Thrombose-Gefahr nach Corona-Impfung

Notzulassung von Curevac? Die neue Alternative zu Vektorimpfstoffen

Viel Hoffnung für Curevac: Nach Kritik an Johnson & Johnson und Astrazeneca, könnte der mRNA-Impfstoff mehr Tempo in die Corona-Impfungen bringen.

Hamm - Astrazeneca wird in Deutschland nur noch an über 60-Jährige verimpft, die Corona-Impfungen mit Johnson & Johnson sind derzeit in den USA gestoppt und werden jetzt von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) untersucht. Für Kritik sorgen Fälle von seltenen Blutgerinnseln, die nach Impfungen mit den beiden Vektorimpfstoffen gemeldet wurden. Experten wie der SPD-Politiker und Mediziner Karl Lauterbach fordern eine Notzulassung für den mRNA-Impfstoff Curevac. (News zum Coronavirus)

UnternehmenCurevac
SitzNiederlande, Tübingen
Gründung2000
ImpfstoffCVnCOV

Hoffnung auf Curevac: Experten dringen auf frühere Zulassung des mRNA-Impfstoffs

Curevac steht in den Startlöchern, ist jedoch noch nicht in der EU zugelassen. Der Tübinger Impfstoff-Hersteller rechnet damit, dass die EMA das Vakzin in den bis Juni überprüft ist. Damit würde nach Biontech und Moderna der dritte mRNA-Impfstoff in Europa verimpft.

Durch die Verzögerungen beim Vektorimpfstoff Johnson & Johnson und die Einschränkungen bei Astrazeneca (ebenfalls ein Vektorimpfstoff) wurde das Impftempo gebremst. Gleichzeitig steigen die Corona-Zahlen in Deutschland, zudem plant die Bundesregierung eine einheitliche und bundesweite Notbremse.

Zwar meldet die Europäische Union, dass sie bis Ende Juni 50 Millionen zusätzliche Biontech-Impfdosen erhalten wird, um den Ausfall der Johnson & Johnson-Impfungen auszugleichen, doch wurde viel Hoffnung in den Impfstoff gesetzt, der nur einmal geimpft werden muss, um zu wirken.

In den USA war es nach Impfungen zu drei Sinusvenen-Thrombosen gekommen. Johnson & Johnson hat daraufhin die Impfungen gestoppt, um die Fälle zu untersuchen. Nach ersten Erkenntnissen der EMA gibt es bisher keinen Zusammenhang zwischen den sehr seltenen Thrombose-Fällen und der Corona-Impfung, wie fr.de berichtet.*

Notzulassung von Curevac: So unterscheiden sich mRNA- und Vektorimpfungen

Wie Astrazeneca - ebenfalls unter Verdacht das Thrombose-Risiko zu erhöhen - ist auch die Impfung von Johnson & Johnson ein Vektorimpfstoff.

Die beiden Impfungen nutzen ein harmloses Adenovirus (Vektor), um den Körper auf das Coronavirus vorzubereiten. Bei den mRNA-Impfungen wie Biontech, Moderna und Curevac kommt die genetische Information in einem Fetttropfen in die Zellen.

Bei mRNA-Impfungen werden genetische Informationen in flüssigen Nanopartikeln (Fetttröpfchen) transportiert, die den Körperzellen zeigen, wie sie Antigene gegen Corona selbst produzieren. Sollte man geimpft in Kontakt mit Coronaviren kommen, erkennt der Körper das Virus und kann die Krankheit selbst bekämpfen.

Vektorimpfstoffe funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip, auch gelangen genetische Informationen in die Zellen. Bei Vektorimpfstoffen wird das Genmaterial in harmlose Trägerviren eingebaut und gelangt so zu den Zellen. Zu den Vektorimpfstoffen zählen beispielsweise die Masernimpfung aber auch Impfungen gegen Dengue-Fieber oder Ebola.

