Schweiz will Touristen sogar abholen

Ischgl will öffnen! Ski-Streit mit Österreich eskaliert weiter - Verband wittert „Kampagne“

Markus Söder will Ski-Urlaube über Weihnachten unbedingt verhindern (Fotomontage).
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Markus Söder will Ski-Urlaube über Weihnachten unbedingt verhindern (Fotomontage).

Markus Söder will das Aus für den Ski-Urlaub in der Corona-Krise. Doch Österreich und die Schweiz stellen sich quer. Ischgl will öffnen - das Wallis Touristen sogar im Ausland abholen.

Berlin/Wien - Klar ist: Österreichs Tourismuswirtschaft hängt massiv vom Ski-Urlaub ab. Unklar ist, ob der Winterspaß wirklich erneut Pandemie-Treiber werden kann - doch die Vermutung liegt angesichts des Falles Ischgl und üblicher Bilder von Gedränge an Ski-Liften nahe. So oder so, der Streit um das auch von Deutschland geforderte Ski-Aus für den Weihnachtsurlaub* nimmt deutlich an Schärfe zu. Auch wenn noch gar nicht klar ist, dass auch in der Bundesrepublik alle Lifte über die Feiertage geschlossen bleiben.

Corona führt Söder, Kurz und Co. in ernsten Konflikt: Österreichischer Skiverband warnt vor „Dämonisierung“

So hat der Österreichische Skiverband (ÖSV) nun in einem offenen Brief von der eigenen Bundesregierung um Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) gefordert, am Saisonstart für den Wintersport festzuhalten - gegen den Willen von Deutschland und anderen Nachbarstaaten. Die Rede ist dort von einer „Kampagne“. Die „Dämonisierung“ des Wintertourismus sei eine hilflose Ersatzhandlung und nicht evidenzbasiert. Zumindest gab es zuletzt tatsächlich Spekulationen, die besonders harte Haltung mehrerer EU-Staaten könne eine Retourkutsche an Wiens Adresse sein, wie Merkur.de* berichtete.

„Außerdem liefert sie implizit den Vorwurf mit, dass jene Länder, die das Aufsperren ihrer Wintersporteinrichtungen erwägen, verantwortungslos handeln würden“, monierte der Verband in dem Brief. Der ÖSV schätze, dass die Regierung Österreichs dem Druck aus Berlin, München, Rom und Paris standhalte. „Der Wintersport ist nicht gleichzusetzen mit Party-Tourismus und ungezügeltem Après-Ski.“ Es gebe zudem strenge Hygienekonzepte und Platzbeschränkungen. Auch der Präsident des Österreichischen Skischulverbandes, Richard Walter, unterzeichnete den Brief.

Corona: Schweiz und Österreich im Clinch - Wallis will Touristen sogar aus Frankreich abholen

Empörung über die Forderungen aus Deutschland, Frankreich und Italien gibt es aber auch in der Schweiz. „Die Schweiz fährt Ski. Aber sicher!“, heißt es in einer Werbekampagne, die sich auch an Gäste aus dem Ausland richtet. Hoch gelegene Skigebiete sind teils schon offen, etwa in St. Moritz, Davos und Zermatt

Im Schweizer Kanton Wallis will man französische Skitouristen jetzt mit einem besonderen Angebot locken: „Wir planen einen Busbetrieb, der Ski-Touristen aus dem französischen Teil der Portes du Soleil abholt“, kündigte der Chef des Schweizer Teils des Skigebiets, Enrique Caballero, im Rundfunk an. Skigebiete, Bergbahnen und Wintersportanbieter zielen mit einer interaktiven Webseite auch auf ausländische Gäste. Interessierte können sehen, welche Skigebiete zum Beispiel die Zahl der Gäste in den Gondeln beschränken, wo zusätzliche Terrassenplätze in den Bergrestaurants geschaffen wurden oder wo Bergfahrten vorab online reserviert werden können.

Der Präsident des Verbandes Seilbahnen Schweiz, Hans Wicki, spürt allerdings Druck aus dem Ausland. „Da muss man jetzt Gelassenheit und Coolness an den Tag legen, damit man das gut übersteht“, sagte er im Rundfunk. Österreichs Finanzminister Gernot Blümel drohte mit Geldforderungen. „Wenn die EU eine Vorgabe macht, dass die Skigebiete geschlossen bleiben müssen, erwarten wir uns Kompensationszahlungen“, sagte er am Wochenende der Zeitung Die Welt. Wintersport ist in den Ländern ein wichtiger Wirtschaftszweig mit Tausenden Arbeitsplätzen. Die Weihnachtsfeiertage sind Hochsaison.

Ski-Streit mit Österreich: Ischgl will öffnen - Ski-Aus noch nicht in allen deutschen Gebieten fix

Ischgl will übrigens öffnen. „Wie gut, dass Sie auf all das nicht mehr lange warten müssen, denn am 17. Dezember 2020 ist es endlich so weit: Der erste Skitag in der Silvretta Arena in Ischgl steht am Programm!“, heißt es auf der Webseite des Skiorts.

Durchaus pikant: Auch in Deutschland steht noch nicht fest, dass alle Skilifte bis weit ins neue Jahr hinein außer Betrieb bleiben. In Nordrhein-Westfalen etwa bleiben mit Inkrafttreten der neuen Corona-Schutzverordnung die Lifte bis mindestens 20. Dezember geschlossen. Mit Blick auf die Zeit danach sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Montag in Düsseldorf lediglich, er habe keine große Hoffnung, dass das Infektionsgeschehen eine andere Regelung über die Weihnachtstage zulasse.

Die Betreiber hätten dann aber Anspruch auf Überbrückungshilfen, hieß es. Die würde freilich der Bund zahlen - und nicht etwa die EU, wie Österreich es für sich beanspruchen würde. In Bayern, Deutschlands wichtigster Skiregion, hat Ministerpräsident Markus Söder ebenfalls einen Lift-Stopp bis 20. Dezember verhängt* - eine Verlängerung über dieses Datum hinaus scheint aber Formsache zu sein.

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