Zu viel Impfstoff vorhanden

„Todsünde“: Tausende Impfdosen landen wohl im Müll - neue Lösung könnte bald helfen

Nach Monaten der Vakzin-Knappheit sind Corona-Impfstoffe in Deutschland nun im Überfluss vorhanden. Doch was passiert mit nicht benötigten Dosen?

München - Deutschland steht in der Corona*-Krise vor einem weiteren Dilemma. Waren die Impfstoffe gegen schwerwiegende Covid-19*-Erkrankungen im ersten Halbjahr noch ein knappes Gut, sind sie mittlerweile im Überfluss vorhanden. Denn die Produktion der Pharmakonzerne hat längst richtig Fahrt aufgenommen, derweil die Impfkampagne hierzulande wohl auch wegen der Urlaubszeit ins Stocken geraten ist.

Diese Gemengelage hat zur Folge, dass Dosen vernichtet werden* müssen. Und das in einer Zeit, in der die ärmeren Länder hinsichtlich der Vakzine beinahe vor dem Nichts stehen. In Afrika etwa gibt es kaum eine Nation, in der schon viel mehr als ein Prozent der Bevölkerung immunisiert ist.

Impfstoffe in Deutschland: Schnelle Immunisierung in anderen Ländern wird auch helfen

Was auch Folgen für das Leben in Deutschland* haben wird, denn Experten wiederholen gebetsmühlenartig: Die Pandemie kann nur auf der ganzen Welt besiegt und beendet werden. Aktuell besteht in vielen Regionen die Gefahr weiterer SARS-CoV-2-Mutationen*, die sich rasch verbreiten könnten.

Es ist also auch im Sinne jedes Bundesbürgers, das in Afghanistan, Nigeria oder Mosambik schnell Impfstoffe zur Verfügung stehen. Weshalb es ja nur logisch erscheint, die hier nicht benötigten Präparate weiterzugeben. Doch das scheint bei all der Bürokratie nicht so einfach möglich zu sein.

Werden kaum noch benötigt: Die Vakzine von Astrazeneca sollen nun gespendet werden.

Impfstoffe in Deutschland: Bund reagierte offenbar nicht auf Hinweis aus Bayern

So wird eine Sprecherin des bayerischen Gesundheitsministeriums im Tagesspiegel zitiert, man habe „den Bund mehrmals auf die Problematik des verfallenden Impfstoffs hingewiesen und darum gebeten, einen Prozess aufzusetzen, um den Verfall von Impfdosen zu verhindern und diesen gegebenenfalls an Drittstaaten abzugeben“. Berlin habe jedoch nicht entsprechend darauf reagiert und offenbar wie so oft in dieser Krise der Dinge geharrt.

Dabei setzte es bereits heftige Kritik an der erzwungenen Entsorgung der Impfstoffe. Michael Theurer, Vizechef der FDP*-Bundestagsfraktion, sprach von einem „Debakel“. Für Saarlands Gesundheitsministerium Monika Bachmann von der CDU* ist es sogar eine „Todsünde“.

Impfstoffe in Deutschland: Bund will nun doch Vakzin-Spenden an andere Länder ermöglichen

Nun scheint sich aber etwas zu regen. Der Bund eröffnet den Ländern die Möglichkeit, „Impfstoffdosen, die in der nationalen Impfkampagne nicht mehr zum Einsatz kommen und deren Lagerhaltung eine Weitergabe an Drittstaaten im Rahmen von Spenden zulassen“.

Gerade das kaum noch verimpfte, weil in Deutschland früh verunglimpfte Präparat von Astrazeneca* wird demnächst auf Reisen gehen. Niedersachsen will 120.400 Dosen an den Bund zurückschicken, Hamburg plant mit rund 60.000, aus der Stadt Berlin kommen 62.400 hinzu. Auch Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Bayern wollen eine Beteiligung zumindest prüfen.

Problematisch könnte die Haltbarkeit werden. So verfallen laut Tagesspiegel alleine in Baden-Württemberg dieser Tage 4000 Dosen. Sie werden wohl entsorgt werden müssen, denn so schnell werden die politischen Mühlen wohl kaum mahlen.

Impfstoff im Überfluss: In Deutschland laufen die Dosen ab - jetzt sollen sie gespendet werden. (Symbolbild)

Impfstoffe in Deutschland: Ab August sollen überflüssige Präparate abgegeben werden

Immerhin kündigt jetzt auch das Bundesgesundheitsministerium* an, bis Jahresende mindestens 30 Millionen Corona-Impfdosen an bedürftige Staaten spenden zu wollen. Neben Astrazeneca werde dabei auch der Wirkstoff von Johnson & Johnson* eine große Rolle spielen. „Die koordinierte Rückführung findet ab August statt“, sagte ein Sprecher laut Tagesspiegel. Es muss jedoch noch ein Vertrag mit den Herstellern und den Spendenempfängern aufgesetzt werden.

Die Bundesregierung wird dabei die Initiative Covax nutzen, die sich um eine weltweit gleichmäßige und gerechte Verteilung der Präparate bemüht. Mindestens 80 Prozent der deutschen Vakzin-Spenden sollen auf diesem Weg übergeben werden.

Die übrigen richten sich an Staaten des Westbalkans, Namibia als ehemaliges deutsches Kolonialgebiet und Staaten der östlichen Partnerschaft, wozu etwa Armenien, Aserbaidschan oder die Ukraine zählen. Es sind weitere wichtige Schritte, um aus dem langen Schatten der Pandemie heraustreten zu können. (mg) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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