Emotionale Abrechnung

Markus Lanz (ZDF): Merkel-Berater zerlegt deutsche Politik - „das ist keine Lösung“

Michael Meyer-Hermann, Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel, rechnet bei Markus Lanz (ZDF) emotional mit der Corona-Politik in Deutschland ab. Seine Vorwürfe.

Hamburg - Die dritte Corona-Welle ist auf dem Höhepunkt. Die täglichen Corona-Zahlen in Deutschland stagnieren auf hohem Niveau. Doch nach Ansicht von Wissenschaftlern gibt es nur einen Weg aus der Pandemie: Die Zahlen müssen runter. Professor Michael Meyer-Hermann, Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Leiter der Abteilung System-Immunologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, hat bei Markus Lanz (ZDF) die deutsche Corona-Politik emotional kritisiert. (News zum Coronavirus)

NameMichael Meyer-Hermann
Geboren1967 in Reinbek
AusbildungGoethe-Universität Frankfurt am Main

Markus Lanz (ZDF): Meyer-Hermann erinnert an folgenschweren Fehler

Der Corona-Politik wirft Meyer-Hermann einen entscheidenden Fehler vor: Anstatt nachhaltig die Infektionszahlen zu senken, orientieren wir uns an Inzidenz-Werte und lockern zu früh. Sein Urteil über das Bundesinfektionsschutzgesetz: „Das Gesetz ist eine Notbremse - es ist keine Lösung“, sagt der Physiker, der seit Beginn der Pandemie viel beachtete Modellrechnungen zur Entwicklung der Pandemie aufgestellt. Im Kern hat Meyer-Hermann immer recht behalten.

Zum Beispiel im Oktober 2020, zu Beginn der zweiten Welle. Hier hat Deutschland den eklatanten Fehler gemacht, unter dem wir seit Monaten leiden. Bundeskanzlerin Angela Merkel gab selbst zu, uns sei hier die Lage entglitten. „Wir haben am 15. Oktober in der Ministerpräsidenten-Konferenz gesagt, wohin der Weg führt“, erinnert Meyer-Herrmann. „Dann machen sie drei Wochen nichts und beschließen dann die Hälfte von dem, was wir vorgeschlagen haben. Das ist doch klar, dass das nicht funktioniert.“ Markus Lanz erinnerte an Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, der sagte, man habe das nicht vorhersehen können. Darauf angesprochen muss Meyer-Hermann lachen. „Was soll ich dazu sagen?

Markus Lanz (ZDF): Meyer-Hermann emotional - „Komme nich dahinter“

Unter den Folgen dieses Fehlers in der Corona-Politik leider wir bis heute. Die Inzidenz-Zahlen, die im Spätsommer 2020 im einstelligen Bereich waren, sprangen im Deutschland-Schnitt auf über 200 und sanken kaum unter 50. Jetzt hat die Politik mit dem Inzidenz-Wert 100 einen Schwellenwert eingeführt, ab dem die „Bundesnotbremse“ greift. Michael Meyer-Hermann kritisiert dies deutlich: „Das ist Jojo. Unter 100 machen wir auf, dann gehen die Zahlen wieder rauf, dann machen wir wieder mehr Druck. Das zieht es ewig in Länge.“

Der Physiker fordert, wir müssen in einen Niedriginzidenz-Bereich kommen und er nennt den Wert 35. „Ob 35 oder 100, das kostet uns das gleiche. Wir brauchen die gleichen Maßnahmen.“ Durch den Schwellenwert 100 habe man keine Vorteile. Im Gegenteil: Es gebe dreimal so viele Tote. „Warum machen wir das?“, fragt Meyer-Hermann. „Ich verstehe es nicht. Ich komme nicht dahinter.“ Der Physiker rechnet mit der Politik ab. „Ich habe das allen gesagt, im Kanzleramt und diversen Ministerpräsidenten.“ Das merkwürdige Phänomen, so Meyer-Hermann: „Jeder versteht es sofort, aber am nächsten Tag sagen sie was anderes.

Markus Lanz (ZDF): Meyer-Hermann macht Vorschlag für Kriterium

Michael Meyer-Hermann fordert daher ein anderes Kriterium in der Corona-Politik. Ein Schwellenwert bei der 7-Tage-Inzidenz sei der falsche Weg. „Kriterium sollte sein, dass wir in einer Woche die Fallzahlen zum Beispiel um 20 Prozent senken. Wenn es weniger sind, dann müssen wir mehr Kontaktbeschränkungen machen“. So käme Deutschland in einen Niedriginzidenzbereich.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte

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