„Hart aber fair“

„Doppelmoral“ und AfD-Vergleich: Plasbergs Runde geht Grüne Schulze hart an

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„Doppelmoral“ und AfD-Vergleich: Plasbergs Runde nimmt Grüne Schulze hart ran

Frank Plasberg fragt, was die Grünen außer Klima können. An markigen Vorwürfen aus der Runde mangelt es nicht - besonders ein Diskutant tut sich hervor.

Berlin - „Beim Klima prima - aber was wollen die Grünen noch?“, das Thema des Talk „Hart aber fair“ von Frank Plasberg bescherte der geladenen Fraktionsvorsitzenden der bayerischen Grünen, Katharina Schulze, am Montagabend einigen Gegenwind. Die Teilnehmer schreckten vor keinem Schlagwort zurück. Sei es „Verbotspartei“, „Luxusproblem“ oder „Doppelmoral“.

Geladen waren außerdem: Tilman Kuban, der Bundesvorsitzender der Jungen Union, Juli Zeh, Autorin und Verfassungsrichterin in Brandenburg, die Welt-Journalistin Claudia Kade und Kabarettist Florian Schroeder. Vor allem Kuban nahm die Grünen-Politikerin ins Visier. Er verglich die Partei mit der AfD - seine Begründung: Die Grünen betrieben Angstmache mit der Klimakatastrophe, so wie die AfD Angst vor Überfremdung verbreite.

Hart aber fair: Diskussion nimmt wirre Wendungen

Kade versuchte zwar mit kritischen Einwürfen auch gegenüber der Union die Lage der Grünen in Relation zu setzen und Kuban Angriffseifer einzudampfen. Auch Schroeder relativierte, das Klimaproblem sei nicht mit der migrationsfeindlichen Strategie der AfD zu vergleichen. Dennoch blieb Schulze im Fokus.

Moderator Plasberg löcherte Schulze unter anderem mit Fragen nach einem möglichen Kanzlerkandidaten der Grünen. Habeck oder nicht Habeck? Vor allem Kuban und Zeh hielten den Grünen Inhaltslosigkeit und fehlende konkrete Lösungsansätze vor - ungeachtet Kades Einwurf, dass ihre Parteien (Zeh ist SPD-Mitglied) keine konkreteren Vorschläge haben.

In der Sendung am 1. Juli 2019 spricht Frank Plasberg mit seinen Gästen über Hass und Hetze im Internet. Der AfD-Politiker Uwe Junge, der in der Sendung zu Gast ist, wurde davor im Netz harrsch kritisiert. 

Hart aber fair: Grüne laut Kuban verantwortlich für Infrastrukturprobleme

Zeh befand, die Politik der Grünen sei fern der Realität der Landbevölkerung, die mit erheblichen Strukturproblemen kämpfe. Abseits der Großstädte werde Klimapolitik als Luxusproblem gesehen. Kuban schlug in die gleiche Kerbe. Schulze konterte, die CSU finde seit Jahrzehnten keine Lösungen für die Probleme der Landbevölkerung in Bayern und betreibe selbst Angstmache durch Grenzkontrollen und Hetze.

Auch beim Thema „Verbotspartei“ ist Schulze die prädestinierte Angriffsfläche. Vorgeworfen wird ihr eine Doppelmoral der Grünen. Es folgt der Rückgriff auf die „Plastiklöffel-Affäre“ Schulzes im Januar. Auslöser ist ein Online-Foto von Schulze: Ein Eisbecher mit Plastiklöffel, den sie auf einer USA-Reise zu sich genommen hat. Wählen einige der neuen Grünen-Wähler die Partei fürs gute Gewissen?

Hart aber fair zeigt Umfrage: Mehrheit findet keine Zukunftslösungen in der Politik

Schulzes Erwiderung fällt eher schwach aus: „Meine Haltung ist, dass wir nicht die besseren Menschen brauchen, sondern eine bessere Politik.“

Nach einer Stunde endet die Diskussion - und bei all dem Für und Wider rund um die Grünen ist den Teilnehmern ein heikler Seitenaspekt entgangen: Etwa bei Halbzeit der Sendung wird das Ergebnis einer Umfrage zum Thema „Welche Partei hat die beste Antwort auf die Zukunft?“ eingeblendet. Ein Viertel der Befragten nannte die Grünen, zwölf Prozent die CDU/CSU, nur zwei Prozent die SPD. Was niemand beachtete: 45 Prozent entschieden sich für die Antwort „keine Partei“.

sob

Lesen Sie auch auf merkur.de*: Grünen-Chef Robert Habeck sprach am Montag in einem Bierzelt in Oberbayern. Bayernpartei und AfD hatten Proteste angekündigt - und sein Kommen dann gar nicht bemerkt.

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