Thrombosen nach Corona-Impfung: Vektorimpfungen unter Verdacht

Bislang ist aber unklar, ob es wirklich einen Zusammenhang zwischen den seltenen Thrombosen und den Corona-Impfungen gibt. Deutschlandfunk spricht von sehr geringen Quoten. Bei Biontech sind es 0,12 Prozent, bei Moderna 0,16 Prozent und bei Astrazeneca 0,58 Prozent.

Nach Informationen des Paul-Ehrlich-Instituts und von dpa gab es bis zum 2. April 42 Fälle der Sinusvenen-Thrombose nach einer Impfung mit dem Vektorimpfstoff Astrazeneca. Die Thrombose trat vor allem bei Frauen im Alter von 20 bis 63 Jahre, diese Gruppe stellt jedoch auch den Großteil der mit Astrazeneca-Geimpften dar.

Es gab zudem laut Deutschlandfunk 64 Fälle von Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen im Blut).

Nach Impfungen mit dem Wirkstoff von Biontech (mRNA-Impfung) soll es sieben Fälle der seltenen Thrombose gegeben haben, vier Männer zwischen 81 und 86 und drei Frauen zwischen 34 und 81 Jahren alt seien davon betroffen. Thrombozytopenie habe es laut Deutschlandfunk in 17 Fällen gegeben.

Im Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts steht, dass die Zahl der Sinusvenen-Thrombosen unter Berücksichtigung der Anzahl der Impfungen nicht erhöht sei.

Karl Lauterbach fordert Notzulassung des Curavec-Impfstoffs in Deutschland

Der SPD-Politiker und Experte Karl Lauterbach fordert eine Notzulassung des mRNA-Impfstoffs Curevac in Deutschland. Man solle nicht auf die Entscheidung der EMA warten, sagte der Gesundheitsexperte, diese Untersuchung würde oft zu lange dauern.

Lauterbach berichtete dem Spiegel, dass Curevac schon mehrere Millionen Impfdosen vorproduziert habe. Er rechnet damit, dass Johnson & Johnson in der EU verimpft - aber auch, dass der Impfstoff wie Astrazeneca ebenfalls eher an über 60-Jährige ausgegeben werden wird. Dann „haben wir bei den unter 60-Jährigen ein Mengenproblem. Das wird unsere Impfkampagne deutlich verzögern“, so Lauterbach. Hier finden Sie die aktuelle Impf-Reihenfolge für Nordrhein-Westfalen.

Sorge machen vor allem Thrombose-Fälle bei den Jüngeren. Der Thrombose-Spezialist Johannes Oldenburg vom Universitätsklinikum Bonn sagte gegenüber dpa, dass die Probleme bei Johnson & Johnson und Astrazeneca dafür sprechen, dass der Vektor der Impfungen das Problem sein könnte. Das sei jedoch spekulativ. Aber auch Karl Lauterbach unterstützt die These, wie er in einem Interview mit Deutschlandfunk betonte. Er gab aber auch an, dass das Risiko sehr gering sei.

Thrombosen nach Corona-Infektion: Krankheit erhöht Risiko der Blutgerinnsel deutlich

Das Risiko muss also im Verhältnis gesehen werden. Der Berufsverband Deutschen Internisten sagte bereits im Juli 2020, dass sich bei einem Drittel der Covid-19-Patienten Thrombosen entwickeln. Weitere Studien, etwa von der Medizinischen Universität Wien, belegen, dass die Patienten deutlich häufiger an Beinvenenthrombosen oder tiefen Lungenembolien leiden.

Laut einer Mitteilung der Deutschen Herzstiftung aktivieren Coronaviren die Blutplättchen (Thrombozyten) im Blut der Erkrankten. Der Körper reagiert darauf mit einer zu hohen Anzahl an Antikörpern. Dann steigt das Thromboserisiko und ist bei Erkrankten, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, besonders hoch. - *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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