„Feuern Infektionsgeschehen weiter an“

Ausgangssperre: Virologe Streeck warnt vor Lockdown-Maßnahme - „Feuern Infektionsgeschehen an“

Die Rufe nach einem harten Lockdown werden lauter. Auch eine Ausgangssperre ist im Gespräch. Virologe Hendrik Streeck lehnt diese Corona-Maßnahme ab - und warnt sogar.

Hamm - Kommt er oder kommt er nicht, der harte Bundes-Lockdown? Weil die Corona-Lage in Deutschland weiterhin angespannt ist, wird über verschärfte Maßnahmen diskutiert. Im Gespräch ist auch eine nächtliche Ausgangssperre, wie sie unter anderem Kanzlerin Angela Merkel gefordert hat. Virologe Hendrick Streeck hält davon nichts. In seinen Augen würden Ausgangssperren das Infektionsgeschehen sogar befeuern. (News zum Coronavirus)

NameHendrik Streeck
Geboren7. August 1977 (Alter 43 Jahre), Göttingen
AusbildungCharité – Universitätsmedizin Berlin

Ausgangssperre: Virologe Hendrik Streeck warnt vor Lockdown-Maßnahme - aus einem bestimmten Grund

Im Videocast „19 - die Chefvisite“ hat Hendrik Streeck vor einer nächtlichen Ausgangssperre als Maßnahme gegen die Ausbreitung des Coronavirus gewarnt.  „Dadurch feuern wir das Infektionsgeschehen weiter an“, sagte der Bonner Virologe.

Dabei verweist Streeck auf Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI), die zeigen, dass sich vor allem sozial Schwache in beengten Wohnverhältnissen infizieren. Laut dem Virologen sehe man diese Verschiebung des Infektionsgeschehens vor allem in Berlin-Neukölln und im Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen.

Bei einer Ausgangssperre hätten Menschen, die auf engem Raum zusammenleben, nicht mehr die Möglichkeit, sich Corona-konform aus dem Weg zu gehen, argumentierte Streeck. Seine Hypothese also: Das Infektionsgeschehen würde dadurch nur noch weiter angefeuert werden.

Wie sich nächtliche Ausgangssperren auf die Mobilität auswirken, hat ein Forscher-Team jetzt untersucht. Der Effekt dürfte demnach überschaubar sein. Trotzdem greifen immer wieder Hotspot-Regionen auf diese Maßnahmen zurück. Zuletzt hatte der Märkische Kreis in NRW eine nächtliche Ausgangssperre verhängt.

Ausgangssperre: Henrik Streeck schlägt anderes Konzept vor - „Corona-konforme Treffmöglichkeiten“

Hendrick Streeck schlägt stattdessen eine andere Lösung vor: „Wir schaffen sichere Bereiche draußen, wo die Menschen sich treffen können, anstatt sie weiter zusammenzudrängen.“ Als Beispiel nennt er gelüftete Turnhallen mit Sicherheitspersonal.

Streeck betont aber, dass er sich damit nicht per se für Öffnungen im Lockdown ausspreche. „Man muss Ventile schaffen“, so der Virologe. Es gehe um Corona-konforme Treffmöglichkeiten. Auch die Außengastronomie, wo das Infektionsrisiko vergleichsweise gering ist, könne dabei laut Streeck eine Rolle spielen.

Der Bonner Virologe hat seit Beginn der Pandemie immer wieder für Aufsehen in den Medien gesorgt. Jüngst teilte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bei „Markus Lanz“ im ZDF gegen Streeck aus.

Ausgangssperre: Raus aus dem Dauer-Lockdown - aber wie?

Seit Tagen und Wochen führen Politik und Wissenschaft Diskussionen über den richtigen Weg heraus aus dem Dauer-Lockdown und letztlich auch aus der Pandemie. Der für Montag (12. April) geplante Corona-Gipfel mit Bund und Ländern ist bereits abgesagt worden. Zu weit liegen die unterschiedlichen Haltungen der Beteiligten auseinander.

Derweil soll im Eilverfahren das Infektionsschutzgesetz nachgeschärft werden, um bundesweit einheitliche Regelungen für Hotspots zu schaffen.

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini / dpa

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