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Corona-Expertenrat: Strenge Regeln im Herbst und Winter nicht ausgeschlossen

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Von: Marcel Guboff

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Ein Schild mit der Aufschrift «Folgende Maßnahmen empfehlen wir weiterhin: Mund-Nasen-Schutz tragen - 1,5 Meter Abstand halten» hängt am Eingang eines Geschäfts in der Innenstadt.
Corona-Expertenrat mit klaren Empfehlungen für Regeln im Herbst und Winter © Peter Kneffel/dpa

Der Corona-Expertenrat warnt vor einer Corona-Welle und schlägt neue Regeln vor. Karl Lauterbach sieht das als Grundlage für die Pandemie-Bekämpfung im Herbst.

Hamm - Aktuell wirkt die Corona-Lage in Nordrhein-Westfalen und ganz Deutschland stabil. Noch. Aber Experten fürchten eine neue Welle spätestens im Herbst. Und anders als in den ersten Jahren der Pandemie, soll es möglichst schon jetzt einen Plan geben, mit welchen Mitteln und Regeln Corona dann bekämpft werden soll.

LandDeutschland
KanzlerOlaf Scholz
HauptstadtBerlin

Corona-Expertenrat mit klaren Empfehlungen für Regeln im Herbst und Winter

Nachdem zuletzt bereits Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) erklärt hatte, dass sich Deutschland mit einem neuen Plan gegen die nächste Corona-Welle rüsten will und muss, hat nun der Expertenrat der Bundesregierung nachgelegt und seine Stellungnahmen über nötige Vorbereitung vorgelegt.

So drängt auch das Gremium Bund und Länder dazu, sich früh und umfassend auf die Bekämpfung neuer Infektionswellen im Herbst und Winter vorzubereiten. „Eine vorausschauende Vorbereitung mit kurzen Reaktionszeiten auf veränderte Infektionslagen reduziert die pandemiebedingten (Sekundär-) Schäden und hat die höchste Effektivität, um die Morbidität und Mortalität zu verringern“, heißt es in einer am Mittwoch (8. Juni) veröffentlichten Stellungnahme des Corona-Expertenrates.

Weiter schreiben die Experten: „Daher sollten alle präventiven, therapeutischen und anderen Maßnahmen auf den Beginn einer erneuten Infektionswelle im Herbst gerichtet sein, um diese möglichst frühzeitig zu dämpfen.“ Vor allem, wenn eine Überlastung des Gesundheitswesens drohe und eine neue besorgniserregende Virusvariante auftrete, sei eine schnelle Reaktion notwendig.

Corona-Expertenrat: Welle im Herbst könnten Maskenpflicht und Abstandsgebote nötig machen

Genau dies sei ein ungünstiges Szenario: eine neue Virusvariante mit einer Kombination verstärkter Übertragbarkeit und erhöhter Krankheitsschwere. Die Wissenschaftler halten dies aber für möglich. Dies könne wieder allgemeine Schutzmaßnahmen und Regeln wie Maskenpflicht und Abstandsgebote nötig machen. Diese könnten dann erst gegen Frühjahr 2023 wieder zurückgefahren werden könnten. Doch auch ein günstiges Szenario und ein Basisszenario mit weniger gravierenden Auswirkungen hält der Corona-Expertenrat der Bundesregierung für möglich.

Ungünstigen Szenarien halten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit einer neuen Virusvariante mit einer Kombination verstärkter Übertragbarkeit und erhöhter Krankheitsschwere für möglich. Dies könne wieder allgemeine Schutzmaßnahmen wie Maskenpflicht und Abstandsgebote nötig machen, die dann erst gegen Frühjahr 2023 zurückgefahren werden könnten. Doch auch ein günstiges Szenario und ein Basisszenario mit weniger gravierenden Auswirkungen hält das Gremium für möglich.

Eine vorübergehende Maskenpflicht „kann ein wirksames und schnelles Instrument zur Infektionskontrolle darstellen“, führt das Gremium aus. „Sie bietet vor allem in Innenräumen den höchsten Selbst- und Fremdschutz bei geringer individueller Einschränkung und ist unmittelbar einsetzbar.“

Corona-Expertenrat regt Abstimmung zwischen Bund und Ländern an

Generell nötig sei die „Etablierung einer handlungs- und nutzerorientierten, zwischen Bund und Ländern abgestimmten Kommunikations- und Verhaltensmanagementstrategie, die auch eine Intensivierung der Impfkampagne umfasst, insbesondere unter Berücksichtigung niederschwellig agierender, aufsuchender Impfteams und Impfzentren sowie einer Aufklärungskampagne für alle Personen ab fünf Jahren“, schreiben die Experten. Dazu gehöre auch die „Kommunikation der Bewertung des Echtzeitlagebildes im Sinne einer Risikoeinstufung für die Bevölkerung, zum Beispiel in einem Ampelsystem“.

Zu Kindern und Jugendlichen erklärt das 19-köpfige Gremium, die „Sicherung der sozialen Teilhabe durch Schul- und Kitabesuch sowie sportliche und kulturelle Aktivitäten muss weiterhin höchste Priorität genießen; dies gilt für Kinder und Jugendliche mit und ohne Vorerkrankungen gleichermaßen, muss aber Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen besonders berücksichtigen.“

Notwendig sei eine Strategie „zur Planung von Unterrichts-, Organisations- und Betreuungsformen in Schulen und Kitas unter Pandemiebedingungen“. Die Testung von Kindern und Jugendlichen solle „auf symptomatische Fälle“ beschränkt und nur bei akuten Ausbrüchen sowie dem Auftreten gefährlicher Virusvarianten ausgeweitet werden. 

Der Corona-Expertenrat wolle damit jedoch keine dramatischen Bilder und Sorgen erzeugen, betonte der Ratsvorsitzende Heyo Kroemer. Die Stellungnahme sei der „sachliche Versuch“, das mögliche pandemische Geschehen zu beleuchten und bereits zeitnah Empfehlungen für Regeln zu geben. „Die Pandemie ist definitiv nicht vorbei“, erklärte der Vorstandsvorsitzender der Berliner Charité. Niemand wisse, was im Herbst und Winter passieren werde. Deshalb habe der Rat die drei Szenarien aufgestellt. Alle 19 Mitglieder hätten der elften Stellungnahme nach einer intensiven Diskussion zugestimmt.

Corona-Regeln: Karl Lauterbach sieht Gutachten als Basis für Pandemie-Bekämpfung

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will die vom Corona-Expertenrat vorgelegte Stellungnahme zur Grundlage für die Pandemie-Bekämpfung im Herbst machen. Das Gutachten werde „maßgeblich für unsere Pandemiebekämpfung im Herbst“, so Lauterbach. „Wir werden dieses Gutachten auswerten und auf Grundlage des Gutachtens zeitnah zu Empfehlungen kommen, mit denen wir den Herbst vorbereiten.“

Lauterbach zeigte sich beunruhigt wegen der Zunahme der Infektionsfälle der BA.5-Omikron-Variante. „Wir wissen noch nicht, ob es eine Corona-Welle im Sommer geben wird“, sagte er. Schwieriger werde es aber im Herbst. „Da brauchen wir einen Instrumentenkasten.“ (mg/afp/dpa)

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