Test- und Quarantäne-Pflicht

Urlaub wegen Delta-Variante in Gefahr? Entscheidung zu strengeren Reise-Regeln

Die Delta-Variante des Coronavirus bereitet Gesundheitsexperten zunehmend Sorge. Aus der Politik kommen Rufe nach strengeren Regeln für Rückkehrer aus dem Urlaub.

Update vom 28. Juni, 17.33 Uhr: Auf Reisende kommen vorerst keine schärferen Corona-Regeln bei der Einreise oder Rückkehr nach Deutschland zu. Das ist laut dpa das Ergebnis von Beratungen von Bund und Ländern. Demnach soll die geltende Einreiseverordnung nicht kurzfristig geändert werden. Mehrere Ministerpräsidenten hatten schärfere Bestimmungen gefordert, um eine erneute Verschärfung der Corona-Lage wegen der aufkommenden Delta-Variante zu verhindern. 

LandDeutschland
HauptstadtBerlin
Bevölkerung83,02 Millionen (2019)

Derzeit muss bei Rückreisen aus Risikogebieten mit einem negativen Test keine Quarantäne angetreten werden. Nach einem Aufenthalt in Hochinzidenzgebieten kann eine Testung frühestens fünf Tage nach Einreise vorgenommen werden. Nach Aufenthalt in Virusvariantengebieten dauert die Quarantäne 14 Tage, und eine vorzeitige Beendigung der Quarantäne ist nicht möglich

Urlaub wegen Delta-Variante in Gefahr? Entscheidung zu schärferen Reise-Regeln

[Erstmeldung] Hamm - Nach Monaten, die von scharfen Corona-Einschränkungen gekennzeichnet waren, freuen sich viele Menschen auf den Urlaub. Doch ausgerechnet kurz vor den Sommerferien 2021 verbreitet sich die ansteckende Delta-Variante des Virus auch in Deutschland rasch. Aus der Politik kommen deshalb Forderungen, Test- und Quarantäne-Regeln bei der Einreise aus dem Ausland nach Deutschland zu verschärfen. Wird Reisen schon bald wieder viel schwieriger? (News zum Coronavirus)

Die Bundesregierung lehnt eine Verschärfung der Einreisebestimmungen wegen der Corona-Pandemie zum jetzigen Zeitpunkt ab. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach sich am Montag klar gegen Grenzkontrollen aus, wie sie im vergangenen Jahr vorübergehend eingeführt worden waren. Grenzkontrollen seien „etwas sehr Hartes“, sagte sie vor der Deutsch-Französischen Parlamentarierversammlung. Sie sei der Meinung, „dass sich so etwas nicht wiederholen sollte“.

Bund und Länder wollen die bestehenden Regeln für Reiserückkehrer überprüfen. Man sei zu dem Thema im Gespräch, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Montag in Berlin. Noch am Montag 28. Juni, wollten die Chefs der Staatskanzleien mit der Bundesregierung in einer Schalte das Thema beraten, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr.

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hatte schon zuvor verschärfte Corona-Testpflichten für Reiserückkehrer gefordert. Sein Vorschlag: Jeder, der aus dem Urlaub kommt, soll sich vor der Rückreise sowie nochmals fünf Tage nach der Einreise testen. Das sagte Karl Lauterbach am Montag im RTL/ntv-“Frühstart. „Es wäre eine kluge Regelung, wenn man in den fünf Tagen dazwischen für diejenigen, die aus Risikogebieten kommen, sogar Quarantäne vorsehen würde.“

So könne der Reiseverkehr auch aus Staaten außerhalb der Europäischen Union relativ sicher geregelt werden, so Karl Lauterbach. „Das ist der Preis für den Urlaub: Wenn ich in ein Risikogebiet reise, dann muss ich auch damit rechnen, dass ich danach noch ein paar Tage in Quarantäne bin, bis sichergestellt ist, dass ich mich nicht infiziert habe.“

Insbesondere Portugal-Urlauber bekommen wegen der Delta-Variante des Coronavirus derzeit schon Folgen zu spüren. Ab Dienstag (29. Juni) wird Portugal zum Virusvariantengebiet. Neben Portugal gelten auch noch weitere Länder als Virusvariantengebiete - wie für Portugal gelten bei der Rückreise nach Deutschland besondere Regeln.

Delta-Variante und Urlaub: Test und Quarantäne bei Rückkehr gefordert

Ein Kritikpunkt, den mehrere Politiker anbringen, ist, dass bei Einreisen aus Risikogebieten derzeit ein einmaliger, einfacher Antigen-Test reicht, um Quarantäne zu vermeiden. Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sagte der Welt: „Das ist zu unsicher.“ Stattdessen sollten alle nicht geimpften Reiserückkehrer aus Risikogebieten und Hochinzidenzgebieten grundsätzlich in Quarantäne gehen, die frühestens nach fünf Tagen bei einem negativen PCR-Test aufgehoben werden dürfe.

Ähnlich äußerte sich Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). „Sie können schon bei der Anreise kontrollieren: Wer hat den entsprechenden negativen Testnachweis? Und dann hier nach einer bestimmten Quarantänezeit auch mit einem erneuten Test gegenchecken, dass man auch wirklich negativ ist“, erklärte er am Sonntagabend im ZDF. „Es ist schön, wenn die Menschen Urlaub machen können. Aber wir wollen die Gefahren ja nicht zurückbekommen hier nach Deutschland.“

Delta-Variante und Urlaub: Antigen-Schnelltest bei Rückkehr nicht ausreichend

Dass ein einfacher Antigen-Schnelltest bei der Rückkehr nach Deutschland nicht genügt, findet auch SPD-Vize Kevin Kühnert. Er sagte bei RTL/ntv: „Sondern dann muss es ein engmaschiges Kontrollsystem geben, um dafür zu sorgen, dass hier die Virusvarianten nicht noch schneller nach Deutschland eingeschleppt werden, als das nach Adam Riese sowieso in den nächsten Monaten passieren wird.“ Kühnert warnte: „Die Lehre aus dem Sommer 2020 ist schon, dass man die Leichtigkeit des Moments nicht mit der Leichtigkeit der Gesamtsituation verwechseln sollte.“

Auch Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) verlangt, dass Urlauber an den Grenzen engmaschig auf Impfausweise und negative Corona-Tests kontrolliert werden. Rückendeckung kam von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil: „Ich unterstütze ausdrücklich die Forderung nach Kontrollen an den Grenzen, ob aktuelle Negativ-Tests vorliegen. Genau daran hat es bislang gemangelt“, sagte der SPD-Politiker der Welt.

Die Delta-Variante des Coronavirus bereitet zunehmend Sorgen. Politiker fordern deshalb eine verschärfte Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risiko- und Virusvariantengebieten.

Auch Weil forderte eine zweifache Testpflicht für alle Rückkehrer, die nicht voll geimpft sind. „Auch in Ländern mit vergleichsweise niedrigen Inzidenzen läuft man Gefahr, mit anderen Urlaubern zusammenzukommen, die das deutlich ansteckendere Delta-Virus mit sich tragen“, sagte er. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hatte schon zuvor gemahnt: „Internationale Reisen dürfen nicht dazu führen, dass sich wieder mehr Menschen infizieren und das Virus nach Hause tragen.“

Urlaub trotz Delta-Variante: Vierte Corona-Welle im Herbst

Dass Deutschland mit Corona noch lange nicht fertig ist, davon ist auch Karl Lauterbach überzeugt. Er rechnet mit einer vierten Welle im Herbst. Die Frage sei nur, wie groß diese Welle werde. Im Herbst seien die Menschen wieder mehr drinnen, die ansteckendere Delta-Variante werde auch in Deutschland den größten Anteil der Infektionen ausmachen.

Dass die ansteckendere Delta-Variante des Coronavirus schon bald vorherrschend ist, davon geht der Immunologe Carsten Watzl aus. Er rechnet damit, dass die Delta-Variante noch im Juli die vorherrschende Mutante in Deutschland sein wird. Aktuell dürften 30 Prozent der Neuinfektionen auf die Delta-Variante zurückzuführen sein, sagte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie am Montag im ZDF-Morgenmagazin. Im Juli dürfte seiner Ansicht nach die 50-Prozent-Marke überschritten werden. Das Gute sei, dass sich dies auf sehr niedrigem Niveau abspiele. - Mit Material von dpa

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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