Interview

NRW-Fraktionschef Christof Rasche: An FDP-Basis deutliche Mehrheit für Jamaika

Nach der Bundestagswahl wirbt der FDP-Fraktionschef in NRW, Christof Rasche, für eine Koalition mit der CDU und denkt an eigenen Spitzenkandidaten 2022.

Düsseldorf – Christof Rasche ist nicht nur Chef der FDP-Fraktion im NRW-Landtag, sondern auch Mitglied im Bundesvorstand seiner Partei. Wir sprachen mit dem 59-Jährigen aus Erwitte über die Bedeutung der Bundestagswahl* und das Ergebnis von CDU-Spitzenkandidat Armin Laschet*.

Name Christof Rasche
ParteiFDP
Geboren4. Juni 1962 in Erwitte

Christof Rasche (FDP): An Basis deutliche Mehrheit für Jamaika

Die FDP liegt vor der AfD, aber hinter den Grünen. Wie zufrieden sind Sie?
Vor acht Jahren waren wir mit unter fünf Prozent eigentlich schon totgesagt. Jetzt sind wir zum zweiten Mal in Folge zweistellig – mit einem der besten Ergebnisse unserer Geschichte. Ich habe großen Respekt vor der Leistung von Christian Lindner. Was er geleistet hat, war fast schon unmenschlich. Manche in der Partei, auch ich, hatten sich noch mehr erhofft. 12 bis 13 Prozent wären möglich gewesen. Aber ich bin letztlich sehr zufrieden.
Ampel oder Jamaika? Was will die FDP in NRW?
Wir haben in Nordrhein-Westfalen eine sehr gute Koalition mit der CDU. Dieses Bündnis ergänzt mit den Kollegen der Grünen wäre in Berlin wahrscheinlich eine Konstellation, die in der Lage ist, Deutschland neu zu gestalten. An unserer Basis in NRW ist eine deutliche Mehrheit für Jamaika.
Die CDU hat deutlich verloren, die SPD liegt vorne und laut Umfragen wollen die Menschen Olaf Scholz und nicht Armin Laschet als Kanzler. Muss die FDP sich nicht entsprechend verhalten?
Es ist eine schwierige Situation. Weder CDU noch SPD haben ein herausragendes Ergebnis. Es geht jetzt um Inhalte und ein faires und verlässliches Miteinander. Der nächste Kanzler muss in der Lage sein, Deutschland zu modernisieren. Ich traue – Stand jetzt – Armin Laschet eher als Olaf Scholz zu, für eine Aufbruchstimmung zu sorgen. Ich habe da aber keine abschließende Meinung, das werden die Gespräche zeigen. Klar ist: Die Bedeutung der Rolle von FDP und Grünen wird in welcher Koalition auch immer extrem zunehmen.
Armin Laschet sieht seinen Platz in Berlin. Welche Bedingungen stellt die FDP-Fraktion an einen neuen Ministerpräsidenten der CDU?
Der Ball liegt im Feld der CDU. Unsere Erwartung an die Partei ist, dass sie eine geeignete Persönlichkeit vorschlägt. Ich würde es begrüßen. wenn dies möglichst schnell passiert. Wir haben in der Koalition trotz nur einer Stimme Mehrheit im Landtag alle Herausforderungen bislang gut gemeistert.

Christof Rasche (FDP): Die CDU in NRW muss sich aufstellen

SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty fordert eine Neuwahl des Ministerpräsidenten im Landtag bereits Anfang Oktober.
Damit erzeugt er nicht den Eindruck, dass es ihm ums Land geht. Anscheinend will er aus der Situation Profit schlagen. Das ist nicht angemessen.
Schließen Sie einen Verbleib Laschets als Ministerpräsident aus?
Armin Laschet hat sich für Berlin entschieden. Dementsprechend muss die CDU sich in NRW neu aufstellen.
Muss Armin Laschet nach diesem Ergebnis zurücktreten?
Die CDU und Armin Laschet müssen mit dem Votum der Wähler umgehen. Ratschläge anderer Parteien brauchen sie dabei nicht.
Christof Rasche, Mitglied im Bundesvorstand der FDP.
Wird die FDP zur Landtagswahl 2022 mit einem eigenen Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten antreten?
Falls CDU, SPD und Grüne einen Kandidaten aufstellen, müssen wir uns strategisch mit der Situation befassen. Die Trielle haben gezeigt, dass die FDP dadurch weniger stattgefunden hat.
Nach der Niederlage der CDU: Muss die FDP sich in NRW mehr Richtung SPD und Grünen öffnen?
Wir setzen auf die Fortsetzung des Bündnisses mit der CDU. Das ist kein Selbstläufer, aber machbar. Wir gehen heute bereits respektvoll mit SPD und Grünen um. Wenn sich andere Herausforderungen ergeben, muss man sich ihnen stellen.

Nach der herben Klatsche bei der Bundestagswahl werden Forderungen nach einem Rücktritt von CDU-Chef Armin Laschet lauter. Jetzt auch öffentlich. *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa

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