Korruptionsprozess gegen Ex-Präsident

Für Wulffs gab's "natürlich" kostenloses Upgrade

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Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff (Mitte) und seine Anwälte Bernd Muessig (re.) und Michael Nagel zu Beginn der Verhandlung am Landgericht Hannover.

Hannover - Im Korruptionsprozess gegen Ex-Bundespräsident Christian Wulff haben am Donnerstag die ersten beiden Zeugen ausgesagt. Was Mitarbeiter des Nobel-Hotels "Bayerischer Hof" vor Gericht sagten:

Mitarbeiter des Luxushotels „Bayerischer Hof“ in München haben als erste Zeugen im Korruptionsprozess gegen Ex-Bundespräsident Christian Wulff ausgesagt. Während eines Oktoberfestbesuchs 2008 soll Filmproduzent David Groenewold einen Teil von Wulffs Logiskosten übernommen haben. Der Empfangschef des Hauses sagte am Donnerstag als Zeuge, es sei durchaus möglich, dass Wulff nichts davon mitbekommen habe, dass seine Rechnung teilweise von Groenewold beglichen worden sei.

Wulff, damals Ministerpräsident in Niedersachsen, warb später für einen Film Groenewolds beim Elektrokonzern Siemens um Unterstützung. Das frühere Staatsoberhaupt muss sich deswegen seit vergangener Woche wegen Vorteilsannahme vor dem Landgericht Hannover verantworten. Wulff selbst machte am Donnerstag zunächst keine weiteren Aussagen.

Der Hotel-Empfangschef erklärte, es sei durchaus üblich, Rechnungen zu teilen, etwa wenn Unternehmen einen Teil davon zahlten. Beim Auschecken müsse der Gast dies nicht zwingend erfahren, er werde nicht automatisch darauf hingewiesen.

Der Empfangschef berichtete, es habe beim Aufenthalt der Wulffs während des Oktoberfestbesuchs 2008 ein kostenloses Zimmer-Upgrade gegeben, unter anderem, weil mit einer Amex-Kreditkarte gebucht worden sei. „Natürlich auch, weil es Herr Wulff war, das ist ja klar“, sagte der 48-Jährige. Die Wulffs hätten in einer Suite genächtigt, deren normaler Preis damals pro Nacht bei über 1000 Euro gelegen habe. Dem Ministerpräsidenten sei das Zimmer für 383 Euro pro Nacht angeboten worden. Von Wulffs Rechnung soll Groenewold dann am Ende 200 Euro übernommen haben.

Die Chefkassiererin des Hotels, die Groenewold bei seinem Auschecken eine mehrfach veränderte Rechnung vorgelegt haben soll, konnte sich dagegen überhaupt nicht mehr an die Vorgänge erinnern. „Wir haben so viele VIP-Gäste im Haus jeden Tag“, sagte die 51-Jährige. Der Vorsitzende Richter Frank Rosenow appellierte mehrfach vergeblich an sie, sich mehr anzustrengen. Die damalige Reservierungsleiterin des Hotels konnte dagegen äußerst detailliert berichten. Sie erläuterte, das Zimmer Wulffs sei zunächst auf den Namen von Groenewold gebucht worden. In der Reservierung sei bei Wulff „Selbstzahler“ eingetragen gewesen.

Der Prozess wird am kommenden Mittwoch mit weiteren Aussagen von Mitarbeitern unter anderem aus dem Hotel fortgesetzt. Am 5. Dezember will das Gericht dann die ersten prominenten Zeugen hören, Verleger Hubert Burda und seine Frau, die Schauspielerin Maria Furtwängler. Beide sollen beim Oktoberfest 2008 ebenfalls Gäste von Filmproduzent Groenewold gewesen sein.

Eine Woche später wird dann voraussichtlich erstmals Wulffs Frau Bettina als Zeugin im Verfahren gegen ihren Mann öffentlich vernommen. Beide leben inzwischen getrennt. Ein Urteil wird frühestens im nächsten Jahr erwartet.

Wulff hofft auf einen Freispruch. Zu Beginn seines Prozesses hatte er seine Unschuld beteuert und die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft als „ehrabschneidend“ bezeichnet.

dpa

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