Strenge Kontaktbeschränkungen

Strengere Corona-Regeln: Lauterbach fordert Kontrollen in privaten Wohnungen - und erntet massiv Kritik

Die Corona-Zahlen steigen, der Lockdown steht im Raum - und mit ihm strenge Kontaktregeln. Die möchte Karl Lauterbach auch im privaten Raum kontrollieren. Auf Twitter ruderte er nach massiver Kritik zurück.

Berlin - Wochenlang wurde angesichts der steigenden Infektionszahlen mit dem Coronavirus über ein Kontaktverbot und einen Lockdown wie im Frühjahr diskutiert. Jetzt stehen bundesweit strenge Corona-Regeln bevor, am Mittwoch (28. Oktober) beraten sich Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder.

LandDeutschland
Bevölkerung83,02 Millionen
HauptstadtBerlin

Strengere Corona-Regeln: Karl Lauterbach fordert Kontrollen in privaten Wohnungen

Schon vor dem Corona-Gipfel war allen klar: Es wird zu drastischen Kontaktbeschränkungen kommen. Der Deutschen Presse-Agentur liegt ein Entwurf der Beschlussvorlage des Bundes vor. Es handelt sich um einen Lockdown light, der ab dem 4. November gelten soll. Darin heißt es, dass sich nur noch Angehörige des eigenen und eines weiteren Hausstandes gemeinsam in der Öffentlichkeit aufhalten dürfen.

Gruppen feiernder Menschen auf öffentlichen Plätzen, in Wohnungen sowie privaten Einrichtungen seien angesichts der ernsten Lage inakzeptabel. In puncto Kontaktbeschränkungen im privaten Raum scheint die Regierung weiterhin nicht eingreifen zu wollen, sondern belässt es bei der dringenden Empfehlung, auch zuhause die Kontaktbeschränkungen einzuhalten.

Karl Lauterbach (SPD) fordert Corona-Kontrollen in Wohnungen: „Befinden uns in einer nationalen Notlage“

Zu dieser Corona-Regel überraschte in der Mittwochsaufgabe der „Rheinischen Post“ eine Aussage des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach: Es forderte Kontrollen in privaten Räumen. „Wir befinden uns in einer nationalen Notlage, die schlimmer als im Frühjahr werden kann“, sagte Lauterbach der Zeitung.

Die Unverletzbarkeit der Wohnung dürfe kein Argument mehr für ausbleibende Kontrollen sein. „Wenn private Feiern in Wohnungen und Häusern die öffentliche Gesundheit und damit die Sicherheit gefährden, müssen die Behörden einschreiten können“, forderte er.

Corona-Kontrollen in Wohnungen? Lauterbach rudert auf Twitter wieder zurück

Bei Twitter hatte Lauterbach am Mittwoch auf Kritik an seiner Forderung reagiert. Natürlich gelte die „Unverletzlichkeit der Wohnung“ nach Artikel 13. Dies stelle er nicht in Frage. „Aber wir dürfen nicht zulassen, dass mit 30 Leuten private Feiern stattfinden, wenn die Kneipen im Shutdown demnächst geschlossen sind“, schreibt der Gesundheitsexperte.

In einem weiteren Tweet unterstrich Lauterbach noch einmal, dass er es ablehne, dass Polizei und Ordnungskräfte Wohnungen kontrollieren. „Die Privatwohnung bleibt voll geschützt. Trotzdem müssen wir an Bürger eindringlich appellieren, jetzt jede private Feier zu vermeiden.“

Christian Lindner kontert bei Twitter: „Maßnahmen schärfer als bei der Terrorismusabwehr“

Ein Konter auf die Forderung von Lauterbach kam unter anderem von Christian Lindner via Twitter. „Die Unverletzlichkeit der Wohnung ist ein Verfassungsgebot“, schrieb der FDP-Politiker. Die Maßnahmen von Lauterbach seien „schärfer als die bei der Terrorismusabwehr“. Das könne er nicht mehr als verhältnismäßig betrachten und sei „mit Sicherheit auch nicht mehr verfassungsgemäß“.

Strengere Corona-Regeln: Lauterbach setzt auf die Rückdeckung der Bevölkerung

Im Kampf gegen die steigenden Infektionszahlen setzt Gesundheitsexperte Lauterbach auf die Rückendeckung der Bevölkerung. „Wir sind ethisch und politisch in der Verantwortung, die breite Bevölkerung zu schützen. Und die meisten Menschen verstehen das und erwarten das auch von der Politik“, sagte der Sozialdemokrat der Deutschen Presse-Agentur.

Schon öfter machte sich Lauterbach für einen zeitlich begrenzte Lockdown stark, wie ihn zuletzt auch Virologe Christian Drosten vorgeschlagen hatte. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur warb er für einen zweiwöchigen „Wellenbrecher-Shutdown“. Dabei gehe es um ein Konzept, „bei dem man über zwei Wochen hinweg mit Ankündigung - in der Regel mit einer Woche Vorlauf - bundesweit Einrichtungen schließt: Restaurants, Bars, Kneipen, alle Kulturstätten, Fitnessstudios, Vereine.

Offen bleiben aber Schulen, Kitas und essenzielle Geschäfte.“ Private Treffen müssten auf ein absolutes Minimum reduziert werden. In Betrieben sollte so viel Homeoffice gemacht werden wie möglich.

NRW-Virologe Hendrik Streeck und andere Kollegen schlagen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie eine andere Strategie vor, berichtet Ruhr24.de*. - *Ruhr24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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