Vorsitzenden-Wahl

Friedrich Merz vor CDU-Parteitag selbstbewusst - doch seine große Stärke kommt nicht zur Geltung

Friedrich Merz will den Vorsitz der CDU übernehmen. Bereits 2018 trat er auf dem Parteitag gegen Annegret Kramp-Karrenbauer an - und unterlag.

Hamm - Friedrich Merz versucht es ein zweites Mal: Nachdem der 65-Jährige vor gut zwei Jahren knapp gegen Annegret Kramp-Karrenbauer verloren hat, will der Sauerländer nun ihr Nachfolger werden. Als CDU-Parteichef käme Merz seinem nächsten Ziel ein großes Stück näher: Kanzlerkandidat der Union.

PersonFriedrich Merz
Geboren11. November 1955 in Brilon
Größe1,98 Meter
EhepartnerinCharlotte Merz

Friedrich Merz kandidiert für CDU-Vorsitz: Er sieht größere Chance für sich als 2018

 An Selbstbewusstsein mangelt es Friedrich Merz kurz vor dem Parteitag und der Wahl des Vorsitzenden der CDU nicht. „Zahlreiche Kreisverbände haben sich in den letzten Monaten im Wettbewerb um den CDU-Vorsitz, teilweise mit sehr großen Mehrheiten, für mich ausgesprochen“, twitterte der in Brilon geborene Kandidat am Mittwoch. Vor Journalisten in Düsseldorf rechnete der Wirtschaftsexperte Ende November vor, welche Landesverbände mehrheitlich oder zumindest zu großen Teilen hinter ihm stehen. Mit dabei waren Baden-Württemberg, Hessen und die Ost-Verbände. Und in NRW beschränke sich der Kreis seiner Unterstützer nicht nur auf das Sauerland. Merz selbst schätzt seine Chancen jedenfalls größer ein als 2018.

Im Lager von Armin Laschet sieht man das – wenig überraschend – etwas anders. Merz habe zwar immer noch einen harten Kern von Anhängern hinter sich, dieser sei aber seit damals nicht größer geworden. Zur Erinnerung: 2018 bekam Merz im ersten Wahlgang 392 Stimmen, im zweiten 482. Der Zuwachs in der Stichwahl reichte nicht aus, um AKK zu schlagen. Sie erhielt 450 beziehungsweise 517 Stimmen. Im Team Laschet gibt man sich angesichts dieser Zahlen siegessicher. Denn: Im zweiten Wahlgang hatte Merz Stimmen von Delegierten erhalten, die zuvor für Kandidat Nummer drei, Jens Spahn, votiert hatten. Der Bundesgesundheitsminister tritt diesmal aber nicht an, sondern steht an der Seite von Laschet.

Friedrich Merz (CDU): Seine große Stärke kommt auf Parteitag nicht zur Geltung

Politik funktioniert aber nicht allein nach den Regeln der Mathematik. Emotionen spielen eine große Rolle. Und auf diesem Feld hat Friedrich Merz deutlich mehr zu bieten als seine Konkurrenten Laschet oder Norbert Röttgen. Viele behaupten, dass Merz 2018 mit einer besseren und seinen rhetorischen Fähigkeiten angemessenen Rede gewonnen hätte. Das wird sich nie klären lassen. Auch am Samstag nicht, denn Corona-bedingt findet der Parteitag (Samstag ab 9.30 Uhr hier im News-Ticker) bekanntlich nur digital statt. Eine flammende Saalrede wird es mangels vollem Saal also nicht geben. Außenseiter Röttgen werden daher auch mehr als nur Außenseiter-Chancen eingeräumt.

Friedrich Merz will den Vorsitz der CDU übernehmen. Der Politiker ist einer der Kandidaten beim CDU-Parteitag. Er tritt gegen Armin Laschet und Norbert Röttgen an.

Würde man Merz, Laschet und Röttgen in einer Schützenhalle oder an einem Stammtisch sprechen lassen, die Mehrheit der Basis würde wohl für Merz stimmen. Doch die 1001 Delegierten des Parteitages sind mehrheitlich Abgeordnete und Funktionsträger. Im Grunde gehören sie zu jenem Establishment, das Merz im vergangenen Jahr in einem Wutausbruch frontal angegriffen hat. Merz witterte damals eine Verschwörung gegen sich. Sein Vorwurf zusammengefasst: Der Parteitag werde nicht wegen der Pandemie, verschoben, sondern um ihn, den Umfragekönig, zu verhindern. So viel Partei-Schelte kam selbst bei manchen Merz-Fans nicht gut an. Der Sauerländer selbst bereut diesen Auftritt jedoch nicht. Ohne seine deutlichen Worte damals, versicherte Merz in kleiner Runde, würde an diesem Wochenende kein Parteitag stattfinden.

Friedrich Merz: Sehnsucht nach den guten alten Zeiten der CDU

Friedrich Merz setzt wie 2018 auf Sieg. Nur auf Sieg. Zwar hat sich der 65-Jährige für den Fall seiner Niederlage offen für eine andere wichtige Rolle in der Partei im Verlauf des diesjährigen Wahljahres gezeigt. Doch zugleich betonte er, dass er selbst sich nicht mit dieser Frage beschäftige. Merz war nie Minister oder Regierungschef. Dennoch genießt er hohe Zustimmungswerte. Der ehemalige Unionsfraktionschef steht für die Sehnsucht nach den guten alten Zeiten. Die Konservativen in der CDU knüpfen an ihn die Hoffnung, der Partei zu altem Glanz zu verhelfen.

Doch Merz polarisiert. Auch innerhalb der eigenen Partei. Jüngst war das unter den weiblichen CDU-Mitgliedern zu beobachten. Auf Facebook gibt es eine Initiative „Wir Frauen für Friedrich Merz“ mit mehr als 2 500 Abonnenten. Weil sich aber der Vorstand der Frauen-Union gegen Merz ausgesprochen hat, gab es richtig Zoff. Dieser reicht sogar bis in die Familien. Ein Delegierter verriet uns: „Meine Frau sagt: Wähle ich Merz, fliege ich zu Hause raus.“

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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