Gewerkschaft krisitiert mangelnde Vorbereitung

Corona: Diskussion um Schulöffnungen - „Stellen ein hohes Risiko dar“

Viele Lehrer sehen mit Anspannung dem Schulbetrieb nach den Sommerferien entgegen - wegen mangelnder Vorbereitung auf Corona. Die FDP legt nun einen Plan für die unterrichtsfreie Zeit vor.

  • Die Konzepte der Politik zu Schulöffnungen nach den Sommerferien überzeugt den Lehrerverband überhaupt nicht.
  • Verbandspräsident Meidinger wirft den Länderchefs vor, auf diverse Corona*-Szenarien nicht vorbereitet zu sein.
  • Zum Start des neuen Schuljahres planen weitere Bundesländer eine Maskenpflicht an Schulen.

Update vom 4. August, 9.47 Uhr: Die Chefin der Bildungsgewerkschaft GEW, Marlis Tepe, sieht den Start des Regelbetriebs an den Schulen mit Problemen behaftet. „Die Schulöffnungen stellen ein hohes Risiko dar“, sagte Tepe der Passauer Neuen Presse. Alle Beteiligten müssten vorsichtig sein und das Abstandsgebot einhalten. Allerdings sei es „grundsätzlich“ gut, dass es wieder losgehe. Schließlich sei Bildung ein hohes Gut und es sei wichtig, dass Kinder und Jugendliche wieder in die Schule gehen könnten.

Dennoch gerieten die Schulen beim Start im Regelbetrieb in eine „schwierige Situation“. So bräuchten die Schulen eigentlich „frühzeitig genaue Informationen, wie der Gesundheitsschutz geleistet werden soll“. Das sei bisher aber nicht gut genug vorbereitet worden, kritisierte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. So wäre es besser gewesen, die Gesundheitsämter hätten vorab alle Schulen begutachten und deren Hygienepläne prüfen können. Außerdem hapere es bei der Digitalisierung an den Schulen.

Bundesland führt Corona-Maskenpflicht in Schulen ein - und ist besonders streng

Update vom 3. August, 13.34 Uhr: Das Bundesland Nordrhein-Westfalen führt an allen weiterführenden und berufsbildendenden Schulen eine Maskenpflicht ein, die auch für den Unterricht gilt. An Grundschulen soll die Maskenpflicht nicht gelten, wenn die Schüler auf ihren festen Plätzen im Unterricht sitzen. Das kündigte das Schulministerium in Düsseldorf an.

Auch Berlin, Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg haben angekündigt, im Kampf gegen das Coronavirus eine Maskenpflicht in Schulgebäuden einzuführen - sie soll jedoch nicht im Unterricht gelten. In Hessen oder Sachsen soll die Maskenpflicht im Ermessen der Schulen liegen. In Mecklenburg-Vorpommern - wo am Montag die Schule begonnen hat - gibt es bislang keine Maskenpflicht. Das könnte sich aber noch ändern.

Schule trotz Corona: Karliczek fordert Maskenpflicht - „Höchste Zeit“

Update vom 2. August, 6.51 Uhr: Kurz vor dem Ende der Sommerferien in sechs Bundesländern hat sich Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) für eine Maskenpflicht in den Schulgebäuden ausgesprochen. Es sei zwar „nachvollziehbar, wenn Länder auf Abstandsregeln in den Schulen verzichten wollen, weil die räumlichen Bedingungen ansonsten nur eingeschränkt Präsenzunterricht zulassen würden“, sagte Karliczek der Welt am Sonntag. Dennoch werde der Präsenzunterricht nur dann funktionieren können, wenn weitere Regelungen zur Hygiene, zum Tragen von Schutzmasken sowie zum Abstandhalten auf dem Schulhof und auf den Fluren strikt eingehalten würden.

Berlin, Bayern und Baden-Württemberg haben eine solche Maskenpflicht bereits eingeführt. Die Bildungsminister der Länder zeigten sich optimistisch, dass der vereinbarte Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen gelingen kann. „Tourismus, Restaurants und sogar Fitnessstudios sind längst wieder geöffnet, ohne große Probleme“, sagte die Mecklenburg-vorpommersche Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) der Zeitung. Es sei „höchste Zeit, die Belange der Kinder nach vorne zu rücken“.

Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) spricht sich für Maskenpflicht an Schulen aus.

„Corona-adäquater Weg“ in Schulen - Und was das für nach den Unterricht bedeutet

Update vom 31. Juli, 11.24 Uhr: Mecklenburg-Vorpommern ist das erste Bundesland, in dem in Kürze das neue Schuljahr beginnt. Ganz Deutschland dürfte den „Testlauf“ in Zeiten von Corona aufmerksam beobachten, doch SPD-Chefin Saskia Esken warnt vor zu großen Erwartungen. „Wir sollten nicht der Illusion erliegen, dass die Schulen zu einem ‚Regelbetrieb‘ zurückkehren können, wie er vor Corona üblich war“, meinte die Sozialdemokratin im Interview mit Zeit Online.

Weiterhin seien Hygienekonzepten und Kontaktbeschränkungen, die die Schüler in der Pause und in den Schulbussen einhalten müssten, unumgänglich. Während in mehreren Bundesländer entsprechende Konzepte bereits bestehen, arbeiten andere diese noch aus.

Mit Corona-Maßnahmen: Mehrere Bundesländer starten in den kommenden Tagen ins neue Schuljahr

Zuvor hatten die Länder vor dem Sommer in einer gemeinsamen Erklärung kommuniziert, man wolle im neuen Schuljahr wieder in den Regelbetrieb zurückkehren. Am Montag macht Mecklenburg-Vorpommern den Anfang, drei Tage später folgt Hamburg und startet ins neue Schuljahr.

In Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein geht es in der folgenden Woche mit dem Schulbetrieb los. Die SPD-Co-Vorsitzende Esken schlug unterdessen Unterricht in kleinen, festen Projektgruppen vor.

Ihr Vorschlag: „Zwei Wochen Projektunterricht mit den Lehrkräften für Geschichte und Politik, dann kommen für zwei Wochen die Naturwissenschaften zu einem Projekt zusammen.“ Ein solcher Unterricht wäre nach Eskens Ansicht ein „Corona-adäquater Weg“.

Update vom 29. Juli, 07.23 Uhr: In der Diskussion um eine Rückkehr in den Regelbetrieb an den Schulen inmitten der Corona-Pandemie fordert die FDP eine Fortbildungspflicht für Lehrer in digitalem Unterrichten während der verbleibenden Sommerferien.

„In Krisenzeiten für die Bildung kann es keine Sommerferien für die Verantwortlichen geben“, schreibt der bildungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Thomas Sattelberger, in einem Positionspapier, das dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. „Die unterrichtsfreie Zeit muss vor allem für die Planung des nächsten Schuljahres genutzt werden“, heißt es darin, zumal auch dieses Schuljahr absehbar eine Mischung aus Präsenzunterricht in der Schule und Lernen zu Hause sein werde.

Wie soll sich in der Corona-Pandemie die Rückkehr zur Schule nach den Sommerferien gestalten?

Schul-Regelbetrieb trotz Corona: FDP will Lehrer in den Sommerferien zur Fortbildung schicken

Lehrkräfte müssten in der unterrichtsfreien Zeit lernen, „in hybriden Unterrichtsmodellen Schülerinnen und Schüler bestmöglich zu unterrichten“, fordert Sattelberger demnach in seinem „Deutschlandweiten Sofortprogramm für die schulischen Sommerferien“. Dazu sei auch eine bessere technische Ausstattung von Lehrern nötig. Es gehe nicht an, dass Lehrkräfte teils „über private E-Mail-Adressen auf privaten Endgeräten im datenschutzrechtlichen Graubereich arbeiten“, kritisiert Sattelberger. „Alle Lehrkräfte müssen in diesem Sommer mit digitalen Endgeräten samt Software und E-Mail-Adressen ausgestattet werden.“

Corona: Schul-Rückkehr nach den Sommerferien laut FDP „selbstverständlich" nur mit digitalen Endgeräten

Eine bessere technische Ausstattung fordert Sattelberger auch für Schüler aus finanzschwächeren Familien. Digitale Endgeräte müssten „ab Herbst so selbstverständlich in allen Schultaschen zu finden sein wie Hefte, Bücher oder Bleistifte“.

