Apotheker selbst spricht von einem „Skandal“

Gratis FFP2-Masken: Wie die Apotheken durch Spahns Plan viel Geld verdienen

Die Verteilung von FFP2-Masken an Risikopatienten wird stark kritisiert. Jetzt ist klar: Spahns Plan ist auch unnötig teuer. Apotheken verdienen sich eine goldene Nase.

Hamm - Die Kritik am Vorgehen der Bundesregierung in der Corona-Krise reißt nicht ab. Immer in der ersten Reihe: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Nach dem Impf-Debakel steht jetzt erneut seine Masken-Plan im Fokus. Denn: Die Verteilung von Gratis-FFP2-Masken an Risikopatienten ist für den Bund unnötig teuer - und Apotheken verdienen eine Menge Geld dabei. (News zum Coronavirus)

NameJens Spahn
AmtBundesgesundheitsminister
ParteiCDU

Gratis FFP2-Masken: Wie die Apotheken durch Jens Spahns Plan viel Geld verdienen

Darüber geklagt hatte ausgerechnet ein Apotheker selbst. Hendrik Müller aus Obernkirchen betreibt zwei Apotheken im Landkreis Schaumburg. Er sagte der Zeitung Die Welt, er habe im Dezember 40.000 Euro zusätzlich verdient - ohne, dass er es wollte. Laut Müllers Angaben war dies der reine Gewinn, der nach der Verteilung der kostenlosen FFP2-Masken übrig blieb.

Wie kann das sein? Der Bund erstatte den Apotheken 6 Euro pro Maske. Müller habe seinerzeit allerdings nur 60 bis 70 Cent pro FFP2-Maske im Einkauf bezahlt. „Die Vergütung von 6 Euro brutto ist völlig unangemessen und ein Skandal“, sagte er der Zeitung. Laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland hatte der Apotheker angekündigt, das Geld zu spenden, wolle sich mittlerweile aber nicht mehr zu dem Thema äußern.

Gratis FFP2-Masken: Apotheken machen ordentlich Kasse - Erstattungspauschale viel zu hoch

Der Masken-Plan von Jens Spahn sieht vor, dass die FFP2-Masken in drei Wellen verteilt werden. Im Dezember konnten sich Berechtigte jeweils drei Masken kostenlos in der Apotheke abholen. Aktuell bekommen diese Menschen von den Krankenkassen Gutscheine für weitere 12 Masken mit einer geringen Eigenbeteiligung zugeschickt.

34 Millionen Senioren und Risikopatienten erhalten also jeweils 15 FFP2-Masken à 6 Euro. Die Apotheken-Branche macht demnach über 3 Milliarden Euro Umsatz mit Spahns Masken-Plan.

Die Erstattungspauschale von 6 Euro pro Maske scheint abstrus. In Discountern und Drogeriemärkten sind FFP2-Masken mittlerweile für unter 3 Euro pro Stück erhältlich.

Gratis FFP2-Masken: Apotheken machen ordentlich Kasse - Pauschale orientiert sich an altem Preis

Wie das Gesundheitsministerium auf eine solch hohe Pauschale gekommen sei, wollte auch Grünen-Bundestagsabgeordnete Maria Klein-Schmeink laut RND im Dezember wissen. Gesundheitsstaatssekretär Thomas Gebhart teilte Ende Januar als Antwort mit, bei der Festlegung der Pauschale habe man sich an den Maskenpreisen von Internet-Anbietern orientiert.

Die hätten zum Stichtag 9. Oktober durchschnittlich bei 4,29 Euro pro Maske gelegen. Wie der RND berichtet, sei darauf dann noch ein Aufschlag gewährt worden, der Mehrwertsteuer, anteilige Betriebskosten, Beratungsleistung und den Aufwand der Apotheken für das Beschaffen, Abrechnen und Verpacken der Masken abdecken sollte.

Gratis FFP2-Masken: Wie die Apotheken durch Spahns Plan viel Geld verdienen - Pauschale gesenkt

Überzeugt hat diese Argumentation kaum jemanden - auch wenn die Preise für FFP2-Masken im Handel tatsächlich teils stark schwanken. Laut dem RND hat das Gesundheitsministerium inzwischen gehandelt und eine neue Verordnung erarbeitet. Demnach liege die Erstattung pro FFP2-Maske für Apotheken jetzt bei 3,30 Euro plus Mehrwertsteuer.

465 Millionen Euro werde der Bund dadurch voraussichtlich einsparen, heißt es in dem Verordnungsentwurf, der dem RND vorliegt. Aber: Der neue Preis gilt erst ab dem 10. Februar.

Alltagsmaske, OP-Maske, medizinische Maske, FFP2: Es gibt klare Regeln. Doch wo muss ich in NRW welchen Corona-Schutz tragen? Auch Hartz-IV-Empfänger sollen kostenlose FFP2-Masken erhalten. Die Verteilung erfolgt nach einem System.

Rubriklistenbild: © Friso Gentsch/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare