Neuanfang in der CDU

Spielt Laschet den letzten Trumpf: Nach Rücktrittsankündigung geht es um Nachfolge

Er ist der große Verlierer der Bundestagswahl. Jetzt will Armin Laschet (CDU) seinen Rücktritt moderieren und seine Nachfolge selber regeln. Es gibt Kandidaten.

Hamm - Während sich SPD, Grüne und FDP zu Sondierungsgesprächen für eine neue Bundesregierung für Deutschland treffen, bleibt der CDU nur die Zuschauerrolle. Nach der Bundestagswahl-Schlappe - die CDU stürzte historisch auf 24 Prozent - hat die Partei mit inneren Unruhen und einer Personaldebatte zu kämpfen. Im Mittelpunkt der Kritik: Unionskanzlerkandidat Armin Laschet.

Name Armin Laschet
Geboren18. Februar 1961 in Aachen (NRW)
ParteiCDU

Der CDU-Chef hat jetzt die Bereitschaft gezeigt, perspektivisch auf den Parteivorsitz zu verzichten. Das sieht auch die Bonner Politologin Julia Reuschenbach so. Sie sagte WDR 5: Laschets überraschende Äußerung vom Donnerstag (7. Oktober) sei als „Rücktrittsankündigung“ zu werten. „An der Person wird es nicht scheitern“, hatte Laschet nach einer Konferenz mit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gesagt - mit Blick auf ein mögliches Jamaika-Bündnis. Doch Jamaika scheint weit entfernt.

Spielt Laschet den letzten Trumpf: Nach Rücktrittsankündigung geht es um Nachfolge

Er versuche „gesichtswahrend“ das Heft des Handelns in der Hand zu behalten. „Er unternimmt auch den Versuch, seine Nachfolge selbst zu regeln“, sagte Politologin Reuschenbach. Das sei ein ähnliches Vorgehen wie in NRW. Dort hatte Laschet Verkehrsminister Hendrik Wüst für die Nachfolge vorgeschlagen. Wüst soll Laschet als Regierungschef und CDU-Landesvorsitzender ablösen. Schon vor der Bundestagswahl hatte Laschet angekündigt, nicht wieder nach NRW zurückzukehren.

Laschet will den CDU-Spitzengremien einen Parteitag zur personellen Neuaufstellung vorschlagen. Diesen Prozess will er moderieren - als CDU-Chef in einer guten Position.

Julia Reuschenbach ist skeptisch. Die Politologin meinte, es sei aber etwas anderes, ob es um Ämter in NRW gehe oder um den CDU-Bundesvorsitz und eine mögliche „Oppositionsführerschaft“ im Bund. Laschet kritisierte am Donnerstag den Zustand seiner Partei. Seit dem Rückzug Angela Merkels als Vorsitzende im Jahr 2018 habe man „eine andauernde Personaldebatte erlebt“. Er wolle jetzt einen „Weg des Konsens“.

Armin Laschet (CDU): Mehrere Nachfolger-Kandidaten nach Rücktrittsankündigung

Sie mache seit Jahren einen zerstrittenen Eindruck, fällt Politologin Reuschenbach ein hartes Urteil über die CDU. Es sei versäumt worden, unterschiedliche Richtungen wie Konservatismus und Wirtschaftsliberalismus zu verbinden.

Armin Laschet bereitet seinen Rückzug vor. Bei seiner Nachfolge will

Wer wird Armin Laschet im Bund folgen? Der ehemalige Unionsfraktionschef Friedrich Merz scheint nicht abgeneigt. „Ob ich nochmal für den Parteivorsitz kandidiere oder nicht, das ist eine Frage, mit der ich mich nicht abschließend beschäftigt habe“, sagte er am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“. Nur eine erneute Kampfabstimmung schloss Merz aus. Gegen Annegret Kramp-Karrenbauer (2018) und Armin Laschet (2021) unterlag er.

Laschet-Nachfolge: Junge Kandidaten auf der Liste

Andere potenzielle Kandidaten als Parteichef dürften Gesundheitsminister Jens Spahn oder Fraktionschef Ralph Brinkhaus sein. Auch Außenexperte Norbert Röttgen dürfte nach seiner Niederlage gegen Laschet wieder ein Kandidat sein. Strebt die Partei eine deutliche Verjüngung an, dürften auch Michael Kretschmer, Sachsens Ministerpräsident, oder Daniel Günther, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, in den Fokus rücken - beide sind noch keine 50 Jahre alt.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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