Sonderzulassung von drei Antigen-Selbsttests

Habe ich Corona? Selbsttests für Zuhause demnächst im Handel - Spahn: „Mehr Freiheit“

Mit Corona-Tests für alle soll die Pandemie eingedämmt werden. Drei Selbsttests für Zuhause wurden zugelassen. Kommen bald auch kostenlose Schnelltests in Apotheken? Jens Spahn wehrt sich gegen Kritik.

Berlin - Habe ich Corona? Das soll schon bald jeder selbst zu Hause testen können. In Deutschland sind drei Antigen-Tests zur Eigenanwendung zugelassen worden. Sie sollen in Drogeriemärkten wie dm, Rossmann und Müller sowie bei Discountern und Supermärkten wie Aldi, Lidl, Rewe, Edeka und Kaufland zu kaufen sein. Pläne für kostenlose Corona-Schnelltests in Testzentren, Praxen oder Apotheken liegen dagegen auf Eis - vorerst. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wehrt sich gegen Kritik. (News zum Coronavirus)

PCR-TestWeist Erbgut des Coronavirus nach, Ergebnis frühestens nach 24 Stunden
PCR-SchnelltestWie PCR-Test; Ergebnis schneller, aber weniger zuverlässig
Antigen-TestWeist Proteine aus der Hülle des Coronavirus nach, negatives Ergebnis schließt Infektion nicht aus
Antikörper-TestErfassen nicht das Virus selbst, sondern die Reaktion des Immunsystems auf den Erreger; ungeeignet als Nachweis für akute Infektion

Corona-Schnelltest für Zuhause: Selbsttest bald in Supermärkten zu kaufen

Wann bekommen wir in der Corona-Krise unser normales Leben zurück? Diese Frage beschäftigt die Menschen in Deutschland wenige Tage vor dem nächsten Lockdown-Gipfel von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Länderchefs um NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. Die steigenden Infektionszahlen in Deutschland sind kein gutes Zeichen für schnelle Lockerungen. Die lahmende Impfkampagne ebenfalls nicht.

Schnelltests gelten als wichtiges Mittel zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Bisher sind Schnelltests im Einsatz, für die zumindest eine fachliche Schulung vorgesehen ist. Schon im März könnten Selbsttests auf den Markt kommen, die jeder selbst zu Hause anwenden kann - ganz ohne Gang zum Arzt oder ohne fachliche Anleitung. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stellte der Bevölkerung durch die Ausweitung der Tests wieder mehr Freiheit in Aussicht. Schnell- und Selbsttests würden Schritt für Schritt helfen, „ein Stück mehr Freiheit wieder zu haben“, sagte Spahn am Mittwoch im Bundestag in Berlin.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat am Mittwoch (24. Februar) die ersten drei Sonderzulassungen für Corona-Selbsttests erteilt. Es sind Produkte der Hersteller Healgen Scientific, Xiamen Boson Biotech und Hangzhou Laihe Biotech. Bei allen drei Selbsttests werden die Proben durch einen Abstrich im vorderen Nasenbereich entnommen.

Corona-Selbsttest: Bundesbehörde genehmigt drei Schnelltests für Zuhause

Heißt: Anders als bei einem Test, den medizinisches Personal durchführt, muss das Teststäbchen nicht unangenehm tief in Nase oder Rachen geschoben werden. Die Corona-Selbsttests für Zuhause könne nach den von den Herstellern vorgelegten Studien jeder sicher durchführen, erklärte das Bundesinstitut mit Sitz in Bonn weiter.

Die ab März erwarteten Selbsttests für Laien entsprechen von der Methode her den bisherigen Antigen-Schnelltests: Anhand bestimmter Virusproteine wird über einen Teststreifen wie bei einem Schwangerschaftstest innerhalb weniger Minuten ein Ergebnis nachgewiesen. Die neu zugelassenen Selbsttests sollen laut Jens Spahn ab nächster Woche in Drogeriemärkten wie dm, Rossmann und Müller sowie bei Discountern und Supermärkten wie Aldi, Lidl, Edela, Rewe und Kaufland zu kaufen sein. Nicht gleich nach den Zulassungen der ersten drei Tests würden diese überall verfügbar sein, sagte Spahn.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) setze Hoffnung auf Corona-Tests.

