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Pandemieverlauf: Was der Anstieg der Corona-Varianten BA.4 und BA.5 für den Sommer bedeutet

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Von: Sandra Kathe

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Weil viele nach einem positiven Schnelltest keinen PCR-Test machen, rechnet das RKI aktuell mit einer hohen Dunkelziffer.
Weil viele nach einem positiven Schnelltest keinen PCR-Test machen, rechnet das RKI aktuell mit einer hohen Dunkelziffer. (Symbolfoto) © Sebastian Kahnert/dpa

Die neuen Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 könnten den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie prägen und auch im Sommer schon zu steigenden Covid-Zahlen führen.

Berlin – Mit Blick auf aktuelle Fallzahlen sowie die zunehmende Schwere von Covid-Verläufen in Portugal warnen Virologen auch hierzulande davor, die Entwicklungen der Corona-Pandemie zu unterschätzen. Doch auch wenn Vorsicht geboten ist, einen Anlass zur übermäßigen Sorge sehen die meisten Fachleute in Deutschland derzeit nicht.

So registriere das Robert Koch-Institut (RKI) aktuell erneut steigende Inzidenzen und Zehntausende neue Corona-Fälle täglich, am Samstag (11. Juni) waren es 65.337 Fälle, die von den Gesundheitsämtern gemeldet wurden. Die 7-Tage-Inzidenz lag am Samstagmorgen bei 348,9 und damit deutlich über dem Wert vom Freitag (318,7). Da allerdings viele Erkrankte inzwischen auf PCR-Tests verzichteten, rechnen Expertinnen und Experten seit einiger Zeit mit steigenden Dunkelziffern, was darauf hindeutet, dass die tatsächlichen Werte noch höher liegen dürften.

Neue Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 prägen Entwicklung der Corona-Pandemie

Mitverantwortlich für diese Entwicklung seien auch die inzwischen neuesten Varianten des Corona-Virus, zwei Omikron-Varianten, denen die Fachwelt die Bezeichnungen BA.4 und BA.5 gegeben hat. Beide Varianten führen aktuell die Statistiken zu den Wachstumsraten in Deutschland an und könnten laut einer Prognose des RKI auch dazu führen, „dass es auch insgesamt zu einem Anstieg der Infektionszahlen und einem erneut verstärkten Infektionsdruck auf vulnerable Personengruppen schon im Sommer kommen kann“. Gerade im Fall von BA.5 beobachteten Fachleute eine stärkere „Immunflucht“, also die Tendenz, dass wegen neuer Entwicklungen des Viruserbguts auch Geimpfte und Genesene häufiger erkranken.

Die gute Nachricht: Auch wenn es nach Berichten aus Portugal Sorgen vor einer womöglich wieder wachsenden Krankheitsschwere gibt, sieht das RKI dafür bisher keine Belege. Die bisherigen Daten ließen nicht darauf schließen, dass Infektionen mit BA.4 oder BA.5 schwerere Krankheitsverläufe oder anteilig mehr Todesfälle verursachten als die Sublinien BA.1 und BA.2, schrieb das Institut. Diese hatten die vergangenen Wellen verursacht.

Corona-Pandemie: Impfung schützt auch bei BA.4 und BA.5 vor schweren Verläufen

Das bestätigte auch zuletzt der Frankfurter Virologe Martin Stürmer gegenüber dem ZDF. Die aktuellen Zahlen wertet Stürmer zwar als „Wendepunkt“ und die Entwicklung von BA.4 und BA.5 als „Potenzial, nochmal für eine Welle zu sorgen“, betont aber gleichzeitig: „Die Impfung schützt uns auch bei BA.4 und BA.5 vor schweren Verläufen und Todesfolge. Das hat sich nicht geändert“.

Der Lehrerverband warnte unterdessen dennoch vor Nachlässigkeit bei der Vorbereitung auf den Corona-Herbst. Die Politik müsse jetzt handeln, damit man auf alle möglichen Szenarien an den Schulen effektiv reagieren könne, sagte Verbandschef Heinz-Peter Meidinger der „Rheinischen Post“. Eine starke Zunahme von Infektionen bedeute für die Schulen eine individuelle Gesundheitsgefährdung für Schüler und Lehrkräfte und wieder die Gefahr hoher Personalausfälle bis hin zu Unterrichtskürzungen und teilweisen Schließungen. Auch die Chefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern, forderte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Damit es im Herbst nicht erneut zu überhastetem Handeln kommt, müssen jetzt die Vorbereitungen getroffen und die gesetzlichen Grundlagen geschaffen werden.“ (ska mit dpa)

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