Kurz vor dem Ende der Sommerferien in einigen Bundesländern bleibt die Skepsis groß, ob es mitten in der Corona-Pandemie mit der geplanten Rückkehr in den Regelbetrieb an den Schulen klappt. Zuletzt hatte der Deutsche Lehrerverband sich besorgt geäußert, dass die Schulen dafür nicht ausreichend vorbereitet seien (siehe Erstmeldung).

Corona: Schul-Fiasko nach den Sommerferien? Experten warnen vor „großem Durcheinander“

Erstmeldung vom 28. Juli: Berlin - An den Schulen soll es nach den Sommerferien trotz Corona* weitergehen - und nach Ansicht des Deutschen Lehrerverbandes ist damit ein „großes Durcheinander“ programmiert. Das sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der dpa. Er befürchte zudem „eine weitere Phase von Unsicherheit und Reibungsverlusten im Schulbetrieb“.

Die Politik dränge auf den Vollbetrieb der Schulen, ohne darauf oder auch auf eine etwaige Fortführung des Distanzunterrichts ausreichend vorbereitet zu sein. „Es wird zwar von den Landesregierungen beteuert, dass sie auf alle möglichen Szenarien vorbereitet sind, aber das stimmt nicht“, sagte der Verbandspräsident.

Ein Schulleiter twitterte am 26. Juli: „Noch 3 Tage Schule. Mein Kollegium geht in die Ferien wie in eine Blackbox. Wegen Corona und noch 6 fehlender Lehrerstellen kann ich etlichen derzeit nicht mal sagen, welche Klasse sie dann führen sollen, Geschweige denn ihnen ihr Deputat rechtzeitig sagen können.“

Reguläre Schule nach den Sommerferien? Wegen Corona herrscht Lehrermangel

Baden-Württemberg geht an diesem Donnerstag als letztes Bundesland in die Sommerferien, während in Mecklenburg-Vorpommern am nächsten Montag bereits das neue Schuljahr beginnt. Mehrere andere Bundesländer starten kurze Zeit später. Die Kultusminister der Länder hatten vor dem Sommer vereinbart, im neuen Schuljahr wieder den Regelbetrieb an den Schulen aufzunehmen und dabei auch auf die Abstandsregel zu verzichten - mit der Einschränkung: „sofern es das Infektionsgeschehen zulässt“.

Der Deutsche Lehrerverband sieht den Schulstart trotz Corona nach den Sommerferien 2020 mit großer Skepsis.

Mitte Juli hatten sie dafür ein neues Hygiene-Rahmenkonzept vorgelegt. Meidinger bemängelte, für einen Vollbetrieb ohne Abstandsregeln fehlten die Lehrkräfte. Bildungsgewerkschaften schätzen, dass bis zu 20 Prozent der Lehrer zur Risikogruppe gehören und für den Präsenzunterricht ausfallen könnten.

Schule trotz Corona: Lehrerverband kritisiert Hygieneregeln als „wenig praktikabel“

Auch die Hygieneregeln der Kultusminister der Länder für die Schulen werden als wenig praktikabel kritisiert, beispielsweise die Vorgabe, regelmäßig „intensiv“ stoßzulüften. „An vielen Schulen lassen sich die Fenster in höher gelegenen Klassenräumen aus Sicherheitsgründen nicht oder nur einen Spalt öffnen“, sagte Meidinger.

Zudem sei die Idee fester Lerngruppen vielleicht an Grundschulen umsetzbar, aber kaum an einer gymnasialen Oberstufe mit Kurssystem, wo die Schüler ständig mit anderen Mitschülern zusammen seien. (dpa/frs) *Merkur.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare