Landkreis in Thüringen

Hildburghausen mit Inzidenz über 500: Von der Neonazi-Hochburg zum Corona-Hotspot

Hildburghausen in Thüringen ist einer der Corona-Hotspots in Deutschland. Bislang war der Landkreis vor allem wegen seiner rechtsextremen Szene bekannt.

  • Hildburghausen zählt mit einer 7-Tages-Inzidenz von* über 500 zu Deutschlands Corona-Hotspots.
  • Bisher war der Landkreis in Thüringen vor allem für seine rechtsextreme Szene bekannt.
  • Landrat Gerd Müller (CDU) erhielt nach Beschluss von weiteren Einschränkungen eine Morddrohung.

Hildburghausen - Wer am Montagvormittag einen Blick auf das Covid-19-Dashboard des Robert-Koch-Institutes geworfen hat, entdeckte an der bayerisch-thüringischen Grenze einen pinken Fleck. Der Corona-Hotspot Hildburghausen wurde als erster mit der neuen Farbe eingefärbt, mit welcher das RKI Landkreise mit einer 7-Tages-Inzidenz von über 500 Infizierten auf 100.000 Einwohner markiert. Was die Inzidenz angeht, war Hildburghausen in den letzten Tagen deutschlandweiter Spitzenreiter, ehe der thüringische Kreis von der Stadt Passau abgelöst wurde.

Hildburghausen in Thüringen: Vom Neonazi-Hotspot zum Corona-Hotspot

Hildburghausen rückt somit in das Zentrum deutschlandweiter Aufmerksamkeit. Für den 63.197 Einwohner großen Landkreis nichts Ungewohntes, auch wenn man in den letzten Jahren aus anderen Gründen für Schlagzeilen sorgte. Der Landkreis ist berüchtigt für seine rechtsextreme Szene. So pilgern jährlich tausende Rechtsextreme zu Rechtsrock-Konzerten oder Festivals, die unter anderem vom NPD-Politiker Tommy Frenck organisiert werden.

In der vergangenen Woche kam es zu Protesten gegen die Corona-Regeln im Landkreis Hildburghausen.

Frenck, der für die NPD auch in den Kreistag gewählt wurde, betreibt im Landkreis Hildburghausen unter anderem auch ein Gasthaus, das immer wieder durch geschmacklose Promo-Aktionen für Schlagzeilen sorgte. So verkauft der 33-Jährige am Geburtstag von Adolf Hitler das Schnitzel für 8,88 Euro. Die 88 ist wie die 18 in der Neonazi-Szene ein beliebtes Symbol.

Coronavirus in Deutschland: Hunderte Menschen demonstrieren in Hildburghausen gegen Einschränkungen

Steht die rechte Szene in Hildburghausen also auch in Verbindung mit den Ereignissen am Mittwoch, als sich trotz rasant steigender Infektionszahlen rund 400 Menschen auf dem Marktplatz trafen und ohne Maske und Abstand gegen die coronabedingten Einschränkungen* demonstrierten? Tommy Frenck gab auf Nachfrage der Bild bekannt, an der Organisation der Demonstration nicht beteiligt gewesen zu sein. Berichten von bild.de zu Folge kommentierte er aber ein Video der Demonstration mit den Worten „Hildburghausen zeigt, wie‘s geht.“

Der Landrat von Hildburghausen Thomas Müller von der CDU zeigt sich ratlos, über die Entwicklungen in seinem Landkreis. „Unser Kreis war der letzte coronafreie in Deutschland. Wir hatten bis Mitte Oktober nur 100 Infizierte. Doch vor vier Wochen stieg die Zahl massiv an – heute haben wir über 1000“, so der Politiker im Gespräch mit der Bild am Sonntag.

Hildburghausen: Wegen Corona-Einschränkungen - Landrat erhält Morddrohung

Ob der enorme Anstieg an Infizierten damit zusammenhängt, dass Teile der Bevölkerung die Maßnahmen nicht ernst nehmen und als Unterdrückung der Regierung ansehen, möchte Müller nicht beurteilen. „Ich kann es nicht wirklich sagen. Einige Menschen infizierten sich auf Hochzeiten oder Partys, steckten dann andere an. Vielleicht nahmen wir Corona* zu locker.“ Der CDU-Politiker steht zurzeit unter Polizeischutz, nachdem er über die sozialen Medien eine Morddrohung erhalten hatte. Ein Mann schrieb, ich soll mich mit einem Strick ‚weghängen‘. Und eine Frau empfahl, man solle mir dabei helfen.“

Gerd Müller ordnete am Wochenende weitere Einschränkungen für den Landkreis an. Das nahmen erneut mehrere Gegner der Maßnahmen zum Anlass, um zu weiteren Kundgebungen und Demonstrationen aufzurufen. (fd) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Steffen Ittig/dpa

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