Forscher untersuchen Mobilität

Ausgangssperre gefordert: Was diese Corona-Regel wirklich bewirkt

Die nächtliche Ausgangssperre gilt als Instrument zur Bekämpfung des Coronavirus. Forscher zeigen die mögliche Auswirkung dieser Maßnahme auf die Mobilität.

Hamm - Im Zuge der strengeren Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus und zum Brechen der dritten Welle bringen führende Politiker wie auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) immer wieder die nächtliche Ausgangssperre ins Spiel. Personen sollen ihre Wohnung oder ihr Haus dann nur noch aus einem triftigen Grund verlassen. (News zum Coronavirus)

LandDeutschland
HauptstadtBerlin
Bevölkerung 83.190.556 (30. September 2020)[2]
Staats- und Regierungsformparlamentarische Republik (Bundesrepublik)

Nächtliche Ausgangssperre in NRW und Deutschland gefordert: Was diese Corona-Regel wirklich bewirkt

Aber was bringt diese Maßnahme der nächtlichen Ausgangssperre, die jetzt auch im Corona-Hotspot im Märkischer Kreis greifen soll, wie come-on.de* berichtet? Im Zuge der Ausgangssperre im MK müssen auch Supermärkte früher schließen. Ein Forscher-Team aus Mitgliedern der Projektgruppe Computational Epidemiology am Robert Koch-Institut (RKI) und der Research on Complex Systems Group (ROCS) am Institut für Theoretische Biologie und IRI Life Sciences der Humboldt-Universität zu Berlin hat die möglichen Auswirkungen von nächtlichen Ausgangssperren auf die Mobilität analysiert.

Diskutiert wird meistens eine nächtliche Ausgangssperre von 22 Uhr bis 5 Uhr. Die ausgewerteten Daten mit der durchschnittlichen Anzahl an Bewegungen pro Stunde zeigt: In diesem Zeitraum ist der Anteil der Mobilität recht gering: Er liegt in Deutschland durchschnittlich bei 7,4 Prozent. In Nordrhein-Westfalen ist dieser Wert mit 8,1 Prozent nur minimal höher.

Die Statistik der Experten des RKI und der HU zeigen: Die nächtliche Ausgangssperre wäre effektiver, wenn der Zeitraum beispielsweise von 20 Uhr bis 5 Uhr ausgeweitet werden würde. In dieser Zeitspanne steigt der betroffene Anteil der Mobilität - wenn auch nur geringfügig - auf 12,3 Prozent.

Nächtliche Ausgangssperre wegen Corona: Nicht alle Bewegungen würden wegfallen

Das Forscher-Team weist in seinem Bericht darauf hin, „dass bei einer Ausgangssperre nicht 100 Prozent der Bewegungen im Zeitraum der Sperre wegfallen. Zudem gibt es vermutlich Ausweicheffekte, zum Beispiel dadurch, dass einzelne Trips auf den Zeitraum außerhalb der Ausgangssperre verlagert werden.“

Die Mobilität nach Tageszeit deutschlandweit im Durchschnitt für März 2021 (1.3.-21.3.2021)

Somit lässt sich festhalten, dass sich die Effektivität - oder gar die Sinnhaftigkeit - von Ausgangssperren in Grenzen hält. Schließlich, so zeigen es die Zahlen zur Mobilität des Forscher-Teams aus Berlin, bewegen sich in diesem Zeitraum ohnehin nur wenige Menschen, sodass diese auch weniger Personen mit Corona infizieren könnten.

Karl Lauterbach für nächtliche Ausgangssperre ab 20 Uhr - Effektivität umstritten

Schon vorher hatten Experten angemahnt, dass die Wirkung von Ausgangssperren nur bedingt zu überprüfen seien. Eine britische Studie kam zu dem Ergebnis, dass Ausgangssperren im Vergleich zu anderen Maßnahmen sogar weit weniger brächten.

Und dennoch werden die Rufe nach Ausgangssperren lauter: Noch deutlicher als Kanzlerin Angela Merkel, die im Zuge eines bundesweiten Lockdowns eine Reihe von Maßnahmen fordert, spricht sich regelmäßig auch Gesundheitsexperte Karl Lauterbach für eine nächtliche Ausgangssperre aus. „Ich sehe keinen anderen Weg, als hier mit einer Ausgangssperre ab 20 Uhr zu arbeiten, zumindest für eine befristete Zeit für zwei Wochen“, sagte der SPD-Politiker jüngst in der ARD.

Sollten ganz andere Maßnahmen als eine nächtliche Ausgangssperre her? Der Report zur Mobilität in der Corona-Pandemie von RKI und HU belegt auch, dass die tageweise Mobilität im Sieben-Tage-Mittel derzeit rund 11 Prozent unter dem Wert von 2019 liege (Stand: 26.03.2021). Dies ist jedoch eine deutlich geringere Abnahme als kurz nach dem Ausbruch des Coronavirus in Deutschland im ersten Lockdown, als die Mobilität auf bis zu 40 Prozent unter das Niveau des Vorjahres gefallen war. Die Menschen bewegen sich also wieder deutlich mehr als noch im ersten Lockdown. *come-on.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Moritz Frankenberg/dpa

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