Bund-Länder-Treffen am 10. August

Aus für kostenlose Corona-Tests: Schon bald müssen Ungeimpfte selbst zahlen

Aus für kostenlose Corona-Schnelltests! Das Gratis-Angebot ist schon bald Geschichte. Darauf haben sich Bund und Länder beim Corona-Gipfel geeinigt.

Update vom 10. August, 19.34 Uhr: Was schon vorher durchgesickert war, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Pressekonferenz im Anschluss an den Corona-Gipfel von Bund und Ländern bestätigt: Corona-Schnelltests sollen ab dem 11. Oktober nicht mehr kostenlos sein. Das heißt, Ungeimpfte müssen ab dann selbst ihre Tests bezahlen, wenn sie zu Veranstaltungen in Innenräumen wollen. Eine Ausnahme gilt für alle, die nicht geimpft werden können - diese Menschen werden weiter kostenlos getestet. Den 11. Oktober wählte die Runde als Datum, damit jeder noch bis dahin den vollen Impfschutz bekommen kann.

LandDeutschland
KanzlerinAngela Merkel
Bevölkerung83.155.031 (31. Dezember 2020)

Update vom 10. August, 16.09 Uhr: Es ist beschlossene Sache: Beim Corona-Gipfel haben sich Bund und Länder auf ein Ende der kostenlosen Corona-Schnelltests für Bürger geeinigt. Laut übereinstimmenden Medienberichten wird das Gratis-Angebot für alle mit Wirkung vom 11. Oktober beendet. Ausnahmen gelten dann nur für diejenigen, die nicht geimpft werden können oder für die es keine allgemeine Impfempfehlung gibt wie für Schwangere oder Unter-18-Jährige.

[Erstmeldung] Hamm - Testen, testen, testen. Im Frühjahr 2021 hatte die Bundesregierung ein klares Ziel: die Corona-Pandemie mit einer Teststrategie eindämmen. Dafür wurden den Bürgern kostenlose Corona-Schnelltests angeboten. Seit fast einem halben Jahr können sich Bürger in jeder Kommune an mehreren Stellen auf das Virus testen lassen. Das Gratis-Angebot könnte aber schon bald Geschichte sein. (News zum Coronavirus)

Corona-Tests bald kostenpflichtig? Ende der Gratis-Tests vielleicht schon im Herbst

Unter anderem über das Fortsetzen der Teststrategie soll beim Bund-Länder-Treffen am Dienstag (10. August) diskutiert werden. Die Meinungen gehen vor diesem Corona-Gipfel auseinander.

Ins Rollen gebracht hat die Diskussion das Bundesgesundheitsministerium von Minister Jens Spahn (CDU). Er hatte vorgeschlagen, die Corona-Schnelltests ab Oktober 2021 nicht mehr kostenlos anzubieten. Der Grund für genau diesen Zeitpunkt: Es wird davon ausgegangen, dass im Herbst alle Menschen einen Impfschutz haben können, die ihn möchten.

Jens Spahn sagte dazu dem Münchner Merkur: „Ab Mitte Oktober sollten ungeimpfte Erwachsene, die sich hätten impfen lassen können, vor dem Restaurantbesuch für einen Antigen-Schnelltest bezahlen müssen.“ 

Das Ministerium schlägt vor, dass es nur für Menschen, die nicht geimpft werden können oder für die keine allgemeine Impfempfehlung vorliegt wie Schwangere oder unter 18-Jährige, weiterhin kostenlose Corona-Tests geben soll. 

Corona-Tests bald kostenpflichtig? Laut Regierung „angemessener Preis“ für Selbstzahler

Der Bund übernimmt seit März die Kosten für die Bürgertests. Das hat den Staat in diesem Jahr bisher rund 3,7 Milliarden Euro an Steuergeld gekostet, wie das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage der Rheinischen Post mitteilte. Laut Bundesregierung soll nach dem Ende der Gratis-Tests ein „angemessener Preis“ dafür selbst zu zahlen sein. 

Ein positiver Nebeneffekt von kostenpflichtigen Corona-Tests könnte eine steigende Impfbereitschaft sein. So sieht etwa die Bundesapothekerkammer den Vorschlag des Bundesgesundheitsministeriums als Chance, in der Impfkampagne voranzukommen. Die Impfquote für einen vollständigen Schutz lag nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Montag (9. August) zuletzt bei 54,8 Prozent der Bevölkerung.

Auch NRW-Ministerpräsident und Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) ist der Meinung, dass es vom Herbst an keine vom Staat bezahlten Corona-Tests mehr geben sollte. So sieht es auch Vizekanzler und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz (SPD).

Wenig überraschend stößt das Vorhaben aber auch auf Gegenwind. Grünen-Chef Robert Habeck sprach sich im ZDF-Sommerinterview dafür aus, dass Corona-Tests kostenlos bleiben. „Das ist die falsche Maßnahme, die Leute zum Impfen zu motivieren“, so Habeck.

Kostenpflichtige Corona-Tests: Einschränkungen für Ungeimpfte in der Diskussion

Die Diskussion um kostenpflichtige Corona-Tests geht einher mit der Debatte um mögliche Einschränkungen für Ungeimpfte. Auch dies wird ein zentraler Aspekt bei den Bund-Länder-Beratungen am 10. August sein. Sind Corona-Schnelltests nicht mehr kostenlos, werden aber wieder im Herbst/Winter etwa für Restaurantbesuche benötigt, sehen manche Politiker ungeimpfte Menschen vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen.

Dabei wird auch eine „indirekte Impfpflicht“ oder ein „Impfzwang durch die Hintertür“ in den Raum geworfen. Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) sagte der Welt am Sonntag, es werde zu viel über den angeblichen indirekten Impfzwang geredet und zu wenig über die Rechte von Geimpften. „Ich gehe aber davon aus, dass sich das im Herbst von selbst regeln wird, weil Hoteliers, Clubs, Veranstalter sagen werden: ‚Sorry, bei mir kommst du nur mit einem Test nicht mehr rein.‘ Ich glaube, der Druck durch den geimpften Teil der Bevölkerung wird enorm zunehmen.“

Hamburgs Bürgermeister fordert sogar negativen PCR-Test für Ungeimpfte

Die Alternative zu mehr Einschränkungen für Ungeimpfte, wie etwa kostenpflichtige Corona-Tests, wäre vermutlich der Lockdown. Und der würde wieder alle treffen - ob geimpft oder nicht.

Für Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) wäre das nicht vertretbar. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung geht er noch weiter und fordert, Ungeimpfte nur mit negativem PCR-Test Geimpften und Genesenen gleichzustellen. „Antigen-Schnelltests sind nicht zuverlässig genug.“ (mit dpa-Material)

Rubriklistenbild: © Sabine Gudath/Imago

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare