Veranstaltung in Berlin

Deutschland trauert mit Gedenkfeier um fast 80.000 Corona-Tote - Steinmeier: „dunkle Zeit“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kommt zu einem ökumenischen Gottesdienst in die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche anlässlich des zentralen Gedenkens für die Verstorbenen in der Corona-Pandemie in Deutschland.
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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kommt zu einem ökumenischen Gottesdienst in die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche anlässlich des zentralen Gedenkens für die Verstorbenen in der Corona-Pandemie in Deutschland.

Deutschland trauert um die Corona-Toten. Bei einer Gedenkveranstaltung in Berlin spricht am Sonntag auch Bundespräsident Steinmeier.

Update vom 18. April, 13.39 Uhr: Mit einer emotionalen Rede hat Bundespräsident Steinmeier die Gedenkveranstaltung für die Corona-Toten eröffnet. Er nannte die Pandemie eine „dunkle Zeit“, die „tiefe Wunden geschlagen und auf schreckliche Weise Lücken gerissen“ habe.

Dabei ging der Bundespräsident auch auf die nach wie vor stark angespannte Lage ein. „Wir sind ermüdet von der Last der Pandemie, und wundgerieben im Streit um den richtigen Weg.“

Der Bundespräsident sieht noch nicht die Zeit gekommen, um Versäumnisse der Politik während der Pandemie aufzuarbeiten. „Sprechen wir über Schmerz und Leid und Wut. Aber verlieren wir uns nicht in Schuldzuweisungen, im Blick zurück, sondern sammeln wir noch einmal die Kraft für den Weg nach vorn, den Weg heraus aus der Pandemie, den wir gehen wollen und gehen werden, wenn wir ihn gemeinsam gehen“, sagte Steinmeier. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass die Pandemie, die schon die Menschen zum Abstand zwinge, „uns auch noch als Gesellschaft auseinandertreibt“.

Deutschland trauert mit Gedenkfeier um fast 80.000 Corona-Tote - Steinmeier: „erschütternde Dimension“

Erstmeldung vom 18. April: Berlin - Fast 80.000 Menschenleben hat die Corona*-Pandemie allein in Deutschland bislang gefordert. Den Toten wird am Sonntag bei einer nationalen Veranstaltung gedacht. Dabei wird auch Bundespräsident Steinmeier eine Rede halten.

Schon am Sonntagmorgen trafen die Spitzen der fünf deutschen Verfassungsorgane als höchste Repräsentanten des Staates bei einem ökumenischen Gottesdienst in der Berliner Gedächtniskirche zusammen. Um 13 Uhr startet dann die eigentliche Gedenkfeier im Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Steinmeier eröffnet das Event mit einer Rede.

Gedenkfeier für Corona-Tote in Berlin: Fast 80 000 Opfer in Deutschland

Es soll ein Moment des Innehaltens im Corona-Alltag von Inzidenzwerten, Lockdown-Debatte und Impfkampagne werden. An
diesem Sonntag will Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier all denen ein Gesicht und eine Stimme geben, die in diesem Alltag allzu oft zu kurz kommen: die Verstorbenen und ihre Angehörigen. 79.628 Leben hat die Pandemie bis zum Freitag schon gekostet - „eine erschütternde, verstörende Dimension“, hatte Steinmeier bereits Anfang März in einem Gespräch mit Hinterbliebenen gesagt, als die Zahl der Toten noch um einige Tausend niedriger lag.

Gedenken an Corona-Tote in Deutschland: „Hier trauert eine ganze Gesellschaft“

Es wird ein Gedenken im kleinsten Kreis werden, zusammen mit fünf Menschen, die während der Pandemie Angehörige verloren haben. Das ist der Infektionslage geschuldet und steht zugleich sinnbildlich für die Einsamkeit, in der während der Pandemie viele Menschen sterben und in der ihre Angehörigen oft genug zurück bleiben.

Aus Sicht des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche (EKD) in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, ist dieses Gedenken des Staates unverzichtbar. „Die Sterbezahlen sind so dramatisch, dass wir genau das jetzt brauchen. Hier trauert eine ganze Gesellschaft um viel zu viele Tote, das verdient öffentliche Anteilnahme“, sagt der Landesbischof im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Steinmeier will, so hieß es vorab aus dem Präsidialamt, auch auf das Schicksal jener hinweisen, die - ohne infiziert worden zu sein -
durch das Virus und seine Bekämpfung Schaden genommen haben. Die beispielsweise durch Isolation und Einsamkeit erkrankt sind oder die Opfer von häuslicher Gewalt und Missbrauch wurden. Nicht zuletzt will er an die Ärzte und Pfleger erinnern, die Tag und Nacht um das Leben ihrer Patienten gekämpft haben. Und noch immer kämpfen. Und die gerade an den Rand der Überforderung geraten, weil sich die Intensivstationen rasend schnell mit schwer kranken Patienten füllen.

Der Moment des Innehaltens, um den es Steinmeier geht, er soll möglichst das ganze Land erfassen. Gottesdienst und Gedenkakt werden live in ARD und ZDF übertragen. In vielen Kommunen sind kleinere Gedenkveranstaltungen geplant. Bundesweit werden am Sonntag die Flaggen an öffentlichen Gebäuden auf Halbmast gesetzt sein. Und die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten aller 16 Länder riefen ihre Bürger am Freitag dazu auf, bis einschließlich sonntagabends eine Kerze ins Fenster zu stellen. Diese Form des Gedenkens unter dem Hashtag „#lichtfenster“ geht ebenfalls auf Steinmeier zurück. (dpa/afp) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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