Tötung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi

Der Fall Khashoggi: Das ist bisher bekannt - das müssen Sie wissen

+
Der Fall Khashoggi: Das ist bisher bekannt

Im Fall Khashoggi kursieren im Netz viele Meldungen und auch viele Theorien. Wir haben für Sie zusammengefasst was bisher bekannt ist und was Sie nun wissen müssen.

Istanbul  - Fest steht: Der saudische Journalist Jamal Khashoggi ist tot. Fest steht auch: Er wurde im Istanbuler Generalkonsulat seines Landes getötet. Auch ansonsten kursieren viele angebliche Einzelheiten zu dem Fall. Doch was genau geschah in dem Gebäude? Diese Frage ist bislang noch nicht beantwortet worden.

Lesen Sie hier: Fall Khashoggi: Merkel-Sprecher Seibert gerät bei kritischer Frage in Erklärungsnot

 Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will sich an diesem Dienstag zu dem Fall äußern. Bislang haben die türkischen Behörden offiziell kaum Angaben gemacht - dafür aber fast täglich lokale und internationale Medien scheibchenweise mit Informationen versorgt.

Der Fall Khashoggi: Ankara erhöht den Druck auf Saudi-Arabien

So ist es Ankara gelungen, den Druck auf Saudi-Arabien zu erhöhen - und die internationale Stellung des islamisch-konservativen Königreichs zu erschüttern. Trotz vieler Informationen sind etliche Fragen in diesem Fall aber noch offen. Weil die meisten Details aus inoffiziellen Quellen stammen, lässt sich häufig nicht entscheiden, was tatsächlich stimmt. Eine Bestandsaufnahme der bisherigen Angaben.

Lesen Sie auchKhashoggi „blutrünstig“ ermordet: Erdogan kündigt Enthüllung an

Der Fall Khashoggi: Der 2. Oktober war der entscheidende Tag

- Khashoggis Verschwinden: Am 2. Oktober betritt der Journalist gegen 13.30 Uhr das saudische Generalkonsulat im Istanbuler Stadtteil Levent. Er will Papiere für die geplante Hochzeit mit seiner türkischen Verlobten abholen. Die Frau wartet vor dem Gebäude über Stunden vergeblich darauf, dass der 59-Jährige wieder herauskommt.

Der Fall Khashoggi: „Killer-Kommando“ soll extra angereist sein

- Das „Killer-Kommando“: Die Ermittler gehen nach Darstellung türkischer Medien davon aus, dass Khashoggi im Konsulat von einem aus Saudi-Arabien angereisten Spezialkommando getötet wurde. Unter der Überschrift „15-köpfiges Attentatsteam“ veröffentlichte die regierungsnahe Zeitung „Sabah“ Fotos und Identitäten der Männer, die offensichtlich von der Passkontrolle am Flughafen stammen. Am Tag von Khashoggis Verschwinden landeten die 15 Saudis demnach mit zwei Privatflugzeugen in Istanbul und fuhren weiter zum Konsulat.

Obwohl sie Zimmer in zwei unterschiedlichen Hotels gebucht hatten, blieben die Saudis nicht über Nacht. Sie flogen am selben Abend wieder zurück nach Riad, wie auch Flugaufzeichnungen bestätigen.

Der Fall Khashoggi: Ermittler gehen von brutalem Mord aus

- Die Tötung: Türkische Ermittler gehen nach Angaben lokaler Medien davon aus, dass Khashoggi brutal ermordet wurde. Die regierungsnahe Zeitung „Yeni Safak“ berichtete kürzlich unter Berufung auf Tonaufnahmen, das saudische Kommando habe seinem Opfer bei einem Verhör die Finger abgeschnitten und ihn enthauptet. Die „New York Times“ berichtete unter Berufung auf türkische Medienvertreter ebenfalls von einer Enthauptung. Demnach soll Khashoggi schon wenige Minuten nach Betreten des Konsulats getötet und zerstückelt worden sein.

