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Hat die Corona-Inzidenz ausgedient? Auf diesen Faktor kommt es laut RKI jetzt an

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Von: Tobias Hinne-Schneider

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Das Robert-Koch-Institut (RKI) ermittelt die Corona-Zahlen tagesaktuell. Bei der hohen Zahl an Neuinfektionen ist das aber nicht mehr möglich. Was nun wichtig ist.

Hamm - Die 7-Tage-Inzidenz schnellt in Nordrhein-Westfalen in die Höhe. Seit dem 29. Dezember 2021 steigt der Wert kontinuierlich an - mittlerweile knackt er die 1000er-Marke. Aufgrund der hohen Anzahl an Neuinfektionen mit dem Coronavirus können die Gesundheitsämter nicht mehr jeglichen Einzelfall zeitnah erfassen und im Meldesystem eintragen. Das sei in der jetzigen Phase der Pandemie aber auch gar nicht so wichtig, urteilt das Robert-Koch-Institut (RKI), das die Corona-Zahlen bundesweit normalerweise tagesaktuell darstellt. Laut RKI rücken jetzt andere Indikatoren in den Fokus.

Robert-Koch-Institut (RKI)biomedizinische Leitforschungseinrichtung der deutschen Bundesregierung
Gründung1. Juli 1891
BehördenleitungLothar Wieler (Präsident)

Hat die Corona-Inzidenz ausgedient? Auf welche Faktoren es laut RKI jetzt ankommt

Für die Corona-Lagebewertung sei derzeit „nicht die Erfassung aller Infektionen durch Sars-CoV-2, sondern die Entwicklung der Anzahl und Schwere der Erkrankungen“ wichtig. Das geht aus dem Wochenbericht des RKI vom Donnerstag (27. Januar) hervor.

Auch wenn nicht mehr jeder Einzelfall im Meldesystem erfasst wird, ermöglicht die Datenbewertung etablierter, das Meldesystem ergänzender Instrumente eine zuverlässige Einschätzung der Gesamtentwicklung der epidemiologischen Situation von Covid-19 in Deutschland, heißt es darin.

Die Corona-Inzidenz hat ausgedient: Fehlende Laborkapazitäten

Hintergrund der unvollständigen Erfassung der Corona-Neuinfizierten sind nicht fehlende Testmaterialien, sondern unter anderem mangelnde Kapazitäten bei der Auswertung von PCR-Tests in Laboren. Am Donnerstag meldeten die Gesundheitsämter laut RKI mehr als 200.000 neue Corona-Fälle in Deutschland - an nur einem Tag.

Alleine in der vergangenen Woche wurden rund 2,4 Millionen PCR-Tests gemacht, heißt es vom Verband Akkreditierter Labore in der Medizin (ALM), der sich auf die Daten von rund 180 Laboren beruft. Jeder dritte Test war demnach positiv. Die Auslastung der Labore lag durchschnittlich bei 95 Prozent.

Die Corona-Inzidenz hat ausgedient: Krankheitslast ist wichtige Kenngröße

Künftig ist also die Krankheitslast wichtigste Kenngröße in der Pandemie. Konkret weist das RKI darum seit kurzem im Wochenbericht Schätzungen zu Infizierten mit Covid-19-Krankheitssymptomen verschiedener Schwere aus. Damit werden nicht mehr nur Krankenhausaufnahmen berücksichtigt, auch die Häufigkeit von Arztbesuchen wird bewertet.

Für die dritte Woche des Jahres wurde beispielsweise geschätzt, „dass in etwa 1,3 bis 2,3 Prozent der Kinder und Jugendlichen bis 14 Jahre und 0,6 bis 1,3 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren an Covid-19 mit Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung erkrankte“. Diese Angaben speisen sich aus verschiedenen Quellen, etwa aus Angaben aus der Bevölkerung.

Das Robert-Koch-Institut ermittelt die Corona-Zahlen tagesaktuell. Bei der hohen Zahl an ist das Neuinfektionen aber nicht mehr möglich. Das ist jetzt wichtig.
Das Robert-Koch-Institut ermittelt die Corona-Zahlen normalerweise tagesaktuell. Die vielen Neuinfektionen machen das derzeit nicht mehr möglich. © Frank Rumpenhorst/dpa

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