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Kritische Corona-Lage: Lauterbach mit Dringend-Appell und Drei-Punkte-Plan

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Von: Kristina Köller

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Die Corona-Lage ist noch immer kritisch. Gesundheitsminister Karl Lauterbach will angesichts der hohen Zahlen nicht abwarten. Mit drei Punkten will er gegensteuern.

NRW - „Wir haben keine gute Situation. Die Pandemie ist bei weitem nicht vorbei“ - mit diesen mahnenden Worten hat sich Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) bei der Bundespressekonferenz am Freitag, 25. März, an die Öffentlichkeit gewandt. Von einem Freedom-Day könne keine Rede sein. „Wir können nicht abwarten, bis das Wetter in ein paar Wochen besser wird“, so Lauterbach.

LandDeutschland
KanzlerOlaf Scholz
HauptstadtBerlin

Corona-Lage kritisch: Lauterbach mit Drei-Punkte-Plan und Dringend-Appell

Man müsse angesichts von täglich 300.000 Corona-Neuinfektionen und weit höherer Dunkelziffer etwas tun. Lauterbach nannte dafür drei entscheidende Punkte:

Corona-Lage: Lauterbach drängt auf Nutzung der Hotspot-Regelung

Lauterbach forderte die Bundesländer eindringlich dazu auf, die Hotspot-Regelungen zu nutzen, die das neue Infektionsschutzgesetz ermöglicht habe. Als Kriterien zur Beurteilung der Lage müsse die Situation in Krankenhäusern bewertet werden. Wenn die Notfallversorgung nicht mehr darstellbar sei, weil zu viele Covid-Patienten im Krankenhaus lägen oder zu viel Personal infiziert ausfalle, dann sei das ein dringendes Signal. Auch wenn planbare operative Eingriffe abgesagt werden müssten, oder die Personaluntergrenzen unterschritten würden, müsse sofort gehandelt werden.

Insofern appellierte Lauterbach an die Ministerpräsidenten der Länder, die Hotspot-Regeln zu nutzen. „Wir müssen in einigen Regionen nachschärfen. 300 Tote am Tag sind nicht akzeptabel.“

Corona-Lage: Impf-Appell an alle Ungeimpften

Punkt zwei laut Lauterbach: ein Impf-Appell an alle Ungeimpften. „Alle, die ungeimpft sind, müssen damit rechnen, sich in den nächsten Tagen zu infizieren.“ Auch nach einer Erstimpfung nehme das Risiko einer schweren Erkrankung oder eines tödlichen Verlaufs innerhalb von zwei Wochen erheblich ab - manchmal schon nach einer Woche. Deshalb lohne sich eine Impfung auch kurzfristig. „Das Risiko ist für Ungeimpfte ist größer denn je“, so Lauterbach.

Corona: Lauterbach will vierte Impfung weiter voran bringen

Gleichzeitig müsse Lauterbach zufolge offensiver mit der vierten Impfung umgegangen werden - Punkt drei auf der Anliegen-Liste des Gesundheitsministers. Von den 13,5 Millionen Menschen über 70 und jenen mit Immunschwäche, denen die Stiko die vierte Impfung empfehle, seien weniger als zehn Prozent bereits zum vierten Mal geimpft. Deshalb will Lauterbach nach eigenen Worten offensiver für die vierte Impfung werben.

Coronavirus- Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will mit drei Maßnahmen gegen die kritische Corona-Lage entschärfen. Das erklärte er im Rahmen der Bundespressekonferenz. © Kay Nietfeld/dpa

Er sei außerdem auf die Stiko zugegangen, damit auch jene 60- bis 70-Jährigen mit Risikofaktoren von der Empfehlung der vierten Impfung abgedeckt würden. Seine persönliche Einschätzung als Gesundheitsminister sei, dass die Impfung auch für diese Gruppe bereits zumindest zugelassen sei - und das sich auf Grundlage des ärztlichen Ermessens diese Menschen also bereits ein viertes Mal impfen lassen könnten. „Das macht schon eine Woche nach der Impfung einen Unterschied“, betonte der Gesundheitsminister ein weiteres Mal.

„Corona-Pandemie noch nicht vorbei“ - RKI-Präsdident Lothar Wieler mahnt

Auch Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), betonte in der Bundespressekonferenz, dass die Pandemie noch nicht vorbei sei. Es gebe noch immer Landkreise mit einer Inzidenz über 3000. Drei Prozent der Bevölkerung seien innerhalb einer Woche positiv auf Corona getestet worden. In Praxen, Kliniken und Heimen seien bereits Engpässe aufgetreten. Innerhalb einer Woche seien in Deutschland 1000 Menschen als Todesfälle im Zusammenhang mit einer Omikron-Infektion zu verzeichnen. „Das sind Tatsachen.“

Jetzt, wo Maßnahmen gelockert würden, verändere sich laut Wieler das Verhalten der Menschen. Sie schätzten Omikron als nicht so gefährlich ein. Vor allem ungeimpfte Menschen über 60 hätten aber ein erhöhtes Risiko schwer an Omikron zu erkranken.

Corona-Situation weiter kritisch: „Impfung hätte Todesfälle verhindern können“

„Viele Todesfälle hätten durch Impfungen verhindert werden können“, so Wieler. Die Impfung biete in den allermeisten Fällen Schutz vor einer schweren Erkrankung. „Lassen Sie sich impfen, auch im Hinblick darauf, dass es nicht die letzte Welle sein wird. Und auch mit Blick auf Long Covid“, appellierte der RKI-Präsident. Man solle sich auch impfen lassen, wenn man schon infiziert gewesen sei. Man verbessere damit seinen Immunschutz.

Außerdem erinnerte Wieler ausdrücklich an die bekannten Schutzmaßnahmen: Wer Symptome hat, soll zuhause bleiben und niemanden treffen. Abstands- und Hygieneregeln einhalten. Maske tragen. Lüften.

„Hinter den Corona-Zahlen stehen Menschen“ - Dr. Susanne Johna mit drastischen Worten

Das Bild von der Corona-Lage rundete in der Bundespressekonferenz Dr. Susanne Johna, 1. Vorsitzende des Marburger Bundes, mit ihren Schilderungen ab. Sie berichtete drastisch von der Lage in den Krankenhäusern. Immer mehr Kräfte fielen aus, was wiederum mehr Belastung auf den Schultern von weniger Personal bedeute. „Als Ärztin sage ich Ihnen, dass hinter diesen Zahlen Menschen stehen.“ Damit meine sie nicht nur Patienten, die mit einer schweren Infektion kämpften, und Angehörige voller Sorge, sondern auch medizinisches Personal. Ärzte und Pfleger kämpften mit einem riesigen Organisations- und Hygieneaufwand - und das durch dauerhaftes Tragen von Masken und Schutzanzügen unter erheblicher körperlicher Anstrengung.

Ärzte befänden sich seit zwei Jahren im Belastungsmarathon. Und sie seien frustriert, so Johna. Letzteres insbesondere mit Blick auf den Herbst 2022, wenn mit einer weiteren schweren Welle ein Déjà-vu-Erlebnis drohe.

Viele Corona-Infizierte haben sehr lange mit der Erkrankung und positiven Tests zu tun - was zu tun ist, wenn der Test auch nach zehn Tagen Quarantäne noch positiv ist. In manchen Bereichen bekommen Arbeitnehmer im Jahr 2022 einen Corona-Bonus. Haben auch Sie Anspruch auf die Prämie? Was Sie zur Sonderzahlung und zur Frist wissen müssen. - *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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