Kommentar zur Bundestagswahl

Merkel-Vorsprung komplett verspielt: Laschet müsste eigentlich zurücktreten

Die CDU/CSU ist bei der Bundestagswahl hinter die SPD zurückgefallen - trotz des Angela-Merkel-Vorsprungs.

Nach der Bundestagswahl* ist vor der Bundestagswahl – also bleibt fast alles unklar. Deutschland hat einen neuen Bundestag gewählt – einen neuen Kanzler samt Regierung aber noch lange nicht. Wir stehen vor einem Herbst voller Qualen.

Eigentlich müsste Armin Laschet an diesem Montag zurücktreten - als Parteichef und als Kanzlerkandidat. Er hat den Merkel-Vorsprung komplett verspielt und die Union mit einem von Anfang bis Ende unglücklichen Wahlkampf aufs Mitbewerberniveau absacken lassen. Erinnert sich noch jemand an die Zeiten, als sich CDU und CSU als letzte verbliebene Volksparteien feierten und der SPD ein baldiges Ableben prophezeiten? Vorbei, verspielt.

Bundestagswahl 2021: Armin Laschets Endspurt-Analyse zeigt Dramatik seiner Kandidatur

Dass Laschet am Abend auch noch einen „gelungenen Endspurt“ seines Wahlkampfs lobte, zeigt die Dramatik seiner Kandidatur. Er sagt selbst, dass es noch schlimmer hätte kommen können. Gelungen ist faktisch fast gar nichts.

Man mag sich gar nicht vorstellen, was im Kopf der scheidenden Kanzlerin vorging, als sie am Abend in einem letzten Akt der Solidarität neben ihrem bedauernswerten Parteifreund Aufstellung nehmen musste. Vermutlich ist sie einfach nur froh, mit dem bevorstehenden Gezerre wenig zu tun zu haben. Eine letzte Silvester-Ansprache wird sie wohl verkraften, falls es bis dahin mit der Regierungsbildung noch nichts wird.

Bundestagswahl 2021: Bei Koalitionsverhandlungen wird es für SPD und Union teuer

Allein die Aussicht, dass eine Regierung unter Führung des großen Wahlverlierers immer noch möglich ist, hält den CDU-Spitzenmann vorerst im Amt. Beide übrig gebliebenen Kanzlerkandidaten, Armin Laschet wie Olaf Scholz, haben klargemacht, dass sie die neue Regierung anführen wollen, trotzig der eine, selbstbewusst der andere. Es geht um nichts weniger als ums politische Überleben.

Und sofern spät in der Wahlnacht nicht überraschend doch noch ein rot-rot-grünes Bündnis möglich wurde, werden wir in den nächsten Wochen ein beispielloses Buhlen der beiden alten Großkoalitionäre um zwei neue Partner erleben. Eine Fortsetzung der großen Koalition scheint ausgeschlossen. Das wird teuer. Sowohl Grüne als auch FDP können hohe Preise für ihre Stimmen einfordern. Sie werden die Kanzlerkandidaten gegeneinander ausspielen. Je länger es dauert, desto mehr müssen Armin Laschet und Olaf Scholz für ihren Spitzenplatz zahlen.

Den Kanzler stellt am Ende wohl die Partei, die sich in einer grün-gelben Umklammerung die meisten Zugeständnisse zumutet. SPD und Union liegen vielleicht vorne, doch die wirkliche harte Zeit beginnt jetzt erst.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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