Klaus Stöhr für Lockerungen

Vor Corona-Gipfel: Virologe zweifelt Deutschlands Lockdown-Weg an

Bund und Länder wollen beim Corona-Gipfel den Lockdown verlängern und über Öffnungen diskutieren. Virologe Klaus Stöhr kritisiert den deutschen Weg in der Pandemie.

Hamm - Wann ist der Lockdown in Deutschland endlich zu Ende? Die Bürger in Deutschland warten sehnsüchtig auf Lockerungen und eine andere Strategie zur Bekämpfung des Coronavirus als der aktuellen strengen. (News zum Coronavirus)

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Virologe Klaus Stöhr kritisiert vor Corona-Gipfel: Deutschland geht mit Lockdown den falschen Weg

Doch vor dem Corona-Gipfel von Bund und Ländern spricht derzeit weniger für gelockerte Regeln, da die Corona-Zahlen in Deutschland wieder steigen - wenn auch nur leicht.

Es wird also ein hartes Ringen um den weiteren Kurs, wenn sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länderchefs um NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Mittwoch beraten.

Zuletzt hatte sich die Runde darauf geeinigt, dass es erst bei höchstens 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen mehr Freiheiten geben sollte. Doch kurz darauf begann dieser Wert mit dem Vormarsch der ansteckenderen britischen Virus-Mutation aber wieder zu steigen. Am Dienstagmorgen lag die Inzidenz laut Robert Koch-Institut bundesweit bei 65,4.  

Virologe verweist auf pragmatischen Corona-Kurs in Frankreich: Geschäfte trotz hoher Inzidenz geöffnet

Für Experten ist daher klar. Es müssen (auch) andere Werte her. Virologe und Epidemiologe Klaus Stöhr meint daher: Es sollte schon jetzt zu Lockerungen des Lockdowns kommen.

„Andere Länder gehen da ganz pragmatischer vor. In Frankreich kann man gut mit einer Inzidenz von 100 bis 150 leben, ohne dass es dort dramatische Ausreißer nach oben oder nach unten gibt“, sagte Klaus Stöhr im Interview mit WDR5.

Tatsächlich hatte Premierminister Jean Castex erst jüngst betont, dass ein Lockdown mit geschlossenen Schulen und Geschäften - ausgenommen sind große Shopping-Malls - nur der allerletzte Ausweg sein könne. Am 2. März lag die Inzidenz in Frankreich sogar bei 231,4.

Klaus Stöhr: „Andere Länder haben ein ganz anderes Risiko-Bewusstsein als Deutschland“

Klaus Stöhr verwies dabei auch auf die Schweiz oder Österreich, wo etwa die Geschäfte (wieder) geöffnet seien. „Andere Länder haben ein ganz anderes Risiko-Bewusstsein als Deutschland“, merkte der Virologe an. All das funktioniere auch mit den entsprechenden Hygiene-Konzepten, die hierzulande vor dem Lockdown auch erarbeitet wurden.

Daher kritisierte der Experte: „Deutschland geht ja seinen eigenen Weg - und ich weiß nicht, ob das der richtige Weg für alle ist.“ Das Ganze habe auch nichts mit Hinnehmen der Situation zu tun. Das sei nicht der richtige Ausdruck, sagte Klaus Stöhr: „So eine Pandemie ist ein Natur-Ereignis. Wir müssen abwägen, was für uns richtig oder falsch ist.“

Doch was ist aktuell richtig oder falsch mit Blick auf den Corona-Gipfel am Mittwoch - eine Lockdown-Verlängerung, die sich im Vorfeld der Bund-Länder-Beratungen abzeichnet, oder Lockerungen und Öffnungen? Klaus Stöhr verwies auf Stufenpläne, die das Risiko kategorisieren.

Rat für Corona-Gipfel: Keine Lockerungen für Gastronomie - aber für den Einzelhandel

„Ein hohes Risiko wäre sicherlich, wenn man innerhalb von Restaurants isst - das sollte man auf keinen Fall zulassen“, meinte der Virologe. Aber „jetzt kann man den Einzelhandel öffnen mit guten Hygiene-Konzepten und flankierenden Schnelltests“.

Wichtig seien nach wie vor die AHA-Regeln und dass sich die Menschen - besonders an Arbeitsplätzen -, an die Hygienevorschriften halten, „damit es nicht zu einer massenhaften Verbreitung kommt“, so Klaus Stöhr.

In Nordrhein-Westfalen hat die FDP bereits einen konkreten Zeitplan für Öffnungen vorgelegt. Ähnlich argumentierte ein anderer Politiker. NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart dringt auf Öffnungen und Lockerungen - nicht nur für den Einzelhandel.

Rubriklistenbild: © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

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