Stiko prüft Argumente

Delta-Variante: Abstand zwischen Impfungen verkürzen? Jens Spahn erklärt den Plan

Vor der Delta-Variante schützt nur eine vollständige Corona-Impfung. Müssen die Abstände zwischen den beiden Dosen verkürzt werden? Jens Spahn klärt auf.

Hamm - 15 Prozent. So hoch ist nach jüngsten Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) der Anteil der Delta-Variante in Deutschland. Es handelte sich um eine Auswertung von Tests aus der zweiten Juni-Woche. Dieser Wert „wird mittlerweile auch wieder gestiegen sein“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit RKI-Chef Lothar Wieler zur aktuellen Corona-Lage. (News zum Coronavirus)

Sars-CoV-2Medizinische Bezeichnung des Virus
Covid-19Bezeichnung für die durch das Virus ausgelöste Krankheit
Coronaviren/CoronaBezeichnung für eine Familie von Erregern. Es gibt unterschiedliche Corona-Stämme

Delta-Variante: Abstand zwischen den Impfungen verkürzen? Jens Spahn erklärt Plan

Umso wichtiger werden Corona-Impfungen - vor allem mit Blick auf die ansteckendere Delta-Variante. Jens Spahn mahnte: „Wer nicht geimpft ist, wird sich früher oder später infizieren.“ Bislang ist jedoch bekannt, dass erst der vollständige Impfschutz vor schweren Erkrankungen mit der Delta-Variante schützt. „Menschen, die nur einmal geimpft sind, können das Virus weitertragen, warnte RKI-Chef Lothar Wieler, der sich zuvor bereits für Maskenpflicht an Schulen bis Frühjahr 2022 ausgesprochen hatte.

Damit möglichst viele Menschen in Deutschland diesen vollständigen Impfschutz vor allem gegen die Delta-Variante des Coronavirus haben, gibt es nun eine Diskussion um die Verkürzung der Abstände der Corona-Impfungen. Diese Frage sei nicht trivial, teilte Thomas Mertens, der Leiter der Ständigen Impfkommission (Stiko), der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit. Es gebe verschiedene Pro- und Contra-Argumente, erklärte der Virologe. „Wir versuchen derzeit, die notwendige Evidenz zu schaffen.“

Geht es jedoch nach Jens Spahn, wird sich zunächst nichts ändern bei den Abständen zwischen den Corona-Impfungen. Er verwies auf die deutsche Impfstrategie, „die Zweitimpfung innerhalb des in der Zulassung vorgesehenen Intervalls durchzuführen“, erklärte der Bundesgesundheitsminister. „Wir fühlen uns durch die Delta-Variante bestätigt, diese Zweitimpfungen innerhalb dieses Intervalls vorzusehen und zügig zu ermöglichen“, sagte Jens Spahn.

Abstand zwischen Corona-Impfungen wegen Delta-Variante verkürzen? Spahn will Intervall beibehalten

Daher schlage der CDU-Politiker vor, „dass wir innerhalb dieses Intervalls bleiben“. Und innerhalb dieser Impfintervalle „entscheiden das am Ende der impfende Arzt und der zu Impfende“. Dabei verwies Jens Spahn das Beispiel Astrazeneca: Je länger dort der Abstand zwischen beiden Impfungen ist, desto größer ist die Wirksamkeit. „Diese Dinge“, sagte der Bundesgesundheitsminister, „sind medizinisch miteinander abzuwägen.“

Leif Erik Sander, der Leiter der Forschungsgruppe für Infektionsimmunologie und Impfstoff-Forschung der Berliner Charité, hält eine Änderung der Abstände zwischen den Corona-Impfungen nach aktuellem Stand ebenfalls für nicht zwingend erforderlich: „Wir haben niedrige Zahlen. Wir können so weiter machen, wie das bisher auch empfohlen ist.“ Zumal niemand wisse, wie drastisch der Impfstoff bei Verkürzung der Abstände an Wirksamkeit verlieren. „Das wollen wir ja auch nicht“, sagte er.

Bislang empfiehlt die Stiko längere Zeitabstände zwischen den zwei Corona-Impfungen als es gemäß Zulassung der jeweiligen Impfstoffe möglich wäre. Das hat Gründe: Bei Astrazeneca etwa steigt die Wirksamkeit bei längerem Abstand. Zudem sprach die Impfstoffknappheit dafür, zunächst möglichst viele Menschen mit der Erstimpfung zu versorgen.

Corona-Impfungen: Diese Abstände werden bei Biontech und Astrazeneca empfohlen

Bei Astrazeneca lautet der bisherige Rat des Expertengremiums, zwölf Wochen zwischen erster und zweiter Dosis verstreichen zu lassen. Für die mRNA-Impfstoffe (Biontech/Pfizer und Moderna) beträgt der empfohlene Abstand sechs Wochen. Laut Zulassung wären schnellere Impfserien möglich: zwei Biontech-Spritzen im Abstand von drei Wochen, bei Moderna und Astrazeneca im Abstand von vier Wochen.

Beim Vektor-Impfstoff von Astrazeneca gilt mittlerweile nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums, dass es Impfwilligen freisteht, den Abstand individuell mit Impfärztinnen und -ärzten im Rahmen des zugelassenen Zeitraums (vier bis zwölf Wochen) zu vereinbaren.

Generell dürfte es jetzt mehr und mehr mit der Impfkampagne in Deutschland vorangehen. So können sich etwa in NRW ab Samstag (26. Juni) alle Bürger einen Impftermin im Impfzentrum buchen. (mg mit dpa)

Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka/dpa

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