Vermutlich mehr Menschen erstgeimpft

Deutlich höhere Impfquote? Laut RKI Unsicherheit bei Interpretation der Daten

Liegt die Impfquote in Deutschland deutlich höher als gedacht? Das Robert Koch-Institut spricht von einer „gewissen Unsicherheit“ bei der Interpretation der Daten.

Hamm - Das Impf-Tempo ist in den vergangenen Wochen deutlich zurückgegangen. Politik und Wissenschaft bereitet das mit Blick auf die vierte Corona-Welle im Herbst Sorgen. Das Robert Koch-Institut sagt jetzt: Die Impfquoten könnten deutlich höher liegen. Es gebe bei der Interpretation der Daten eine „gewisse Unsicherheit“. (News zum Coronavirus)

BehördeRobert Koch-Institut (RKI)
Gründung1. Juli 1891
AufsichtsbehördeBundesministerium für Gesundheit
HauptsitzBerlin

Deutlich höhere Impfquote? Laut RKI Unsicherheit bei Interpretation der Daten

Was soll das heißen? Laut einem aktuellen RKI-Report hätten mehrere Überlegungen nahegelegt, dass die Meldungen im sogenannten Digitalen Impfquotenmonitoring (DIM) die Impfquoten vermutlich unterschätzen. Vor allem unter jungen Erwachsenen und Erwachsenen im mittleren Alter könnten demnach schon mehr Menschen eine erste Impfung erhalten haben als offiziell verzeichnet.

Das DIM speist sich aus Meldungen von Impfzentren, Krankenhäusern, mobilen Impfteams und mittlerweile auch Betriebsmedizinern, laut RKI fließen zudem Daten der niedergelassenen Ärzte und Privatärzte ein. Zusammen sind sie Grundlage für das sogenannte Impfdashboard. Daneben gibt es noch eine weitere RKI-Erhebung namens Covimo, für die Impfquoten anhand von Befragungen hochgerechnet werden.

Und dabei wurden die Experten jetzt hellhörig. In der jüngsten Covimo-Erhebung (Ende Juni bis Mitte Juli) unter rund 1000 Erwachsenen habe sich eine Diskrepanz zum DIM ergeben. Die Quote der mindestens einmal Geimpften fiel dabei „um einiges höher“ aus, besonders in der Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen.

Während in der Befragung 79 Prozent angaben, geimpft zu sein, waren es laut Meldesystem 59 Prozent. Die Autoren des Reports schreiben, die tatsächliche Impfquote liege voraussichtlich zwischen den Werten beider Quellen.

Deutlich höhere Impfquote? Vermutlich mehr Menschen erstgeimpft als gedacht

Mit Stand 11. August (12.07 Uhr) haben in Deutschland 62,7 Prozent der Gesamtbevölkerung eine erste Dosis der Corona-Impfung erhalten. 55,6 Prozent sind vollständig geimpft. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte im ARD extra nach dem Corona-Gipfel erneut an die Bevölkerung appelliert, sich impfen zu lassen. „Es reicht noch nicht, um sicher durch Herbst und Winter zu kommen“, so Spahn mit Blick auf den Stand der Impfkampagne.

Bei den Impfquoten zu vollständig Geimpften lag laut RKI-Report hingegen kein wesentlicher Unterschied vor. Eine gewisse Untererfassung in solchen Überwachungssystemen gilt für Fachleute auch als erwartbar. Inzwischen ist in den DIM-Daten ein Hinweis zu finden, dass die Impfquoten der mindestens einmal geimpften Erwachsenen nach Altersgruppe „systematisch zu niedrig ausgewiesen“ werden.

Deutlich höhere Impfquote? Laut Befragung 91,6 Prozent impfbereit oder bereits geimpft

Aber wie kommt die Diskrepanz zustande? Das RKI gibt mehrere Erklärungsansätze. Ein Punkt ist die Erfassung der Impfungen mit Johnson & Johnson, bei denen nur eine Dosis für den vollen Schutz vorgesehen ist. Vertragsärzte meldeten diese Immunisierungen ausschließlich als zweite Impfdosen, zudem sei keine Zuordnung von Impfstoff und Altersgruppe möglich, erläutert das RKI.

Im Report heißt es darüber hinaus, dass bisher nur etwa die Hälfte der beim Meldesystem registrierten Betriebsärzte Impfungen über die Webanwendung meldeten. „Dies könnte ein Hinweis auf eine Untererfassung der Impfquoten durch DIM sein.“

Die RKI-Fachleute diskutieren weitere denkbare Einflussfaktoren: etwa potenzielle Verzerrungen in der Befragung, die zu einer Überschätzung der Quote führen könnten. So sei etwa anzunehmen, dass Menschen, die Impfungen befürworten, eher mitmachen als Verweigerer. Auch Menschen ohne ausreichende Deutschkenntnisse hätten nicht an den Interviews teilnehmen können. Für beide Aspekte geben die Autoren aber zu bedenken, dass dann auch bei den vollständig Geimpften eine größere Abweichung zwischen den Quellen hätte auftreten müssen.

In dem Bericht zur Befragung heißt es, dass demnach 91,6 Prozent impfbereit oder bereits geimpft seien. „Die Covid-19-Impfbereitschaft der Bevölkerung liegt auf einem hohen Niveau.“ (dpa)

Rubriklistenbild: © Luise Evers/dpa

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