Selbsttests können Sicherheit geben in einer konkreten Situation, wenn es um einen Theaterbesuch oder eine Veranstaltung geht“, sagte Jens Spahn am Mittwoch im Bundestag. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir Tag um Tag, Woche um Woche deutlich mehr Tests zur Verfügung haben.“ Selbsttests, wie auch die angestrebten kostenlosen Schnelltests in Apotheken, sollen ein Stück Normalität zurückgeben, berichtet auch msl24.de*. Denn, so Spahn: „Wir sind pandemiemüde, das Virus ist es aber nicht.“

Jens Spahn zum Corona-Selbsttest für alle: Ab nächster Woche zu kaufen

Beim BfArM waren mit Stand 12. Februar fast 30 Anträge auf eine Sonderzulassung entsprechender Antigen-Selbsttests gestellt worden. Die Anträge werden nach damaligen Angaben mit höchster Priorität geprüft, um solche Test so schnell wie möglich verfügbar zu machen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte im ZDF: „Ich gehe davon aus, dass wir schon nächste Woche weitere genehmigen können, Sonderzulassungen aussprechen können.“ Über die Zulassung der Corona-Selbsttests* berichtet auch Ruhr24.de*.

Schnelltests - egal, ob selbst durchgeführt oder vom Arzt - gelten neben den Impfungen als ein wichtiger Baustein bei der Eindämmung der Corona-Krise. Das Thema hat durch die rasante Ausbreitung der als noch ansteckender geltenden Corona-Mutationen, die zuerst in Großbritannien entdeckt worden war, sowie die erfolgten Öffnungsschritte bei Kitas und Schulen weiter an Bedeutung gewonnen.

Kostenloser Corona-Schnelltest: Entscheidung erst bei Bund-Länder-Beratungen

Die bisher verfügbaren Corona-Schnelltests sind seit dem 2. Februar auch zur Anwendung durch nicht medizinisches Personal nach einer Schulung zugelassen. Gesundheitsminister Jens Spahn hatte zunächst angekündigt, dass ab 1. März das Angebot für alle Bürger kommen soll, sich auch bei weniger spezifischen Corona-Symptomen kostenlos von geschultem Personal mit Schnelltests testen zu lassen - etwa in Testzentren, Praxen oder Apotheken.

Medizinisch geschultes Personal träufelt nach dem Abstrich für einen Corona-Schnelltest in eine Lösung auf die Antigen Testkasette.

Doch Jens Spahn wurde ausgebremst. Über den kostenlosen Schnelltest in Testzentren, Praxen oder Apotheken soll nun aber erst bei den nächsten Bund-Länder-Beratungen zur Corona-Pandemie am 3. März gesprochen werden. Kritik an einer Verzögerung der Einführung von Schnelltests für alle, wie sie in Österreich schon länger üblich sind, wies Spahn zurück. Bei der Zulassung sei es wichtig, dass Studien über die Qualität des Selbsttests vorlägen. „Mir reicht es nicht, wenn der Hersteller einen Text beilegt, auf dem steht: ,Der Test ist gut‘.“

Kostenloser Corona-Schnelltest: Jens Spahn reagiert auf Kritik an Verzögerung

Der Termin Anfang März wäre an sich möglich gewesen, nun habe man sich erst auf eine weitere Koordination mit den Bundesländern geeinigt. „Ich hätte gerne tatsächlich begonnen in der nächsten Woche mit mehr Testen“, betonte Spahn. „Testen ist eine Chance.“ Und die Tests stünden jetzt auch zur Verfügung, das Angebot sei da. Daher sollte schnellstmöglich mehr getestet werden, „auch mit Schnelltests, idealerweise kostenlos angeboten“, erklärte der Minister.

Die Frage, ob Tests kostenlos seien oder bezuschusst würden, äußerte er sich am Mittwoch im Bundestag ausweichend. Ob und in welchem Umfang bezuschusst würde und bei wem, hänge sehr stark von Marktpreisen ab. Bei der Frage nach der Bezuschussung sei ein Unterschied, „ob der Test am Ende 1,99 Euro im Discounter kostet oder 8,99 Euro“, so Spahn. Noch wisse man nicht, wie teuer die bereits zugelassenen Tests im Einzelhandel seien.

Corona-Testverfahren: So unterscheiden sich PCR-, Antigen- und Antikörpertest

Aktuell sind folgende Verfahren bei Corona-Tests etabliert:

  • PCR-Tests: Sie dienen dem direkten Erregernachweis, die Proben werden in Laboren analysiert. Sie gelten als „Goldstandard“.
  • PCR-Schnelltests: Diese Tests nutzen die gleiche Methode wie PCR-Tests, aber deutlich vereinfacht. Daher sind sie etwas ungenauer. Sie können unabhängig von Laboren durchgeführt werden und können deshalb flexibel eingesetzt werden.
  • Antigentests: Sie können den Erreger direkt nachweisen, müssen aber bestimmte Testkriterien erfüllen, um aussagekräftig zu sein.
  • Antikörpertests: Diese Tests weisen vor allem eine abgelaufene Infektion nach, wenn der Körper bereits Antikörper gegen den Erreger gebildet hat. Antikörpertests sagen nichts darüber aus, ob die Betroffenen noch immer infektiös sind, wie lange die Infektion zurückliegt oder ob ein ausreichender Immunschutz gegen eine erneute Infektion vorhanden ist.

*Ruhr24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Jens Büttner / dpa

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