Virologe warnt

Delta-Variante an Schulen: Ende des Präsenzunterrichts nach den Sommerferien?

Die Delta-Variante setzt sich in Deutschland und NRW immer mehr durch. Werden nach den Sommerferien wieder Schulen geschlossen? Ein Virologe warnt.

Hamm - Die Inzidenzen in Nordrhein-Westfalen und ganz Deutschland sinken und sinken. Doch wie lange noch? Die ansteckende Delta-Variante des Coronavirus aus Indien wird spätestens im Herbst die Infektionszahlen in die Höhe treiben. Davon gehen Top-Virologen aus. Werden deswegen nach den Sommerferien wieder Schulen geschlossen? (News zum Coronavirus)

BundeslandNordrhein-Westfalen (NRW)
Einwohnerca. 17,9 Millionen
HauptstadtDüsseldorf

Delta-Variante an Schulen: Droht nach Sommerferien das Aus für Präsenzunterricht?

Nach langem Corona-Lockdown der Schulen ging es für Millionen Schülerinnen und Schüler Ende Mai zurück in den Präsenzunterricht bei voller Klassenstärke. Zwar gelten strenge Corona-Regeln, doch nach stressigen Monaten war die Erleichterung bei Kindern, Eltern und Lehrern über ein kleines Stück Normalität groß. Wie sich die Anzahl der Infektionen mit Corona auf die verschiedenen Altersgruppen derzeit aufteilt, zeigt etwa ein Beispiel aus Hamm.

Mitten ins kollektive Aufatmen platzte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Er schockierte Eltern mit der fast beiläufigen Aussage, dass die Corona-Maßnahmen in Schulen noch eine längere Zeit aufrechterhalten werden müssten. Speziell seine Erwähnung des Wechselmodells - also eine Mischung aus Präsenzunterricht und Distanzlernen - führte zu heftigen öffentlichen Gegenreaktionen.

Auch wenn Jens Spahn und andere zurückzurudern versuchten: Einschränkungen an Schulen nach den Sommerferien sind wieder ein Thema - speziell vor dem Hintergrund der aufkommenden Delta-Variante in Deutschland und einer weitgehend ungeimpften Schülerschaft.

Delta-Variante an Schulen: Schließungen? Ralph Brinkhaus (CDU) gibt kein Versprechen

Geht es nach Bildungspolitikern und Schulexperten, ist die Sache klar: Der Präsenzunterricht nach den Sommerferien steht nicht zur Diskussion. Wie wichtig er für die Entwicklung der Kinder ist, zeigten zuletzt erschreckende Ergebnisse einer Studie zur Wirksamkeit von Distanzlernen. Fraglich ist jedoch, ob solche Erkenntnisse in einer möglichen vierten Corona-Welle ab Herbst noch von Belang wären.

Drohen wegen der aufkommenden Delta-Variante des Coronavirus ab Herbst wieder Klassenteilungen an Schulen?

CDU/CSU-Bundestagsfraktionschef Ralph Brinkhaus zeigte sich optimistisch, dass Schulen in Deutschland und NRW nicht erneut wegen der Corona-Pandemie schließen müssen. Darauf festlegen wolle er sich aber nicht, auch wenn es „sehr, sehr gut“ aussehe. „Ganz ehrlich: Jemand, der jetzt definitive Versprechen abgibt, der wagt sich da weit aus dem Fenster raus, weil das Geschehen natürlich noch weiter dynamisch ist“, sagte Brinkhaus am Mittwoch (23. Juni) im RTL/ntv-“Frühstart“.

Um es mit Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), zu formulieren: Die Frage ist nicht, ob sich Delta-Variante in Deutschland durchsetzt, sondern wann. Und natürlich: wie heftig.

Aktuell haben die niedrigen Zahlen zu einer Welle von Lockerungen der Corona-Regeln an Schulen noch vor den Sommerferien geführt. In Bayern, Sachsen und anderen Bundesländern fiel die Maskenpflicht während des Unterrichts. In NRW dürfen Schüler auf dem Schulhof immerhin auf das Tragen einer Maske verzichten. Größere Risiken will das Schulministerium um Yvonne Gebauer (FDP) vorerst nicht eingehen. Gebauer hat klare Vorstellungen, wie es nach den Sommerferien an Schulen in NRW weitergehen soll.

Delta-Variante an Schulen: Virologe aus Essen (NRW) warnt vor England-Verhältnissen

Für Ulf Dittmer von der Uni-Klinik Essen (NRW) sind weitgehende Lockerungen das mit Blick auf die ansteckende Delta-Variante ein Schritt in die falsche Richtung: „In England hat man den entscheidenden Fehler gemacht, dass man in den Schulen den Mund-Nasen-Schutz abgeschafft hat und die anderen Hygienemaßnahmen - und da hat sich das Virus sehr schnell in den Schulen ausgebreitet“, sagte der Virologe bei WDR5.

Er hält die Maskenpflicht im Unterricht an NRW-Schulen für den richtigen Weg. „In den Räumen, wo sich die Delta-Variante sehr gut ausbreiten kann, müssen wir unbedingt den Mund-Nasen-Schutz weiter als Pflicht haben, damit wir nicht den gleichen Fehler machen wie England.“

Ulf Dittmer liegt damit auf einer Welle mit Maike Finnern, Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW. „Auch nach den Sommerferien werden Hygienekonzepte wie eine Teststrategie und Masken eine wichtige Rolle spielen, um eine Ausbreitung der Delta-Variante zu unterbinden“, sagt sie. Denn auch Finnern hält Präsenzunterricht an Schulen für sehr wichtig.

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/dpa

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