Vier Unternehmen beauftragt

Digitaler Impfpass kommt: So soll die neue App funktionieren

Der digitale Impfpass kommt: Deutschland beauftragt IBM und andere Unternehmen mit der Entwicklung einer App. So soll das Ganze funktionieren.

Hamm - Schon vor Wochen hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) einen digitalen Impfpass angekündigt. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hatte sich für einen europäischen Impfpass „am besten digital auf dem Smartphone“ ausgesprochen. Nun nimmt das Ganze für Erleichterungen im Alltag im Leben mit dem Coronavirus konkrete Formen an. (News zum Coronavirus)

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Digitaler Impfpass kommt: Deutschland beauftragt IBM mit Entwicklung der App

Das Bundesgesundheitsministerium hat die Firma IBM mit der Entwicklung des digitalen Impfasses beauftragt. Der US-Konzern habe sich dabei gegen anderen Anbieter wie die Deutsche Telekom durchgesetzt. Diese hatte im vergangenen Jahr noch gemeinsam mit SAP die Corona-Warn-App entwickelt.

Der digitale Impfpass ist ein kürzlich vereinbartes Projekt der EU und soll im Schnellgang entwickelt werden. Den Gesetzentwurf will die Kommission am 17. März vorlegen. Er soll bei trotz weiterhin hoher Corona-Zahlen in Deutschland zu einer schnelleren Rückkehr zur Normalität helfen.

Mit der Entwicklung der App für den digitalen Impfpass sind mehrere Unternehmen beauftragt - unter der Leitung von IBM. Darüber hinaus sind der IT-Spezialist Bechtle aus Neckarsulm, die IT-Genossenschaft govdigital aus Berlin und Ubirch aus Köln in NRW. Letztgenannte Firma spezialisiert sich auf Datenschutz und entwickelt dem eigenen Profil zufolge ein System, „das ein nie dagewesenes Sicherheits-Level für Datenintegrität realisiert“.

Das Bundesgesundheitsministerium hat wegen der Entwicklung eines digitalen Impfpasses mehrere Unternehmen angeschrieben und Angebote eingeholt. Den vertraulichen Ausschreibungsunterlagen zufolge, auf die sich Business Insider beruft, sollen Geimpfte den digitalen Impfpass demnach in Impfzentren, Arztpraxen und bei anderen Leistungserbringern über Impfzertifikate erhalten.

Digitaler Impfpass soll gelben Impfausweis ergänzen - und Besuch in Restaurants ermöglichen?

Der digitale Impfpass soll den bisherigen gelben Impfausweis ergänzen. In der App auf dem Smartphone sollen der Zeitpunkt der Impfung sowie der Corona-Impfstoff vermerkt und gespeichert werden. So soll der Impfstatus der jeweiligen Person schneller abgerufen werden können. Jeder Geimpfte erhalte laut Business Insider das Impfzertifikat zunächst in Papierform (2D-Code) oder direkt in einer Impfnachweis-App auf seinem Smartphone. Im letztgenannten Fall soll ein 2D-Code, etwa ein QR-Code, unmittelbar gescannt werden können.

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) zitiert aus den Ausschreibungsunterlagen: „Statt nur im gelben Impfpass Impfzeitpunkt, Impfstoff und Namen vorweisen zu können, sollen Nutzerinnen und Nutzer diese Informationen künftig auch personalisiert bequem auf ihren Smartphones digital speichern können.“

Digitaler Impfpass: Lukrativer Auftrag für US-Unternehmen IBM

Der digitale Impfass könnte und soll künftig das Leben mit dem Coronavirus in eigenen Bereichen erleichtern. Vor allem die Reisebranche setzt große Hoffnungen auf einen digitalen Impfpass. Auch bei einem Besuch von Restaurants, Bars, Hotels oder Fitnessstudios, die in den ersten Bundesländern wieder öffnen durften, könnte der Nachweis künftig nötig werden. Bislang wehrten sich Bund und Länder gegen Sonderrechte für Geimpfte.

IBM würde mit diesem Auftrag zudem gut verdienen: Pro Impfzertifikat soll es laut der Ausschreibungsunterlagen pro Zertifikat 50 Cent geben. Der Business Insider rechnet vor, dass der Auftrag bei einer vom Bundesgesundheitsministerium angenommenen Impfquote von 80 Prozent - also rund 65 Millionen Menschen - mehr als 32,5 Millionen Euro Wert ist. 

Israel nutzt digitalen Impfpass bereits für Besuche in Restaurants, Bars und Cafés

Israel praktiziert diesen Weg bereits. Dort sind am Sonntag, 7. März, Restaurants, Bars und Cafés für die Inhaber von Corona-Impfpässen geöffnet worden. Zu den ersten Gästen eines Cafés in Jerusalem gehörte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. In einem Facebook-Video sagte er: „Wir werden lebendig.“

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigte sich derweil weiterhin skeptisch, ob ein digitaler Impfpass ein Zugang zum Reisen oder andere Erleichterungen sein sollte. Praktische und ethische Fragen seien dabei zu klären, meinte WHO-Nothilfekoordinator Mike Ryan. Sollte der Zugang zu Impfungen nicht für alle gleich sein, könne das problematisch werden - zumal einige Menschen aus bestimmten Gründen nicht geimpft werden dürften. Unbenommen davon seien elektronische individuelle Impfzertifikate sinnvoll, so die WHO-Expertin Kate O‘Brien. Schnell verfügbare Informationen über viele Einzelheiten rund um die Impfung seien erstrebenswert. (mit Material von dpa und afp)

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa

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