Der Fall Khashoggi: Saudi-Arabien verstrickt sich in verschiedenen Versionen

- Wechselnde saudische Versionen: Nach dem Verschwinden Khashoggis wies das Land zunächst jegliche Verstrickung zurück. Der Journalist habe das Generalkonsulat wieder verlassen, Meldungen über seinen Tod seien erfunden. Nach massivem Druck räumte das Königshaus schließlich ein, dass der Journalist im Konsulat getötet wurde. Er sei bei einer Schlägerei ums Leben gekommen, erklärten Ermittler. Der Sender CNN zitierte hingegen eine Quelle mit engen Verbindungen zum Königshaus mit den Worten, Khashoggi sei erwürgt oder stranguliert worden.

Lesen Sie auch:  Nach Tod von Khashoggi in Istanbul: Trump sieht nach Erklärung der Saudis noch offene Fragen

Der Fall Khashoggi: Auch der Kronprinz soll in den Fall verwickelt sein

- Spuren bis ins Königshaus: In türkischen und amerikanischen Medien sind mehrere Hinweise aufgetaucht, dass Personen aus dem direkten Umfeld des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman in diesen Fall verwickelt sind. Im Fokus steht vor allem ein Mann, den die türkische Zeitung „Sabah“ als „Kopf“ des saudischen Kommandos bezeichnete. Bilder der „New York Times“ zeigen denselben Mann als Begleiter des Kronprinzen bei Auslandsreisen. Er stieg etwa in Madrid und Paris mit Mohammed aus dem Flugzeug.

Zu dem Spezialkommando soll auch ein Mann gehört haben, der in saudischen Medien in der Vergangenheit als hochrangiger saudischer Gerichtsmediziner auftauchte. Das regierungstreue Blatt „Al-Riyadh“ bezeichnete ihn 2012 als Forensiker mit Offiziersrang.

Der Fall Khashoggi: Sollte ein angeblicher Doppelgänger die Tat verschleiern?

- Der angebliche Doppelgänger: Der US-Sender CNN berichtete über ein Detail, das ebenfalls die saudische Version einer Tötung aus Versehen erschüttert. CNN strahlte Bilder türkischer Überwachungskameras aus, die zeigen sollen, wie ein Khashoggi ähnlich sehender Mann in dessen Kleidung das Generalkonsulat durch eine Hintertür verlässt. Damit habe die Tat verschleiert werden sollen.

Der Fall Khashoggi: Von der Leiche bisher keine Spur

- Die Leiche: Wo ist sie geblieben? Konkrete Hinweise wurden bisher nicht veröffentlicht. Leichenteile sollen „Yeni Safak“ zufolge aus dem Konsulat gebracht worden sein, andere Teile seien im Keller der Residenz des Konsuls. Ein Freund Khashoggis sagte der dpa schon kurz nach dem Verschwinden des Journalisten: Die Polizei habe ihm gesagt, der Journalist sei getötet und „in kleine Stücke geschnitten“ worden.

Der Fall Khashoggi: Führt eine mögliche Bespitzelung durch die Türkei zu einem diplomatischen Chaos?

- Die Ton- und Videoaufnahmen: Türkische Medien berufen sich vor allem auf zugespielte Tonaufnahmen. Außerdem sollen die türkischen Ermittler auch im Besitz von Videoaufnahmen sein, die den Mord an Khashoggi beweisen sollen. Eine offizielle Bestätigung gibt es dazu nicht, aus dem Präsidentenpalast heißt es, man habe dazu keine Informationen. Allerdings ist die Sache auch heikel. Sollten die Aufnahmen existieren, lässt das nur einen Schluss zu: Dass die Türkei das saudische Konsulat in irgendeiner Weise ausspioniert hat.

Lesen Sie alle aktuellen Entwicklungen im Fall Khashoggi in unserem News-Ticker.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare