Virologe im NDR-Podcast

Corona-Schnelltests: Drosten und Lauterbach warnen vor falschen Schlüssen

Corona-Schnelltests sollen für mehr Sicherheit und Gewissheit in der Pandemie sorgen. Virologe Christian Drosten warnt jetzt jedoch vor falschen Schlüssen.

Hamm - Corona-Schnelltests sind für Politiker von Bund und Länder eine wichtige Säule im Kampf gegen das Coronavirus. Infektionen sollen so schnell erkannt und eine Weiterverbreitung möglichst vermieden werden. Doch jetzt stellen Experten die Wirkung von diesen Tests in Frage. (News zum Coronavirus)

VirologeChristian Drosten
Geboren2. Juni 1972 in Lingen (Ems)
Arbeitgeber Charité – Universitätsmedizin Berlin

Corona-Schnelltests: Christian Drosten und Karl Lauterbach warnen vor falscher Sicherheit

Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité warnt, sich nach einem negativen Corona-Schnelltest zu sehr in Sicherheit zu wiegen. „Es ist nicht alles so simpel, wie das zum Teil in der Politik auch argumentativ verarbeitet wird. So nach dem Motto: Jetzt kann ja alles öffnen, weil wir haben ja jetzt Schnelltests“, sagte der Corona-Experte von am Dienstag im Podcast Coronavirus-Update bei NDR-Info.

Fachleute stellten nach Angaben von Christian Drosten fest, dass es bei diesen Corona-Schnelltests eine Lücke beim Erkennen von Infektionen in der Frühphase gebe, schilderte der Virologe. Noch fehlten zwar Studien dazu. Beobachtet werde aber, dass die Tests nur beim größten Teil der ansteckenden Tage anschlagen: Beim Testen direkt bei Symptombeginn könne der Test jedoch noch negativ ausfallen. Ein Labortest (PCR) hingegen könne im Vergleich schon mehrere Tage vorher eine Ansteckung anzeigen.

Karl Lauterbach bestätigte die Annahme. Christian Drosten habe „leider recht“, schrieb der SPD-Gesundheitsexperte auf Twitter. Gerade am Anfang der Infektion vor Symptomen seien Getestete meist schon ansteckend, der Schnelltest aber noch negativ, mahnte Karl Lauterbach. Das Zeitfenster könne drei Tage betragen. Daher sei der Antigentest „zu unsicher für Lockerungen“ bei einer Inzidenz über 100, so der ‎Epidemiologe.

Christian Drosten mahnt vor falscher Sicherheit bei Corona-Schnelltests - dennoch sind die sinnvoll

Trotzdem hält Christian Drosten den Einsatz von Schnelltests bei Menschen mit Symptomen und die regelmäßige Anwendung zum Beispiel in Schulklassen und am Arbeitsplatz - Unternehmen müssen ihren beschäftigten ab Montag verpflichtend Corona-Tests anbieten - für gerechtfertigt und sinnvoll. Zwar könne eine frische Infektion dann in einzelnen Fällen übersehen werden - aber wenige Tage später falle sie auf.

Bei den Schulen ist Karl Lauterbach der Meinung: Man sollte sie nur öffnen, wenn es die Kombination aus Wechselunterricht plus zwei Tests pro Schüler und Woche gebe - unter Anleitung, wie der Gesundheitsexperte betonte. „Wo das nicht geht, sollte die Schule geschlossen bleiben“, ergänzte er. In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel gilt eine Testpflicht an Schulen, die in der ersten Woche nach den Osterferien aber ohnehin im Distanzunterricht sind.

Bundes-Lockdown geht Christian Drosten nicht weit genug: Virologe plädiert für weitere Regeln

„Nur eine Sache“, erläuterte Christian Drosten weiter, sei eben „etwas gefährlich“: die Vorstellung, nicht ansteckend zu sein, wenn man etwa an der Kasse zu einem Veranstaltungssaal oder an der Pförtnerloge zu einem Behördengebäude den Test mache. Infizierte könnten dann durchrutschen und andere Menschen anstecken.

Die von der Bundesregierung beschlossene bundesweite Corona-Notbremse, die noch durch den Bundesrat muss, gehe Christian Drosten derweil nicht weit genug. Der Virologe ist der Ansicht, dass weitere Maßnahmen nötig sein werden. „Ich denke, dass man anhand der sich jetzt einstellenden Situation in den Krankenhäusern auch noch mal anders reagieren muss“, sagte der Corona-Experte. Dies müsse sicherlich in „allernächster Zeit“ geschehen. „Ich erwarte jetzt nicht ohne weiteres, dass man damit die Situation in der Intensivmedizin kontrollieren kann“, sagte der Corona-Experte mit Blick auf die Entscheidung. (mit dpa-Material)

Rubriklistenbild: © Fabrizio Bensch/dpa

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