Hohe Kosten, weniger Gewissheit

Corona-Schnelltests in Apotheken für zu Hause: So ist der Plan von Jens Spahn

Bald könnten Corona-Schnelltests in Apotheken verkauft und zu Hause durchgeführt werden. Das ist die Idee von Jens Spahn. Doch wie sinnvoll ist es?

Hamm - Corona-Schnelltests müssen von medizinischem Fachpersonal durchgeführt werden. Doch das könnte sich schon bald ändern. Geht es nach Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), soll in NRW und ganz Deutschland bald jeder einfach von zu Hause einen solchen Schnelltest vornehmen können. Dafür müsste die Medizinprodukte-Abgabeverordnung geändert werden. Doch ist eine Änderung auch wirklich erstrebenswert? (News zum Coronavirus)

BundeslandNordrhein-Westfalen
Fläche34.098 km²
Einwohner17.947.221 (31. Dezember 2019)

Corona-Schnelltests: Freier in Apotheken? Der Plan von Jens Spahn - Tests könnten bis zu 15 Euro kosten

Wie die Rheinische Post berichtet, soll der sogenannte Arztvorbehalt zur Durchführung von Corona-Schnelltests aus der Medizinprodukte-Abgabeverordnung gestrichen werden. „Tests zur Eigenanwendung durch Laien werden perspektivisch eine entscheidende Rolle bei der Eindämmung der Pandemie spielen“, lautet die Begründung in dem Entwurf der Bundesregierung. Für Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und andere Befürworter seien Tests zur Eigenanwendung dann sinnvoll, wenn kein professioneller Anwender vorhanden ist.

Zuletzt wurde es bereits immer mehr Personengruppen aus dem medizinischen Fachpersonal gestattet, Corona-Schnelltests durchzuführen. Auch in Zahnarztpraxen, Apotheken und ambulanten Pflegediensten wurde getestet. Fortan könnte ein Besuch in solchen Einrichtungen nicht mehr notwendig sein, um sich auf Corona testen zu lassen.

Den Plänen zufolge soll jeder Laie einen Test durchführen können. Erste Prognosen besagen, der Test könne zwischen 10 und 15 Euro kosten - damit wäre er zudem deutlich günstiger als der medizinische Schnelltest. Für Bedürftige könnte es zudem Gutscheine geben.

Bis jetzt können Corona-Schnelltests ausschließlich von medizinischem Fachpersonal durchgeführt werden.

Der Apothekerverband Nordrhein befürwortet die Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. „Studien belegen, dass auch Laien gute Testergebnisse erzielen“, betonte Verbandschef Thomas Preis in der Rheinischen Post. Bedenken an der Schnelltest-Durchführung von Laien hatte es zuvor vor allem deshalb gegeben, weil es bei den Testern durch das unangenehme Gefühl des Wattestäbchens in der eigenen Nase eine gewisse Hemmschwelle gebe. Demnach könne der Test fälschlicherweise ein negatives Ergebnis liefern.

Verkauf von Corona-Schnelltests in Apotheken: Spuck- oder Gurgeltest statt Abstrich mit Wattestäbchen

Deshalb soll der Antigen-Schnelltest, der in Apotheken an Laien verkauft werden soll, als Spuck- oder Gurgeltest kommen. Die Handhabung sei Experten zufolge einfacher als bei Abstrichen mit einem Wattestäbchen.

Andere Fachleute warnen jedoch vor den Spucktests. Für ein korrektes Ergebnis werde demnach ein Sekret tief aus den Atemwegen benötigt – das sogenannte Sputum. Unter Umständen sei auch hier eine aufwändige, unangenehme Testung notwendig, da es einen tiefen Auswurf zu produzieren gilt.

Der Hersteller Joinstar, welcher eben solche Spucktests auf den Markt bringt, sieht die Produktion eines solchen „tiefen Rachenspeichels“ weniger problematisch. „Der ist für jeden durch Räuspern, Husten oder Schnäuzen zu erhalten“, betont Vertriebsmanager Jochen Häberle. Zudem habe jener Schnelltest zentrale Vorteile gegenüber Abstrich-Tests: „Er ist bestens geeignet für Kinder, ältere Menschen oder Personen mit Einschränkung“, so Häberle. Der Test löse außerdem keinen Hust- oder Niesreiz aus.

Corona-Schnelltests aus Apotheken kein Ersatz für PCR-Test

Antigen-Schnelltests sind kein Ersatz für einen PCR-Test, sondern nur eine Ergänzung. Während ein negativer Test keine Garantie dafür ist, dass jemand nicht ansteckend ist, muss ein positives Ergebnis bekanntlich durch einen PCR-Test bestätigt werden. Außerhalb der Arztpraxis obliegt die Testung - und der korrekte Umgang mit dem Ergebnis - also noch mehr der eigenen Verantwortung.

In bestimmten Geschäften und Tankstellen waren Schnelltests bereits im Dezember im Verkauf. Allerdings waren sie illegal in den Handel geraten. Damals wurden die Corona-Schnelltests wieder schnell aus dem Verkehr gezogen - mit der Begründung, dass Laien für eine Durchführung eben nicht qualifiziert seien.

Schnelltests sollen grundsätzlich zur Eindämmung des Coronavirus beitragen. Letztlich ist die Massenimpfung jedoch der große Lichtblick in Zeiten der Pandemie. Für Menschen über 80 Jahre, außerhalb von Seniorenheimen, sollen die Impfungen in den Impfzentren schon bald anlaufen. Am Montag startete in NRW die Terminvergabe - allerdings mit Problemen. Die Internetseite war stark überlastet.

Rubriklistenbild: © Frank Molter / dpa

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