Dokument aufgetaucht

Astrazeneca-Verträge mit EU und London wohl fast gleich - wieso die Briten dennoch bevorzugt werden

Eine Frau mit Mund-Nasen-Schutz halt eine Dose mit dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca.
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Südafrika will Berichten zufolge eine Million Dosen des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca zurückgeben. (Symbolbild)

Scheinbar hat Großbritannien keinen besseren Vertrag mit dem Pharmaunternehmen Astrazeneca als die EU. Als Argument gegen Bevorzugung dient das jedoch nicht.

Cambridge - Wurde im Vertrag mit Großbritannien festgelegt, dass das Land bei der Belieferung mit Impfstoffen bevorzugt wird? Neu aufgetauchte Dokumente scheinen dieser These laut CNN zu widersprechen. Zuvor hatte die Vermutung nahe gelegen. Denn während die Impfstoff-Lieferungen in die EU stark verzögert sind, mangelt es Großbritannien derzeit nicht an Impfdosen.  

Pascal Soriot, der Chef des Pharma-Unternehmens Astrazeneca, hatte dies so erklärt, dass Großbritannien den Vertrag bereits früher abgeschlossen habe als die EU. Laut CNN zeigt das nun aufgetauchte Dokument, dass dies nicht der Fall ist. Der Vertrag für die Lieferung des Coronavirus*-Impfstoffs ist auf den 28. August datiert - also einen Tag später als der Vertrag mit der EU.

Corona-Impfstoff: Großbritannien wollte Vertrag mit Astrazeneca nicht herausgeben

Das Dokument hatte sich offenbar seit Ende November teilgeschwärzt und unbemerkt im Internet befunden. Die Britische Regierung hatte dem Sender CNN den Link zugeschickt, nachdem dieser eine Informationsfreiheitsanfrage gestellt hatte. Zuvor hatte die britische Regierung eine Veröffentlichung des Vertrages mehrmals abgelehnt und sogar als „nationales Sicherheitsrisiko“ bezeichnet.

Darüber hinaus zeigt ein Vergleich mit dem EU-Vertrag, dass beide eine „Best Effort”-Klausel beinhalten - das bedeutet, Astrazeneca hat keine verbindlichen Liefertermine bestätigt. Das Unternehmen müsste sich lediglich besten Gewissens bemühen, den Lieferplan für den Impfstoff, der kürzlich aufgrund potenzieller Nebenwirkungen in die Medien geraten* war einzuhalten.

Coronavirus-Impfstoff: Hat Großbritannien ein Vorrecht auf Astrazeneca?

Doch da es sich bei dem nun herausgegeben Dokument um eine geschwärzte Version handelt, ist damit nicht widerlegt, dass Großbritannien sich vertraglich versichern ließ, bei Impfstoff*-Lieferungen bevorzugt zu werden. Laut CNN lehnte Astrazeneca eine Stellungnahme ab.

In einem Interview mit LBC Radio machte der britische Gesundheitsminister Matt Hancock allerdings eine Aussage, die stark nach einer solchen Vereinbarung klingt: „Ich wollte mich nicht mit einem Vertrag zufriedengeben, der es ermöglichte, den Oxford-Impfstoff vor uns an den Rest der Welt zu liefern. Ich bestand darauf, dass wir die gesamte britische Bevölkerung schützen können.“ *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerks.

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