein darüber entscheiden würden.

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft in NRW hingegen warnt in einer Pressemitteilung vor einer „sinnlosen Homeoffice-Debatte“. Der Mittelstand fordere von der Politik Maßnahmen zur „Entbürokratisierung kleiner und mittlerer Betriebe“. Die aktuelle Debatte um die Einführung einer Homeoffice-Pflicht schreibe den „jahrelangen Aufbau sinnloser und teurer Bürokratie“ fort, wird NRW-Landesgeschäftsführer Herbert Schulte zitiert.

Der Job ist immer eine Ausnahme - auch bei anderen Corona-Maßnahmen. So gilt in NRW jetzt die Einschränkung des Bewegungsradius ab einem Inzidenzwert von 200. Allerdings gibt es viele „triftige Gründe“, um die 15 Kilometer zu überschreiten - etwa den Weg zur Arbeit, um seinem Job nachzugehen. - *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

             

Rubriklistenbild: © dpa-tmn/Christin Klose

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