Einsatz erstmals in der EU

Deutschland investiert Millionen in Antikörper-Medikament: Trump schwor darauf - Virologin warnt

Deutschland investiert Millionen in ein Corona-Antikörper-Medikament. Bereits Ex-US-Präsident Donald Trump schwor darauf. Eine Virologin warnt vor falschen Schlüssen.

Hamm - Der Kampf gegen des Coronavirus in Deutschland ist ein langer - wenn auch kein hoffnungsloser. Nach diversen und immer wieder verschärften Corona-Regeln und die Hoffnung auf eine möglichst schnelle Verabreichung des Impfstoffes setzt die Bundesregierung nun eine weitere Komponente: Antikörper-Medikamente. (News zum Coronavirus)

BehördeBundesministerium für Gesundheit
Gründung1961
HauptsitzBonn (Nordrhein-Westfalen)
BehördenleitungJens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit
Bediensteteca. 700

Deutschland kauft Corona-Antikörper-Medikament für 400 Millionen Euro - Donald Trump schwört darauf

Das Bundesgesundheitsministerium investiert jetzt 400 Millionen Euro in neue Corona-Medikamente. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kündigte via Bild am Sonntag an: „Ab nächster Woche werden die monoklonalen Antikörper in Deutschland als erstem Land in der EU eingesetzt - zunächst in Uni-Kliniken.“

Weiter erklärte Jens Spahn: „Die Gabe dieser Antikörper kann Risiko-Patienten in der Frühphase helfen, dass ein schwerer Verlauf verhindert wird.“

Eine Anwendung des Antikörper-Medikamentes im Kampf gegen Corona erfolge nach individueller Nutzen-Risiko-Abschätzung der behandelnden Ärzte, wie das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) mitteilte.

Deutschland kauft Corona-Medikament: Donald Trump schwört auf „Antikörper-Cocktail“

Über das Corona-Antikörper-Medikament wurde seinerzeit viel berichtet, weil der mittlerweile ehemalige US-Präsident Donald Trump sich im Oktober mit dem Antikörper-Cocktail von Regeneron behandelt wurde, nachdem dieser sich mit dem Coronavirus infiziert hatte.

Donald Trump pries dieses Corona-Medikament als „Wunder“ und „Heilmittel“ an. In den USA gibt es für diese Arzneimittel eine Notfallzulassung der Arzneimittelbehörde FDA, in der Europäischen Union (EU) sind sie bisher jedoch nicht zugelassen.

Den Angaben zufolge hat sich das Bundesgesundheitsministerium Kontingente von zwei der sogenannten monoklonalen antikörperhaltigen Arzneimittel gesichert. Zum einen handele es sich um den Antikörper Bamlanivimab, der vom US-Pharmaunternehmen Eli Lilly entwickelt wird, zum anderen um die beiden gleichzeitig zu verabreichenden Antikörper Casirivimab/Imdevimab des US-Herstellers Regeneron.

Lob für Kauf von Corona-Antikörper-Medikament auch von SPD, Grüne und FDP

Zur Erklärung: Monoklonale Antikörper werden im Labor hergestellt und sollen das Virus nach einer Infektion außer Gefecht setzen. Monoklonal bedeutet, dass die eingesetzten Antikörper alle gleich sind und das Virus an einem fest definierten Ziel angreifen. Wie die Corona-Medikamente mit künstlichen Antikörpern wirken, erklärt fr.de*.

Das Biotechnologie-Unternehmen Regeron stellt einen experimentellen Antikörper-Cocktail gegen Covid-19 her.

Doch wie hilfreich ist das Antikörper-Medikament tatsächlich gegen Corona? Eine Ministeriumssprecherin teilte mit: „Nach vorliegender Studienlage könnte die Medikation möglicherweise dabei helfen, die Virusmenge im Körper zu begrenzen und so einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben.“

Auch Gesundheitsexperten von SPD, FDP und Grünen begrüßten den Kauf des Corona-Antikörper-Medikamentes als sinnvollen Schritt. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte den Partnerzeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft, dass sich die Studienlage in die Richtung bewege, dass sich der Krankheitsverlauf damit positiv beeinflussen lasse: „Wegen der hohen Kosten dieser Medikamente hätten die Kliniken diese Versorgung wahrscheinlich nicht angekauft. Ich begrüße die Aktion also.“

Corona: Antikörper-Medikament laut Virologin kein Heilsbringer

Allzu große Hoffnungen sollte aber niemand nach dem Kauf des Anti-Corona-Medikamentes hegen. Zwar seien die Daten aus den USA vielversprechend, aber „in der Experten-Gemeinschaft geht keiner davon aus, dass dies das Medikament ist, das in der Pandemie jetzt den Schalter umlegt, also dass es der Heilsbringer oder das heilsbringende Medikament ist“, erklärte Hamburger Virologin Marylyn Addo am Sonntagabend in den Tagesthemen der ARD.

Weiter erklärte die Leiterin der Infektiologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE): „Es ist angekündigt, dass die Medikamente in den nächsten Wochen im UKE ankommen werden. Wie viele Dosen und wann genau, ist bislang noch unklar.“ Verabreicht solle es Patienten mit milden oder moderaten Corona-Symptomen, die Risikofaktoren für einen schweren Verlauf haben. Für bereits beatmete Intensivpatienten ist das Medikament Addo zufolge nicht geeignet.

Jens Spahn hatte neben dem Antikörper-Medikament auch angekündigt, dass es Corona-Schnelltests in Apotheken geben soll. Doch die haben ihren Preis. (mit dpa-Material) *fr.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

 

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Regeneron Pharmaceuticals Inc

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