Oft falsche Anwendung

Corona-Schnelltests: Positives Ergebnis bei Hälfte der Fälle falsch - warum?

Corona-Schnelltests sind eine wichtige Waffe im Kampf gegen das Virus. Sie sollen eine Infektion frühzeitig erkennen. Die Ergebnisse sind aber oft falsch - positiv und negativ.

Hamm - Testen, testen, testen: Mit Schnelltests soll die Verbreitung des Coronavirus frühzeitig eingedämmt, die Pandemie bezwungen werden. In Deutschland kann sich daher jeder Bürger an Teststationen oder in Apotheken kostenlos auf das Virus testen lassen. Auch das Angebot von Selbsttests für zu Hause wird immer umfangreicher. Doch die Ergebnisse der Corona-Schnelltests sind laut Robert Koch-Institut (RKI) häufig falsch. Das kann bei einem falsch positiven Test ärgerlich sein - und bei einem falsch negativen Test gefährlich. (News zum Coronavirus)

Sars-CoV-2Medizinische Bezeichnung des Virus
Covid-19Bezeichnung für die durch das Virus ausgelöste Krankheit
Coronaviren/CoronaBezeichnung für eine Familie von Erregern. Es gibt unterschiedliche Corona-Stämme

Corona-Schnelltests: Ergebnisse bei Hälfte der Fälle falsch positiv - PCR-Test schafft Klarheit

Auf das positive Ergebnis eines Corona-Schnelltests folgt der viel zuverlässigere PCR-Test. Dieser bestätige in durchschnittlich 50 bis 60 Prozent der Fälle das Schnelltest-Ergebnis, erläutert das RKI. 40 bis 50 Prozent der einen positiven Befund anzeigenden Schnelltests sind also falsch positiv. Das ist ärgerlich, denn die Betroffenen müssen bis zum Ergebnis des PCR-Tests in Quarantäne.

Das RKI stützt sich auf die Ergebnisse einer Sonderbefragung von Laboren. Die Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) nennen ähnliche Zahlen: Ihr Vorstandschef Michael Müller sprach jüngst von einem Anteil von 30 bis 50 Prozent falsch-positiver Schnelltests.

Die Zahl stamme aus ersten Auswertungen einzelner Labore und Meldedaten, teilen die ALM auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Sie schwanke allerdings und sei abhängig von der Qualität der verwendeten Tests und der Proben-Entnahme, von der Testsituation (Testzentrum, Arztpraxis, Apotheke oder Pflegeheim) sowie davon, ob Menschen mit oder ohne Symptome getestet würden. Fakt ist: Relativ viele Menschen stellen sich trotz eines positiven Schnelltests beim genaueren PCR-Test als nicht infiziert heraus.

Corona-Schnelltests: Ergebnisse bei Hälfte der Fälle falsch positiv - warum?

Falsche Ergebnisse bei einem Corona-Schnelltest entstehen laut RKI häufig durch einen Anwendungsfehler: „Wenn vorher gegessen oder getrunken wurde oder die Zähne geputzt wurden.“

Aber auch die zu geringe Spezifität eines Schnelltests könne bei falsch-positiven Ergebnissen das Problem sein, so das RKI. Die Spezifität ist der Wert für die Wahrscheinlichkeit, dass Gesunde auch als gesund erkannt werden. Laut Paul-Ehrlich-Institut müssen Corona-Schnelltests hierzulande eine Spezifität von mehr als 97 Prozent aufweisen. Sprich: 97 von 100 Nichtinfizierten müssen als solche erkannt werden.

Auch die Lagerung der Schnelltests kann das Ergebnis verfälschen. So heißt es in einer Studie, die im „Journal of Virology“ veröffentlicht wurde, dass niedrige Temperaturen die Test-Spezifität begrenzen. Eine erhöhte Temperatur bei der Lagerung beeinflusst wiederum die Sensitivität der Tests bei klinisch relevanten Viruskonzentrationen, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Corona-Schnelltests: „Negatives Testergebnis gibt keine absolute Sicherheit“

Die Sensitivität ist der Wert für die Wahrscheinlichkeit, dass Infizierte auch als infiziert erkannt werden. Hier gibt das Paul-Ehrlich-Institut vor, dass Corona-Schnelltests über eine Sensitivität von mehr als 80 Prozent verfügen müssen.

Und genau hier sieht das Robert-Koch-Institut eine größere Gefahr: wenn Corona-Schnelltests falsch negativ ausfallen. „Es werden immer wieder Infektionsketten bekannt, die auf Treffen zurückgehen, bei denen alle im Schnell- oder Selbsttest zuvor negativ getestet waren. Deshalb ist ganz wichtig: Ein negatives Testergebnis gibt keine absolute Sicherheit.“ (mit dpa-Material)

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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